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 Nicht mein Tag

Autoren: Ralf Husmann
Regisseure: Dirk Schwibbert
Sprecher: Christoph Maria Herbst
Verlag: Argon

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton


Wenn man von einem Menschen spricht und dabei Wörter wie "nett", "bieder" oder gar "langweilig" verwendet, könnte es gut sein, dass man Till Reiners damit meint. Der Bankangestellte mit dem Seitenscheitel schätzt sich bereits glücklich, wenn die werten Kollegen auf einer Betriebsfeier nach seinen Gitarrenkünsten verlangen. Und dass er sich vorstellt, wie er mit der jungen, hübschen Jessica, die mehr in der Bluse als im Kopf zu bieten hat, anbandeln könnte, obwohl er doch Frau und Kind zu Hause hat, zeigt nur einmal mehr, wie unspektakulär und durchschnittlich sein Leben so ist.
Da tritt ein Mann in Tills Leben, der alles Bisherige komplett auf den Kopf stellt. Dieser Mann heißt Nappo, ist tätowiert, scheint außerordentlich selbstsicher zu sein, hat eine ziemlich coole Slangsprache drauf - und ist Bankräuber.
Zum ersten Mal in seinem Leben sieht Till die Chance gekommen, ein Held zu sein. Mutig stellt er sich dem Räuber und seinen Forderungen entgegen, in erster Linie, um Jessica zu imponieren. Kurz darauf sieht er sich jedoch in der misslichen Lage einer Geisel und darf Nappo in seinem Auto bei der Flucht kutschieren. Und das ist erst der Anfang eines abenteuerlichen und ganz und gar unnormalen Arbeitstages ?

Auf vier CDs und mit einer Laufzeit von 281 Minuten wurde Ralf Husmanns Roman "Nicht mein Tag" nun als Hörbuchfassung vom Argon Verlag auf den deutschen Markt gebracht. Für Husmann, der sich als Autor von so erfolgreichen deutschen Comedyserien wie "Stromberg" und "Dr. Psycho" einen Namen gemacht hat, für "Die Harald Schmidt Show" und "RTL Samstag Nacht" tätig war und viele wichtige deutsche Fernsehpreise für diese Arbeit erhielt, ist es sein Debüt unter den Romanautoren.
Christoph Maria Herbst fungiert als Sprecher und ist die perfekte Besetzung, um diesem Hörbuch Leben einzuhauchen. Der deutsche Schauspieler versteht es wie kaum ein anderer, bieder und ironisch zugleich zu wirken; die gute Zusammenarbeit Husmanns und Herbsts bei der bitterbösen Fernsehsatire "Stromberg" - Husmann als Drehbuchautor, Herbst als Hauptdarsteller - ist deutlich spürbar. Er leidet mit Till mit, zeigt hin und wieder sein Mitleid mit dem Bankangestellten und klingt, wo es angebracht ist, auch schon mal gelangweilt - ganz so, wie sich der Leser des Buches wohl an den entsprechenden Passagen fühlen würde. Als Sprecher ist Herbst ganz dicht an Till dran, vermittelt zwischen diesem und dem Zuhörer, ohne sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Das ist absolut grandios!
Umso bedauerlicher ist es daher, dass der Geschichte nach der Hälfte leider schon die Luft ausgeht. Die Ereignisse der Story können nicht mehr so mitreißen wie noch zu Beginn, und auch der Humor, eigentlich Husmanns große Stärke, begeistert nur noch in kleineren Portionen. Hauptsächlich Herbst ist es zu verdanken, dass man letztlich doch die 281 Minuten bis zum Ende hört.

Christoph Maria Herbsts Lesung ist jeden Cent wert, den man für das Hörbuch "Nicht mein Tag" ausgibt. Leider kann die Geschichte da nicht ganz mithalten, und der eine oder andere Gag zündet hauptsächlich durch den Vortragenden. Insgesamt ein durchwachsenes Debüt, das definitiv steigerbar ist.

Tina Klinkner



CD | CD-Anzahl: 4 | Erschienen: 01. Juni 2008 | ISBN: 9783866104358 | Laufzeit: 281 Minuten | Preis: 19,95 Euro

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