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Die Serengeti ruft
Interview mit Uwe Skrzypczak
Media-Mania.de: Hallo Herr Skrzypczak,
vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben. Im Sommer ist Ihr Buch „Wildlife-Fotografie“ im Dpunkt Verlag erschienen. Wie kamen Sie auf die Idee für dieses Buch?


Uwe Skrzypczak: Für die Teilnehmer eines geplanten Fotografenworkshops in der Massai-Mara hatte ich ein 48-seitiges Workbook mit den wesentlichen technischen Anleitungen, wie sie im Fachteil des späteren Buchs vorkommen, erstellt. Als ein Fotografenfreund das Workbook gelesen hat, sagte er: Uwe, daraus musst du ein Fachbuch machen, so präzise hat noch keiner die technischen Vorraussetzungen der digitalen Wildlife-Fotografie beschrieben.
Aufgrund meiner jahrelangen, fotografischen Erfahrung in Ostafrika war für mich sofort klar, das riesige Serengeti-Ökosystem ist das richtige Vehikel, um die ganze erforderliche Fototechnik leicht, locker und verständlich zu transportieren. Die Artenvielfalt der Serengeti lässt eine weitestgehende Adaption der vermittelten fotografischen Vorgehensweise auf andere Tierarten rund um den Erdball zu. Mit Gerhard Rossbach vom dpunkt Verlag habe ich dann einen »echten, unternehmerischen Verleger« gefunden, der mir zu meinem größten Erstaunen bereits 14 Tage nach Manuskripteinreichung das »go« erteilt hat.

Media-Mania.de: Gerade die Serengeti scheint es Ihnen sehr angetan zu haben. So wird auch Ihr neues, im Sauerländer Verlag erscheinendes Kinderbuch »Simba, Duma, Tembo, so leben Tierfamilien in Afrika« darüber berichten. Warum wieder ein Afrikabuch und worum geht es darin?

Uwe Skrzypczak: Ich schreibe meine Bücher erstrangig, um dazu beizutragen, dass uns allen die Serengeti noch lange erhalten bleibt, also um die Leser für Ostafrika zu begeistern. Oder glauben Sie im Ernst, dass die über 10 Jahre vor Ort in Afrika aufgewendeten Aufnahmekosten durch ein Fachbuch und zwei Kinderbücher wieder eingespielt werden?
Das neue Kinderbuch erzählt reich bebildert vom Aufwachsen und Leben der wichtigsten Wildtiere Afrikas, um die Kinder dafür soweit zu begeistern, dass vielleicht einige von ihnen als Erwachsene zum zukünftigen Erhalt der Serengeti beitragen werden.

Media-Mania.de: Was fasziniert Sie so an diesen Tieren? Wieso fotografieren Sie lieber Raubkatzen als Pinguine?

Uwe Skrzypczak: Natürlich mag ich auch Pinguine und viele andere Tiere. Diese Tiere sind aber nicht akut vom Aussterben bedroht. Der Eisbär ist trotzdem sogar weltweit zum Indikator des Klimawandels geworden. Medien und Verlage haben dieses Thema so weit aufgebauscht, dass viele Menschen denken, er stirbt übermorgen aus. Die Panikmache um Pinguine und Eisbären kann ich nicht mehr hören. Der Eisbär hat bereits eine viel stärkere Klimaerwärmung im Mittelalter überlebt, als Grönland noch grün war und die Wikinger dort Ackerbau betrieben haben.
Und Afrika? Es ist darüber wieder einmal völlig vergessen worden.
Über die Arktis können sie den Verlagen auch den Zweihundertdreiundvierzigsten Bildband verkaufen, während Afrikathemen nur müde belächelt werden. Dabei gibt es auch nicht mehr Löwen wie Eisbären auf der Welt, vermutlich sogar weniger. Der Lebensraum der Löwen befindet sich zum Teil in den ärmsten Regionen dieser Welt, während die Eisbären am nördlichen Rand der sogenannten, reichen westlichen Welt mit ihren großen Ressourcen zum möglichen Schutz dieser Tierart leben. In Kenia gibt es nur noch 2000 frei lebende Löwen, jährlich um etwa 100 abnehmend, das heißt, der Löwe ist dort in 15 bis 20 Jahren ausgestorben, wenn wir nichts für seinen Erhalt tun.
Wenn zukünftig die Pinguine und Eisbären so akut vom Aussterben bedroht sind, werde ich auch darüber schreiben.

Media-Mania.de: In „Wildlife-Fotografie“ gehen Sie auch auf das Ökosystem der Serengeti und der Massai Mara ein. Inwiefern sehen Sie dieses Ökosystem durch den Klimawandel gefährdet?

Uwe Skrzypczak: Das El-Nino-Phänomen und der Klimawandel haben sich in Ostafrika zeitweise durch starke Fluten, Ackerbodenerosion und jetzt durch jahrelange Dürren extrem ausgewirkt. Die Überbevölkerung und ein sich dadurch enorm ausbreitender und mangels Agrarkenntnisse wenig ertragreicher Ackerbau der einheimischen Bevölkerung beschleunigt die Umweltzerstörung dort immer weiter. Zusätzlicher Auslöser der Umweltzerstörung ist aber auch eine früher völlig fehlgeleitete Entwicklungshilfe und Agrarpolitik zur Anlage großer Monokulturen in Afrika seitens der westlichen Welt. Dies hat zum Abgraben vieler Seen und Flüsse für die landwirtschaftliche Bewässerung geführt. Der Pegel des Mara-Rivers, der Lebensader des gesamten, nördlichen Serengeti-Ökosystems, ist dabei auf 60 % des Normalstands gefallen. Geht der Pegel deutlich unter 50%, bricht das Mara-Ökosystem zusammen. Dieses Gebiet ist aber das Futterreservoir während der drei Monate Trockenzeit in Tansania für die großen Hufttierherden aus der Serengeti. Ein Zusammenbruch würde deshalb das gesamte Serengeti-Ökosystem mit sich reißen. Der für diesen Fall wissenschaftlich prognostizierte Populationsrückgang der Huftiere in der Serengeti liegt bei 75 bis 90%. Die aktuelle Raubtierpopulation in der Serengeti wird eine Erholung der Huftierpopulation nicht mehr zulassen und somit für das eigene Aussterben sorgen.

Media-Mania.de: Auf Ihrer Website, www.serengeti-wildlife.com, findet man direkt die Buttons, um Ihnen bei Facebook und Twitter zu folgen. Wieso nutzen Sie diese Plattformen?

Uwe Skrzypczak: Zugegebener Maßen, zuerst für das Eigenmarketing. Heute erstrangig um mit Tierschützern aus der ganzen Welt, vor allem auch direkt aus der Mara oder Serengeti in Kontakt zu bleiben und die neusten Nachrichten aus diesen Gebieten tagesaktuell zu bekommen. Durch die weltweite Verknüpfung bleibt es auch weiterhin ein sehr gutes Eigenmarketing, aber natürlich für alle Beteiligten, die es nutzen.

Media-Mania.de: Worüber twittern Sie bzw. worüber schreiben Sie bei Facebook?

Uwe Skrzypczak: Mal über eigene Dienstleistung, wie beispielsweise ein Fotografenworkshop, den ich in der Massai-Mara anbiete. Zumeist tausche ich aber Artikel zum Schutz von Umwelt und Tierwelt in Ostafrika aus. Leider komme ich bei eigenen Artikeln oft nicht schnell genug nach. Mangels gutem, eigenen Schriftenglisch muss ich meine Artikel teuer übersetzen lassen, was ich mir auch nicht permanent leisten kann. Aber vielleicht finde ich ja bald einen ähnlich eingestellten Enthusiasten, der mir bei der Übersetzung hilft. Eine Nutzung dieser Netzwerke macht generell nur wirklich Sinn, wenn man neben dem Deutschen auch in Englisch kommuniziert.

Media-Mania.de: Das Social Networking ist ein regelrechter Hype im Moment. Wie glauben Sie wird diese Form des Netzwerken und Kommunizieren die Buchbranche in den nächsten Jahren verändern?

Uwe Skrzypczak: Wenn wir Youtube und ähnliche mit hinzuzählen – ähnlich wie die Musikbranche. Apple hat in der Musikbranche vor allem in den U.S.A eine praktisch marktbeherrschende Position. Mich würde es nicht wundern, wenn Apple auch die Buchbranche mit seiner prall gefüllten Kriegskasse aufrollen würde. Der deutsche Buchmarkt fühlt sich zwar durch die Preisbindung geschützt, diese ist aber beim eBook übers Internet leicht zu unterlaufen.

Media-Mania.de: Auf der Frankfurter Buchmesse war dieses Jahr auch das eBook ein großes Thema. Wie stehen Sie zum eBook?

Uwe Skrzypczak: Das eigentliche Geschäft mit dem eBook wird, solange die Buchpreisbindung besteht, am deutschen Buchhandel vorbeigehen. Wenn in der Folge die Preisbindung auch in Deutschland fällt, ist der Kuchen längst neu verteilt. Amazon verkauft in den Staaten bereits 48 % aller Titel als eBook.
Beim Verkauf eines eBooks in Deutschland müsste der Buchhandel dem Kunden erst einmal erklären, warum er für den Download eines aktuellen Buchs das Gleiche zahlen soll, wie für ein gedrucktes Buch. Der Download einer kompletten CD kostet bei i-Tunes auch nur etwa ein Drittel der gepressten CD im Musikhandel. Der Markt für CDs und Schallplatten ist radikal geschrumpft, der Markt für das gedruckte Buch wird einen ähnlichen Weg gehen. Der Buchhandel wird sich zukünftig nur durch völlig neue Vermarktungsstrategien und Ladenbaukonzepte am Markt halten können. Selbst über 20 Jahre im Industrie- und Handelsmarketing sowie Ladenbaukonzeption tätig, weiß ich aber, dass viele Buchhändler für solche Ideen gar nicht oder erst viel zu spät aufnahmefähig sind.

Media-Mania.de: Welche Vorteile hätte das eBook bei Ihren Büchern?

Uwe Skrzypczak: Bei Bildbänden und stark bebilderten Kinderbüchern wenig oder keine. Dieser Markt wird als Printmarkt bestehen bleiben. Bei Sachbüchern (aber auch Belletristik etc.) würde ich in Deutschland den Weg über eine Doppelstrategie als Print- und eBook gehen. Da ich meine Bücher selbst druckfertig produziere, macht für mich das eBook kaum Mehraufwand.
Fachbücher werden im Buchhandel bereits heute nur noch von wenigen Spezialisten platziert, deshalb macht der Druck und Vertrieb über den normalen Verlagsweg vermutlich zukünftig keinen Sinn mehr. Mein Wildlife-Buch beispielsweise hat, ob bei Amazon oder in diversen Fotozeitschriften und sogar im »Gorilla« der Frankfurter Zoologischen Gesellschaft nur Topprezensionen. Trotzdem muss ich Kaufwillige, die aus Datenschutzgründen nicht im Internetversand kaufen wollen und bei mir nach Buchhandelsadressen anfragen, anhand der Verlags-Platzierungslistein und in der der Hoffnung, das es dort auch auf Lager ist, zum Teil mehr als 50 Kilometer weit zum nächsten Buchhändler schicken, . Der richtige Vertriebsweg für Fachbücher wird deshalb wohl zukünftig eine Kombination aus eBook und Printing on demand sein, weil diese eh zu 80 oder 90 % über den Internethandel verkauft werden.

Media-Mania.de: Ihr neues Buch erscheint im Dezember. Haben Sie bereits weitere Projekte geplant?

Uwe Skrzypczak: Ich recherchiere dafür bereits seit Monaten. Mein nächstes Buch wird kein »Schönbuch« mehr werden. Ich will versuchen, Afrika mit all seinen Problemen soweit in unser Bewustsein zurückholen, damit wir dort wenigstens die wichtigsten Natur- und Wildlife-Schutzgebiete und Tierarten erhalten können. Vor 50 Jahren ist dies einem Mann mit der Serengeti gelungen, vor 30 Jahren einer Frau mit den Gorillas, vielleicht gelingt mir das ja mit den Löwen.
Ich suche dazu auch noch Sponsoren, die für einen fairen Umgang mit der Dritten Welt stehen, um meine hohen Fotoproduktionskosten vor Ort in den Griff zu bekommen.

Media-Mania.de: Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg!
Geführt von Vera Schott am 23.10.2009