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 Gaston, Band 2: Gaston 2


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Vierzig Jahre lang zeichnete der Autor und Illustrator André Franquin "Gaston". Der Held dieser witzigen, satirischen, gelegentlich absurden Comicstrips ist der gleichnamige Gaston, fauler und permanent mit irgendwelchen verrückten Ideen beschäftigter Bürobote des Verlags Carlsen (im Original Dupuis). Unter seinen spinnerten Ideen leiden vor allem Fantasio und Demel, gelegentlich auch der Polizist Krösel und Herr Bruchmüller, wichtiger Kunde des Verlags.

Anfangs noch eher albern und sinnleer, finden sich in späteren Alben immer mehr Hinweise auf die schweren Depressionen Franquins. Inhalt und Zeichenstil variieren dementsprechend zwischen schlicht und bunt bis hin zu fahrig und chaotisch. Doch in den ersten Jahren - ab 1959 erschien Gaston in einer eigenständigen Serie - überwiegen die urkomischen Einfälle des technisch versierten, immer aber ein kleines Detail bei seinen Erfindungen übersehenden Gaston.
Der vorliegende zweite Band der neunzehnteiligen, ab Juni 2008 von Carlsen neu aufgelegten Serie erschien im Jahre 1960 erstmals und gilt seit vielen Jahren als vergriffen.

Endlich kann man das erste Auftreten des schon legendären Herrn Bruchmüller erleben, der in den vielen Jahren, die er immer wieder in den Verlag Carlsen kam, niemals die vielen, wichtigen Verträge zu unterzeichnen in der Lage war. Immer kam ihm Gaston mit dem ein oder anderen Missgeschick oder einer neuen Erfindung dazwischen.

Auch die später immer wieder aufflammende Erfindungssucht Gastons erlangt im zweiten Sammelband erste Höhen. Auffallendster Fakt aber ist die zunehmende Gewalttätigkeit von Fantasio, dem meist leidgeprüften Vorgesetzten und Mitarbeiter Gastons. Es erscheint heute kaum mehr "politisch korrekt", wie oft er Gaston niederschlägt, mit Fäusten traktiert oder massiv körperlich bestraft, wenn ihm mal wieder die Hutschnur platzt. Doch Franquin, Pazifist aus tiefster Seele, lässt bewusst die Mitmenschen Gastons, die ihn nicht verstehen oder nicht verstehen wollen, so reagieren, um die Sinnlosigkeit und Verwerflichkeit ihres Tuns zu dokumentieren. So führt die Gewalt in seinen Comicstrips entweder zu nichts oder provoziert eine sehr unerwartete Gegenreaktion Gastons, die weniger durch Gewalt, als durch ihre Findigkeit und Raffinesse auffällt.

Um der Dokumentation willen finden sich auf den letzten Seiten auch die Comicstreifen, die Franquin aus Werbezwecken anfertigte. Sie sind mehr oder weniger langweilig und verzichtbar, offenbaren aber dennoch die Erfindungsgabe des Zeichners, dem es immer wieder gelingt, die angepriesene Orangenlimonade in den chaotischen Büroalltag Gastons und Fantasios einzubauen, ohne seinen "Helden" allzu sehr zu verbiegen.

Für Fans ist der zweite Band ein Muss, sie können sowieso auf keine Folge von "Gaston" verzichten. Doch auch Gelegenheitsleser von humorvollen Comics sei Gaston unbedingt empfohlen, wenn auch dieses Album durch die sieben Seiten Limonaden-Werbung ein wenig an Reiz verliert.

Einband, Druckqualität und Layout dieser Serie sind dem Preis von knapp unter zehn Euro mehr als angemessen. Im Gegensatz zu den früheren Papp-Ausgaben ist dieses Hochglanzprodukt als sehr gelungen zu bezeichnen.

Stefan Erlemann



Softcover | Erschienen: 1. Juli 2008 | ISBN: 9783551754325 | Preis: 9,95 Euro | 48 Seiten | Sprache: Deutsch

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