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Spiel '13

Die internationalen Spieltage (meist nur Spiel genannt) sind die weltgrößte Publikumsveranstaltung für "nicht-elektronische Spiele" und werden vom Friedhelm Merz Verlag veranstaltet. Auch 2013 war die Messe ein Anlaufpunkt für Jung und Alt, für große und kleine Spieler. In den Hallen 1 bis 3 in der Messe Essen wurden neben etlichen Neuheiten und Trends die Klassiker gelebt, gefeiert und am Wichtigsten: gespielt, gespielt, gespielt. Auch wenn die Unterhaltungselektronik nach und nach Einzug in das normale Gesellschaftsspielsegment erhält, so bietet der Großteil der vorgestellten Werke den typischen Spielspaß und Charme. Am Brett, mit Karten, mit Würfeln oder auch ganz anders - manchmal eben optional mit dem Tablet.

Die Messe als Event

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Jedermann hat Spaß und nutzt die angebotenen Flächen, um die neuen Spiele ausgiebig zu testen.
Jahr für Jahr stürmen die Spielebegeisterten die Messe. Nicht wenige kommen aus den Nachbarländern: Niederländer, Franzosen oder Polen sind absolut keine Seltenheit. Das gilt nicht nur für die Besucher, die ihre Taschen, Koffer oder Trolleys hinter sich herziehen, sondern auch für die Aussteller, die liebend gern auf Finnisch das neue Fußballtaktikspiel erklärt haben. Prall gefüllt wird jeder Quadratmeter genutzt, um seine Spiele und Ideen zu präsentieren. Denn eins hat sich in den Jahren herumgesprochen: Die Spiel ist DIE Messe in diesem Bereich. Der starke Zuspruch (149.000 Besucher bei der Spiel '12) dürfte gefühlt noch einmal deutlich übertroffen worden sein. Die Hallen waren voll, es herrschte gute Laune und an jeder Ecke wurde die Einladung zum Zuschauen, Mitspielen und Kennenlernen herzlich gerne ausgesprochen und auch angenommen.

Trends und Leckerbissen

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Kicket - Fußball für das Wohnzimmer oder den Garten
Auffallend sind auf der Messe natürlich immer die Neuheiten, die ein völlig neues Spielkonzept versprechen oder je nach Vorliebe mit einfachen Regeln oder komplexen Strategien die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Neben verrückten Ideen wie Stick Storm (Goliath), bei dem kleine Holzstiele ineinander gesteckt werden, um sie letztendlich in einer spektakulären Kettenreaktion in die Luft fliegen zu sehen, gab es aber auch ruhige und taktische Spiele zu bewundern.

Kicket! ist eine Mischung aus diversen Ansätzen, die etwas Taktik und wenig Ballgefühl verlangt. Der Spieler verschiebt mit den Füßen seine Figuren und passt den Ball auch selbst von Figur zu Figur. Wo steht meine Figur am besten, wohin möchte ich passen und wie kann ich meinem Gegner möglichst gut im Weg stehen? Fußball ohne Schnelligkeit sondern mit taktischen Zügen und einer Portion Glück. Die Spielidee ist innovativ umgesetzt und es macht Spaß. Allerdings wird ein entsprechend großes Spielfeld (2x3 oder 3x5 Meter) benötigt.

Laser Maze (HCM Kinzel) ist ein Beispiel für die vertretenen Solospiele. Wie bereits bei River Crossing geht es darum, dass man sich den Logiklektionen stellt und Aufgaben erfüllt. Diese geben ein bestimmtes Setting vor und der Spieler muss versuchen den echten Laserstrahl mit den Spiegelelementen so zu führen, dass er am Ende das Katzenauge des Zielsteins hell erstrahlen lässt. Grundprinzipien der Physik (Einfall- und Ausfallwinkel) treffen auf Ausprobieren und knifflige Aufgabenstellungen.

Absolut spektakulär präsentiert sich Whacky Wit, welches auf der GamesCom noch als reine Pac-Man-Brettspieladaption vorgestellt wurde. Das Kultspiel wird nun in kleinen Serien hergestellt und bietet neben einem wertigen Spielbrett auch viel Spaß. Allerdings auch zu hohen Konditionen. Mit 350 Messepreis war es wohl das teuerste Spiel der Messe, aber definitiv einen Blick wert. Wer Interesse daran hat, sollte die Gelegenheit nutzen und es sich vorher kostenlos auf whacky-wit.com ausleihen.

Interaktiv und mittendrin

Bereits auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig hat man den Vorstoß der digitalen Welt gespürt und auch vor dem Spielesektor macht diese Entwicklung nicht halt. Zwar gibt es noch nicht so viele Angebote, aber einige Brettspiele lassen sich mit Apps auf dem iPad unterstützen. Zwei Kandidaten sind beispielsweise Die drei ??? und der Feuerdiamant (Kosmos) und Scotland Yard - Master (Ravensburger), die beide auch ohne Unterstützung spielbar sind, mit der Technik aber richtig für Spielspaß sorgen. Während sich die Detektive aus Rocky Beach kooperativ um ihren Fall kümmern, nutzen die Spieler bei der Jagd auf Mister X das Tablet um Augmented Reality groß herauszubringen. Ein Schwenk zur rechten Zeit über das Spielbrett und schon ist das Handy geortet oder die Analyse bietet die Chance, die verschiedenen Züge des Untergetauchten zu visualisieren. Beide Spiele sind auf jeden Fall einen Blick wert, da die interaktive Komponente viel Spaß bereitet und neue Möglichkeiten eröffnet, die es im normalen Spielverlauf nicht gibt - weitere Hilfen oder Fluchtfahrzeuge zum Beispiel.

Dich kenne ich doch und ach SO spielt man das richtig

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Auch der gute alte Cube ist wieder vertreten und sorgt nach vielen Jahren noch für verblüffte Gesichter, wenn die Profis die Seiten in wenigen Sekunden wieder einfarbig haben
Während dem Stöberrundgang - an dieser Stelle sei für nächstes Jahr schon einmal das Wochenendticket empfohlen - fallen auch alte Bekannte auf, die in neuen Auflagen oder mit neuen Erweiterungen aufwarten. Da wäre zum Beispiel Hanabi (Abacusspiele), Spiel des Jahres 2013, bei dem das innovative Spielprinzip - niemand sieht seine eigenen Karten - mit einem sehr einfachen Twist ein völlig neues Spielgefühl erzeugt. Aber auch die altbekannten Zombies!!!, die mittlerweile in der zehnten Edition dem Spieler ans Gehirn wollen werden ausgiebig erklärt, vorgestellt und gespielt. Monopoly (Hasbro) gibt es in der (gefühlt) hundertsten Variante, diesmal nennt es sich Imperium und der Spieler kauft anstatt Straßen nun Marken. Die Liste der Erweiterungen ist lang: Von Carcassonne über Die Siedler bis hin zu Munchkin-Sets oder Schach für mehrere Spieler - es findet sich alles auf der Messe.

Wer dann eine Verschnaufpause einlegen wollte, konnte diese aktiv nutzen und den Profis beim Zocken zusehen. Neben Rubik's Cube-Meistern gab es Wettbewerbe und Turniere und die stolzen Spieler sonnten sich gerne in der erkenntnisreichen Anerkennung der Zuschauer, die viele spannende Partien zu sehen bekamen und auch den einen oder anderen Tipp für das eigene Spiel erhielten.

Hinsetzen, mitspielen, mitnehmen

Das Prinzip der Spiel ist einzigartig. Wer sich etwas ansehen möchte, tut es. Wer zuschauen will, für den ist Platz. Die vielen Helfer erklären gekonnt in wenigen Worten die Regeln, setzen sich zu den Spielern und vermitteln schnell das Spielgefühl und das Potential des jeweiligen Produktes. Nach wenigen Minuten weiß man, ob es einem gefällt und wer möchte, kann es direkt vor Ort kaufen. Meist sogar ein paar Euro günstiger - der Messepreis macht es möglich. Einige Stände waren auch nur für den Verkauf aufgebaut und so stöbern sich die Spieler mit Taschen und Koffern durch die aufgestapelten Spiele und packen die Einkaufstaschen voll. Bei den großen Ständen gab es Rabatte und Gutscheine und auch die kleinen Händler waren einem Gegenvorschlag meist nicht abgeneigt. Bisweilen durfte man seine Preise sogar erwürfeln, was eine schöne Überleitung bietet:

Rollenspiele und Tabletops

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Einsteigerrunden boten einen schnellen Überblick um einen guten Ersteindruck vom jeweiligen Spiel zu erhalten
Rollenspiele und Tabletops sind in Deutschland oft eine ruhige Angelegenheit, über die nur in speziellen Nischen ausführlich geschrieben wird. (Wer sich mehr für diesen Bereich interessiert ist bei unseren Freunden den Teilzeithelden herzlich willkommen: Tabletop, LARP, Tischrollenspiel) Die klassischen Pen-&-Paper Varianten wie Das Schwarze Auge(Ulisses) oder Shadowrun (Pegasus) sind den meisten wohl bekannt und so stellten sich auch die neuen Regelwerke, aber auch ganz neue Spielsysteme ausgiebig vor. Neben den lang erwarteten fünften Regeleditionen der beiden Spiele wurden aber auch Neuheiten vorgestellt. Zum Beispiel Finsterland, ein Steampunk-Setting ab drei Spielern, welches mit sehr einfachen Grundregeln noch unerfahrene Rollenspieler anlocken möchte - oder eben jene, denen die Regelflut bei diversen Systemen zu groß gerät. Wer sich hier ins Abenteuer stürzt, der muss nur wenig lesen, dafür aber viel spielen. Die Charaktere und ersten Abenteuer liegen dem Einsteigerset bei.
Aber auch Myth, ein erfolgreiches Kickstarter-Projekt, ebenso wie die Erweiterungen zum Star Wars Miniaturenspiel X-Wing (Heidelberger Spieleverlag) wurden vorgestellt und angespielt.

Krimi TOTAL bietet dabei wohl den einfachsten Einstieg in das Rollenspiel. In den kleinen Themenboxen befindet sich alles, was für einen Abend benötigt wird. Die Gäste werden eingeladen, die Rollen in dem Kriminalfall verteilt und nach und nach müssen die Spieler Hinweise entdecken und ihre Schlüsse ziehen, um als ihre (verkleideten) Charaktere den Mord oder das Rätsel aufzulösen. Wunderschöner Spielspaß für einen Abend - ideal, um einmal in andere Rollen zu schlüpfen. Eine ganz klare private Empfehlung an dieser Stelle von mir.

Zubehör und Ersatzteile

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Wer Rollenspiele mag, sammelt meist auch Würfel. Auch dieses Jahr gab es eine breite Auswahl
Jeder findet auf der Spiel etwas, was ihn interessiert. Das Angebot ist breit gefächert und deckt von Kinderspielen bis zur hochkomplexen Strategieschlacht wirklich alles ab. Mittlerweile bekommt man aber auch Ersatzteile zu fairen Preisen. Spielfiguren gehen mal kaputt oder lösen sich zu Hause in Luft auf, auf der Messe können sie nachgekauft werden. Für die meisten Spiele wird kein Zubehör angeboten, aber sobald es Richtung Rollenspiel und LARP geht stehen die Damen und Herren an den Ständen bereit und bieten neben einem köstlichen Met (Der Metmann) auch Würfel, Rüstungen, Schreibgerät, geniale Würfeltürme oder Kartenhalter (e-Raptor) an.

Comics

Weniger Platz, aber keinen geringeren Stellenwert nehmen die Comics und Künstler ein. Neben den Branchen-Gianten Panini Comics und dem Splitter Verlag haben auch viele kleine Stände ihr Angebot dargelegt und luden zum Stöbern und Handeln ein. Gesprächsbereite Künstler saßen an ihren Werken und "boten diese feil", andere grüßten die Zwölfgötter - Rondra zum Gruße! - und zeichneten gerne Avatare und Helden.

Fazit

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Ein Auszug meiner Eroberungen: Würfel, Spiele und mehrere Kartenhalter - ideal für die Munchkin-Reihen
Die Spiel '13 war überragend: Neben einer Unmenge an neuen Spielen und Ideen, die vorgestellt wurden, wurden auch älteren Vertreter mit Erweiterungen und neuem Material gewürdigt. Es herrschte eine ausgelassene und freundliche Stimmung, an allen Tischen war man gerne gesehen. Zuschlagen konnte man an jeder Ecke, fast überall gab es Messepreise und dieser Bericht schafft es nicht einmal im Ansatz alle Spiele, Comics und Künstler vorzustellen. Zugeschlagen haben wir natürlich auch und werden Euch in den nächsten Wochen immer wieder neue Spiele in der gewohnten Art und Weise vorstellen. Der erste Tipp direkt an dieser Stelle: Die Spiel '14 solltet ihr auf keinen Fall verpassen! (16. - 19. Oktober 2014)

Nicolas Gehling, 06.11.2013