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Im Gespräch mit Heike Koschyk
Interview mit Heike Koschyk
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(c) Vera Schott
Media-Mania.de: Guten Morgen, Frau Koschyk,
kurz vor der Frankfurter Buchmesse ist Ihr neuer Roman „Pergamentum“ beim Aufbau Verlag erschienen. Bereits im Frühjahr haben Sie eine Biografie der Hildegard von Bingen geschrieben. Was fasziniert Sie an ihr?


Heike Koschyk: Hildegard von Bingen ist eine sehr spannende Frau. Sie hat mehrere Aspekte in ihrer Persönlichkeit: sie ist sehr charismatisch, sowohl fürsorglich als auch kämpferisch. Das war für diese Zeit besonders ungewöhnlich und ist auch heute noch interessant.

Media-Mania.de: Hildegard von Bingen ist unter anderem für ihr umfangreiches Wissen über Kräuter und deren Wirkung bekannt. Inwiefern sind ihre Lehren in Ihren Augen heute noch aktuell?

Heike Koschyk: Die klösterliche Kräuterheilkunde ist eigentlich immer aktuell. Dabei muss man jedoch vorsichtig sein, denn nicht alles, was heutzutage in der Hildegard-Heilkunde geschrieben wird, stammt tatsächlich von Hildegard von Bingen. Im Mittelalter war es üblich, Werke zu ergänzen und neu zu kommentieren.. So findet man beispielsweise in den Heilanweisungen die Kartoffeln, die Erdbeere oder die Bohne. Alles Dinge, die es zur Zeit Hildegards noch nicht gab. Ebenso darf man auch das Kapitel über die Alraune und deren Zauberkräfte nicht Hildegard von Bingen zuschreiben, da die Äbtissen den Aberglauben scharf verurteilte. Grundsätzlich stammt aber ein Großteil der Anweisungen aus der Feder der Äbtissin und ich denke mal, dass alles, was heilt, auch seine Berechtigung hat. Gerade die Klostermedizin ist sehr wirkungsvoll, egal, ob sie nun auf visionärem Grund entstanden ist oder aus Tradition überliefert wurde.

Media-Mania.de: Kann man nachverfolgen, was von Hildegard von Bingen geschrieben und was hinzugefügt wurde?

Heike Koschyk: Sehr schwer. Die Werke, die gefunden worden sind, sind erst ungefähr 130 Jahre nach ihrem Tod entstanden. An den Schriften hat man gesehen, dass es sehr viele Unterschiede, auch Übersetzungsfehler gab. Von daher kann man nur den übereinstimmenden Teil der Schriften der Äbtissin zuzuschreiben.

Media-Mania.de: Was ist mit den Originalen passiert?

Heike Koschyk: Das Kloster Rupertsberg wurde im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden zerstört. Dort ist ein Großteil der Schriften mit verbrannt. Außerdem wurde das Kloster von den Binger Bürgern geplündert, als die Nonnen fliehen mussten

Media-Mania.de: Hildegard von Bingen lag die Natur sehr am Herzen. Damals war diese sicherlich noch nicht in dem Maße gefährdet wie heute. Der Umweltschutz wird ein immer größeres Thema und auch die Frankfurter Buchmesse hat sich Gedanken zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit gemacht. Was tun Sie für die Umwelt?

Heike Koschyk: Das ist eine sehr spannende Frage und ich muss bei der Beantwortung wieder auf Hildegard von Bingen zurückkommen. Sie hat nämlich tatsächlich bereits damals das symphonischen Denken geprägt: Alles ist wie bei einer großen Symphonie miteinander verbunden und man kann nichts tun, ohne dass es Auswirkungen hat, sei es nun im persönlichen Bereich oder auch in der Umwelt, der Natur. Dieses Denken finde ich sehr faszinierend, weil es jetzt gerade Thema in Bezug auf die Nachhaltigkeit ist. Man kann nicht einfach vor sich hin leben und glauben, dass die Natur auch bis in alle Zukunkt noch besteht, so wie sie ist. Wir müssen die Erde bewusst beschützen. Das fängt bei der Mülltrennung an und geht über Fahrradfahren statt Autofahren bis hin zum Energiesparen im Haushalt. Das sind die einfachen Dinge, die man zumindest beherrschen sollte.

Media-Mania.de: Sie haben eine schöne Homepage, www.heike-koschyk.de. Darüber findet man Sie auch bei Twitter und Facebook. Twittern Sie regelmäßig?

Heike Koschyk: Im Moment ja. Wenn ich schreibe, werde ich sicherlich nicht mehr regelmäßig twittern können, weil ich dann in eine Welt versinke, in der ich nicht soviel Zeit habe, mich mit der Realität zu befassen. Aber ansonsten bringt das großen Spaß, man bekommt viele Informationen über das, was die Menschen interessiert und worüber sie nachdenken.

Media-Mania.de: Gibt es ein Hauptthema, über das Sie twittern?

Heike Koschyk: Natürlich die Bücher … (lacht)
Das ist das Hauptthema. Was ich gerade lese, was mich gerade beschäftigt. Natürlich ist auch “Pergamentum“ ein großes Thema gewesen, weil sich sehr viel darum gedreht hat. Ich hatte ja gerade Buchpremiere. Davor war die Fertigstellung der Homepage oder der Buchtrailer. Es gab immer etwas darüber zu schreiben, aber ich wollte nun nicht nur von dem Buch schreiben, auch wenn es jeden Tag etwas zu berichten gegeben hätte … (lacht)
Aber ich habe auch Kontakt zu einigen Schriftstellern dort. Wir tauschen uns aus und es ist eine schöne Community.

Media-Mania.de: Das Social Networking ist in den letzten Jahren sehr populär geworden mit Twitter, Facebook und jeder Menge anderer Plattformen. Inwiefern verändert das Social Networking die Buchbranche?

Heike Koschyk: Man merkt die Veränderung jetzt schon. Gerade bei Facebook stellen sich immer mehr Buchhandlungen dar, und ich denke, das ist erst der Anfang. Es rückt ja auch eine Buchhändler-Generation nach, die sehr viel mit Computern macht und auch die Leser sind immer mehr computerorientiert. Ich denke schon, dass es später große Auswirkungen haben wird.

Media-Mania.de: Im Dezember erscheint das neue Media Mania Magazin mit dem Schwerpunkt Lesen. Die meisten Autoren sind selbst Bücherwürmer, so lesen Sie bestimmt auch gerne. Haben Sie einen bestimmten Lieblingsort, an dem Sie lesen?

Heike Koschyk: Lieblingsort ist … hmm … meistens vor dem Schlafengehen, wenn ich dazu die Zeit finde, weil es meistens sehr spät wird. Ansonsten habe ich einen Sessel im Wohnzimmer stehen, in dem ich tatsächlich auch schreibe. Ich habe zwar einen Schreibtisch, aber ich sitze dann meistens mit dem Laptop auf den Knien, weil es direkt am Bücherregal ist und eine unheimlich schöne Atmosphäre hat. Da sitze ich dann auch und lese gerne.

Media-Mania.de: Was lesen Sie im Moment beziehungsweise was war das letzte Buch, das Sie gelesen haben?

Heike Koschyk: Das letzte Buch, das ich begonnen habe, ist „Die Hütte“, weil es mich vom Thema her interessiert hat. Ich bin aber, ehrlich gesagt, noch nicht weiter gekommen. Auf der Autofahrt zur Buchmesse habe ich Rebecca Gablé „Das zweite Königreich“gehört. Auch „Die Päpstin“ habe ich gerade erst gelesen. Umberto Eco ist übrigens mein Lieblingsautor, den ich immer wieder lesen könnte, vor allem „Der Name der Rose“.

Media-Mania.de: Wie geht es jetzt nach der Buchmesse für Sie weiter? Haben Sie ein weiteres Buch geplant?

Heike Koschyk: Natürlich geistert mir da schon etwas im Kopf herum. Ich habe einige spannende Ideen, die man verwirklichen könnte. Ich warte jetzt aber erst einmal ab, ob das Buch „Pergamentum“ vom Handel und den Lesern gut angenommen wird. Sollte es gut angenommen werden, hätte ich auch einen sehr spannenden zweiten Teil im Kopf. Aber das bespreche ich heute noch mit meinem Agenten.

Media-Mania.de: Na dann viel Erfolg und danke für das Interview!

Heike Koschyk: Dankeschön!



Interview geführt auf der Frankfurter Buchmesse 2009, am Stand der Aufbau Verlagsgruppe

Rezension zum Titel "Pergamentum"
Geführt von Vera Schott am 14.10.2009