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 H.R. Giger's Vampirric: Vampirric Collector's Box

Die unheimlichsten Vampirgeschichten


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
HR Giger´s Vampirric ist nun auch als Collector's Box erhältlich, diese beinhaltet vier CDs mit sechs Vampirgeschichten und einer Gesamtspielzeit von 307 Minuten.

Die erste CD beginnt mit "Die verloren gegangene Kunst des Zwielichts", gelesen von Lutz Riedel:
In dieser Geschichte geht es um einen jungen Mann, der als Baby von einer angeblichen Tante von Frankreich aus in die Vereinigten Staaten gebracht wurden ist. Nach und nach erfährt der Hörer seine Geschichte und die seiner Mutter. Langsam wird man an den Horror herangeführt, denn die Mutter soll angeblich sich mit einem Dämon eingelassen haben und selbst später als Kreatur der Nacht umhergestreift sein. Der Junge wurde während des Sterbens der Mutter aus deren Leib herausgeschnitten. War seine Mutter wirklich das, wofür man sie hielt? Und was ist dann der Sohn? Und nun hat sich ein Teil der französischen Verwandtschaft angekündigt, sie will sich anscheinend ein eigenes Bild von dem Mann machen.

Ligotti erzählt und erzählt und erzählt und die Geschichte kommt einfach nicht in die Gänge. In dieser Fassung ist Ligottis Geschichte wenig spannend und arg langatmig und wirkt dadurch einschläfernd. Bis wirklich etwas passiert, ist der Hörer schon lange sanft entschlummert und selbst dann weiß sie nicht zu gefallen und zu fesseln.

Die zweite Geschichte, Das Federkissen, ebenfalls von Lutz Riedel vorgetragen, hat einen großen Vorteil: Sie ist kurz. Horacio Quiroga hat hier einen netten Plot kurz abgehandelt und das ist auch gut so. So ist die Geschichte sicherlich kein Meisterwerk, aber aufgrund der passenden Länge nette Unterhaltung.

Lutz Riedel ist nichts vorzuwerfen, er bringt eine gewohnt gute Leistung. Dass HR Giger kurz nach Ende der zweiten Geschichte Werbung für das „HR Giger“-Museum macht, macht die Sache nicht besser, beendet seine Stimme doch leicht jeden doch eventuell aufgetretenen Grusel.

Den Anfang der zweiten CD macht Der Vampyr von Leonhard Stein, gelesen von Helmut Krauss. Es geht um einen Kanzlei-Angestellten, der jede Nacht von einem Vampir besucht wird. Bald kann sein Körper diese Schwächungen nicht mehr verkraften und er muss schließlich um sein Leben fürchten. Nun beginnt ein Kampf auf Leben und Tod.

Diese Geschichte ist einfach langweilig und zu lang. Der Plot ist vorhersehbar, birgt kaum bis keine Überraschungen und einen unbefriedigenden Schluss. Gruseln kann man sich daher wenig. Wer mag, kann in ihr eine Parabel auf die Arbeitswelt der 1920er sehen, aber dafür braucht man kein Horror-Hörbuch.

Zum Abschluss gibt es noch die Kurzgeschichte Der Untote von Amelia Reynolds Long, ebenfalls gelesen von Helmut Krauss. Auch hier ist der einzige Vorteil die Kürze. Der Plot beinhaltet wenig Neues: Mann hat Angst vor unheimlichen Vorgängen in seinem Familienanwesen. Freund kommt zu Hilfe (aus dessen Perspektive wird die Geschichte erzählt) und gemeinsam gehen sie den Vorgängen nach. Ein schrecklicher Verdacht kommt auf ...

Eine langweilige lange Geschichte und eine kurze Geschichte voller Horror-Standards, eine Empfehlung kann man da nicht aussprechen. Mag ja Ligottis Geschichte auf der ersten CD noch Geschmackssache sein, ist Der Vampyr schlicht und einfach langweilig. Als erfahrener Horror-Fan kommt man sicherlich vor den Protagonisten auf die Lösung.

Helmut Krauss erzählt mit seiner rauen Stimme die Geschichten gut, auch hier ist dem Sprecher nichts vorzuwerfen.

Die dritte CD beherbergt nur eine lange Geschichte und zwar Das Grabmal auf dem Pére Lachaise von Karl Hans Strobl. Vorgetragen wird sie von David Nathan.

Karl Hans Strobl starb 1947 und war einer der anerkanntesten deutschsprachigen Autoren fantastischer Geschichten. In der Geschichte klingen rassistische Stereotype durch, Strobl gehörte wohl zum deutsch-nationalen Flügel beziehungsweise zu den Anhängern des Nationalsozialismus.

Für viele Kritiker ist Das Grabmal auf dem Pére Lachaise eines seiner besten Werke. Die Geschichte handelt von einem Mann, der sich für Geld ein Jahr lang in einer marmornen Krypta auf dem Pariser Friedhof Pére Lachaise einsperren lässt, um danach eine riesige Summe zu erben. Im Grabmal ist die Leiche einer mehr als exzentrischen osteuropäischen Baronin beerdigt, ihr Diener bringt dem Jüngling täglich die (reichhaltigen) Speisen. Nicht nur das Geld lockt den Eingesperrten, sondern er hofft auch seine naturwissenschaftlich-philosophischen Forschungsarbeiten beenden zu können, die alle andere Wissenschaft umstürzen kann. Doch es entwickelt sich alles anders als geplant.

Das Grabmal auf dem Pere Lachaise ist sicherlich ebenso Geschmackssache wie Die verloren gegangene Kunst des Zwielichts. Die Geschichte ist einfach zu lang, da letztlich dem im Horror erfahrenen Hörer recht schnell klar ist, warum es geht. Die (pseudo-)wissenschaftlichen Überlegungen langweilen nur. Auch wenn die Überlegungen in die Geschichte eingebaut wurden, sind sie nicht interessant.
Der Autor versteckt sich hinter dem Clou, dass der Hörer bis zuletzt im Ungewissen bleibt und es nur Hinweise gibt, die sich unterschiedlich deuten lassen. Vielleicht macht es die unnütze Länge unmöglich, dem Plot zu folgen, aber die Geschichte ist nicht wirklich schlüssig.
Mit einer stark verkürzten Laufzeit hätte die Geschichte eventuell interessant sein können. In der vorliegenden Länge ist sie einfach zu langatmig, der Plot trägt die Länge einfach nicht, so dass die Geschichte letztlich einschläfernd wirkt.
Der Sprecher liefert eine gute Leistung ab.

Nun zur vierten Geschichte, zu Der Horla, geschrieben von Guy de Maupassant und genial vorgetragen von Torsten Michaelis.

Ein wohl nicht armer Mann lebt in einen schönen Haus auf dem Lande. Er genießt sein Leben und die Natur, die ihn umgibt. Doch plötzlich verliert er nach und nach immer mehr an Lebensfreude, ja gar an Lebenskraft. Morgens erwacht er wie gerädert. Erst vermutet er eine Krankheit. Doch im Laufe der Zeit ist ihm, als sauge wirklich jemand (oder etwas?) seine Lebensenergie selbst aus ihm heraus.
Verliert er seinen Verstand? Er stellt dem anscheinend unsichtbaren Besucher Fallen, um herauszufinden, ob dieser wirklich existiert. Und wirklich, der unbekannte Besucher scheint zu existieren. Aber wie kann man das Wesen fangen oder gar vernichten? Oder sind alle diese Dinge nicht doch nur Einbildungen eines kranken Hirns?

Bei diesem Hörbuch handelt es sich um eine CD mit einer Laufzeit von etwa 78 Minuten. Leider fehlen Informationen zum Autor , der übrigens in einer Irrenanstalt sein Leben aushauchte. Die Originalgeschichte Le Horla erschien im Jahre 1887, übersetzt wurde diese Version von Walter Widmer.

Die Einleitung und das Vorwort spricht HR Giger persönlich. Welch ein Glück, dass er nicht auch der Sprecher der Geschichte ist, unheimlich klingt seine Stimme nun wirklich nicht. Gelesen wird die Geschichte von Torsten Michaelis, der als Synchronstimme von Wesley Snipes bekannt ist. Zuerst konnte er nicht überzeugen, aber je mehr der Protagonist des Romans unter dem Horla leidet (oder dem Wahnsinn verfällt), umso überzeugender und packender wirkt Michaelis‘ Stimme. Zeitweise erreicht er eine erschreckende Intensität. Die Geschichte wird in der Ich-Form erzählt, was der Stimmung nur gut tut.

Obwohl die Geschichte wohl Ende des neunzehnten Jahrhunderts spielt (Ort und Zeit sind aber auch eher nebensächlich und werden auch nicht genau benannt), ist die Sprache sehr flüssig und verständlich. Der Vorteil ist, dass es keine modernen Wörter und Anglizismen gibt.
Die Geschichte ist sehr mitreißend und packend. Bis zuletzt weiß der Hörer eigentlich nicht, ob Wahnsinn oder der Horla hinter dem Schrecken stehen. Das macht sehr viel vom Reiz der Geschichte aus.
Der Anfang der Geschichte (als es dem Mann noch gut geht) weiß mit sehr lebendigen Beschreibungen der schönen Umwelt zu gefallen. Im Laufe der Geschichte kippt es um, die Verwirrung und Angst des Mannes ist sehr gut wiedergegeben.
Auch das Ende weiß zu überzeugen.
Der Geschichte ist leicht zu folgen, da es nur einen Erzählstrang gibt und keine großen Ablenkungen. Eine wirklich unheimliche und spannende Geschichte, die genial und passend vorgetragen wird. Eindeutig die beste Geschichte der Vampirric-Reihe.


Der einzige Kritikpunkt ist der, dass HR Giger zu früh nach dem Ende das Outro spricht. Seine Stimme bringt einen doch arg raus aus der Spannung.

Gesprochen werden die Geschichten von Lutz Riedel, Helmut Krauss, David Nathan und Torsten Michaelis - diese Herren sind unter anderem bekannt als Synchronstimmen von Thimothy Dalton, Marlon Brando, Johnny Depp und Wesley Snipes.

Insgesamt gesehen muss man zugeben, dass keine der sechs Geschichten Vampir-Standards bringen, sondern dem Thema etwas Neues abzugewinnen wissen.
Eher störend sind HR Giger's obskure und nicht nachvollziehbare Gedankengänge. Aber sie sind neu aufgenommen werden, Giger versteckt nun ein wenig seinen Dialekt. Leider gibt es auch kaum Informationen zu den Autoren und den Geschichten, nur ein paar wenige Worte von HR Giger.

Fazit: Was bietet die Vampirric-Collector‘s Box für den Preis von fast 25 Euro?
Zwei Geschichten, die Geschmackssache sind: Die verloren gegangene Kunst des Zwielichts und Das Grabmal auf dem Pére Lachaise. Zwei sehr kurze Geschichte, die nur deswegen funktionieren, weil sie eben kurz sind: Das Federkissen und Der Untote. Dazu kommen ein Totalausfall (Der Vampyr) und eine der besten Horrorgeschichten überhaupt (Der Horla).

Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann sich auch Der Horla einzeln für knapp acht Euro kaufen. Wer klassische Horror-Geschichten schätzt, in denen sich die Spannung langsam entwickelt, der kann es mit der Collector‘s Box versuchen. Da zwei Geschichten Geschmackssache sind, kann sich der Kauf lohnen, eventuell gefallen sie ja dem Hörer. Dazu der geniale Horla, da lohnt dann der Kauf insgesamt gesehen.
Auf alle Fälle werden gute Erzählstimmen geboten, technisch ist an diesen Hörbüchern nichts aus zu setzen.

Bernd Wachsmann



CD | Erschienen: 1. September 2005 | ISBN: 3785730608 | Laufzeit: 307 Minuten | Preis: 24,95 Euro | Sprache: Deutsch

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