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 Haggard - Tales of Ithiria

Autoren: Haggard
Verlag: Drakkar Records

Cover
Gesamt ++++-
Preis - Leistungs - Verhältnis


Vier Jahre sind seit der Veröffentlichung von Haggards letztem Album "Eppur si Muove" - einem Konzeptalbum über das Leben Galileo Galileis - vergangen. Für Fans, die sehnsüchtig auf einen Nachfolger aus der Feder der Münchner Gruppe warteten, war dies eine lange Zeit, die mit einiger Besorgnis verbunden war. So wurden Titel und Konzept von "Tales of Ithiria" zwar schon frühzeitig bekannt gegeben, aber daraufhin folgte eine lange Funkstille. Teilweise war sogar die Band-eigene Homepage nicht zu erreichen, was zu diversen Mutmaßungen geführt hatte. Das schließlich publizierte Veröffentlichungsdatum musste mehrmals verschoben werden, ebenso wie eine bereits angekündigte Tour. Letztendlich hat das Warten aber nun ein Ende. nun stellt sich die Frage, ob "Tales of Ithiria" überzeugen kann.

Im Gegensatz zu den drei früheren Haggard-Studioalben handelt es sich bei "Tales of Ithiria" nicht um ein Konzeptalbum über eine historische Persönlichkeit. Vielmehr hat Haggard-Mastermind Asis Nasseri diesmal selbst zur Feder gegriffen und eine phantastische Geschichte über das Land Ithiria geschrieben, eine Geschichte über Mut, Ritterlichkeit, Ehrenhaftigkeit, Barmherzigkeit, Vergebung und Toleranz.

So ist das Album mit Einleitung, fünf Kapiteln und fünf Intermezzos auch in Geschichtenform strukturiert. Den Anfang macht "The Origin", ein für Haggard ungewöhnlicher Track, der als Prolog zur Geschichte dient. Noch bemerkenswerter als die Musik, die jedem Fantasyfilm-Soundtrack Konkurrenz machen könnte, ist jedoch die markante Stimme des Erzählers, der den Zuhörer ins Land Ithiria führt. Bei diesem handelt es sich um niemand anderen als den amerikanischen Schlagzeuger Mike Terrana, der Metal-Fans durch seine Arbeit bei Bands wie Rage, Axel Rudi Pell oder neuerdings auch der Ex-Nightwish-Nachtigall Tarja Turunen bekannt sein dürfte. Wer Terrana einmal live erleben konnte, weiß, welche physische Kraft in dem Mann steckt. Hier beweist er, dass er auch seine Stimme äußerst beeindruckend einzusetzen versteht.

Nach diesem für Haggard ungewöhnlichen Intro geht es dann eher im Band-typischen Stil weiter, für den Haggard so bekannt ist. Komplette Lieder wechseln sich mit von Mike Terranas Erzählung dominierten Intermezzos ab. Orchester- und Metal-Elemente vereinigen sich zu einem harmonischen und melodiösen Ganzen, Grunzgesang und Sopranstimmen bilden einen Chor der besonderen Art.

Als kleines Bonbon überraschen uns die Münchner mit ihrer Coverversion des bekannten spanischen Liedes "Hijo de la Luna", das eigentlich von der Band Mecano stammt, die damit 1986 eine alte Legende musikalisch umgesetzt hat. Leider weiß Haggard bei dieser Umsetzung nicht so gut zu überzeugen, wie sie es auf ihrem letzten Album mit der Coverversion von "Herr Mannelig" geschafft haben. Am Zusammenspiel von klassischen und modernen elektrischen Instrumenten gibt es nichts auszusetzen, doch mag es der Hauptsängerin in diesem Fall nicht gelingen, die starken Emotionen, die "Hijo de la Luna" transportiert, glaubwürdig auszudrücken.

"Tales of Ithiria" ist ein typisches Haggard-Album - vielleicht etwas zu typisch. So reiht es sich trotz der nicht-historischen Thematik nahtlos in die drei bisher veröffentlichten Alben ein, ohne großartig daraus hervorzustechen. Die Musik stellt die gewohnte angenehme Mischung aus Klassik und Metal dar, während Asis Nasseris Gesang sich durch das typische Grunzen auszeichnet. Insbesondere im Hinblick auf die lange Wartezeit ist das etwas schade, da man doch erwartet hätte, dass sich etwas mehr Abwechslung in die Musik von Haggard eingebracht hätte.

Die Spielzeit ist mit knapp unter 45 Minuten leider etwas kurz geraten, zumal vier Minuten von einer Coverversion beansprucht werden und fünf Tracks eher kurze Zwischenspiele als ganze Lieder sind. Zum Booklet lässt sich leider nichts sagen, da dem Rezensenten nur eine Promo-CD vorlag.

"Tales of Ithiria" ist keinesfalls schlecht zu nennen. Menschen, die Haggard bisher nicht kannten, werden von diesem Album sicher ebenso angetan sein wie ältere Fans von zum Beispiel "Awakening the Centuries". Eventuell wäre es aber nicht schlecht, wenn Asis Nasseri für die nächste Veröffentlichung seiner Band das bekannte Terrain verlassen und in musikalischer Hinsicht etwas mehr experimentieren würde.

Markus Goedecke



CD | CD-Anzahl: 1 | Erschienen: 01. August 2008 | Laufzeit: 42:48 Minuten | Preis: 16,95 Euro

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