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 Welcher Wein zu welchem Essen?

Autoren: Joanna Simon
Übersetzer: Susi Piroué
Verlag: Christian Verlag

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis


Zu einem guten Essen gehört für viele Menschen ein guter Wein. Mittlerweile gibt es ein so umfangreiches Angebot an Wein aus unterschiedlichsten Reben, Regionen und Preissegmenten, dass es schwer fällt, den persönlichen Lieblingswein zu finden. Zudem verträgt sich nicht jeder Wein mit jedem Essen, sprich, ein Roter, der sich gut zur Pizza macht, passt nicht unbedingt zum feinen Rinderfilet, manche Speisen verweigern sich fast jedem Wein, und in einer unbedachten Kombination kann ein eigentlich vorzüglicher, teurer Wein extrem unangenehm schmecken. Die Weinexpertin Joanna Simon stellt in ihrem Buch "Welcher Wein zu welchem Essen" Weine vor, ideale Kombinationen von Wein und Essen und Unverträgliches.
Der erste Teil, "Die Grundregeln", beginnt mit dem provokativen Kapitel "Gesetze & wie man sie bricht". Hier lernt der Leser die Standardregeln und "ideale Partnerschaften" kennen, ebenso jedoch Einschränkungen und vor allem neuere Erkenntnisse, denen zufolge eben manches früher Verpönte durchaus reizvoll erscheint. Wichtige Geschmacksrichtungen des Gerichts, nämlich die Schwere, Intensität, Säure, Salz, Süße, werden vorgestellt und auf ihre Kompatibilität mit bestimmten Weinen untersucht. Darauf folgt das Kapitel "Schwierige Partner" mit Speisen, die sich nur unter Vorbehalt mit (vereinzelten) Weinen kombinieren lassen. Dem Käse ist ein eigenes Kapitel gewidmet.
Im nächsten Abschnitt befasst sich die Autorin mit dem Einfluss der Garmethode. Es ist einsichtig, dass etwa Gedünstetes nach einem anderen Wein verlangt als Gebratenes oder Frittiertes, und die Autorin stellt etliche günstige Partnerschaften vor. Der Abschnitt "Planung" enthält wertvolle Anregung für ein Menü mit einer an die Speisen angepassten Weinfolge: Denn auf einen Rotwein sollte kein Weißer folgen, auf einen schweren kein leichter Wein und so fort, aber selbstverständlich müssen die Weine auch zu den Gerichten passen. Und zu einem zwanglosen Essen möchte man möglicherweise nur einen oder zwei Weine anbieten.
"Rebsorten und Weine" zäumt das Pferd von hinten oder zumindest andersherum auf. Die Autorin stellt die bekanntesten und wichtigsten Weiß- und Rotweine vor, beschreibt ihren unterschiedlichen Charakter je nach Region - ein Sauvignon Blanc aus Frankreich etwa und einer aus den USA unterscheiden sich massiv - und bezieht dabei auch immer deren Eignung als Begleiter für bestimmte Gerichte mit ein.
Der letzte und umfangreichste Abschnitt behandelt die beliebtesten regionalen Küchen und die Weine, die sich gut mit ihnen "vertragen". Das Buch schließt mit zwei alphabetisch geordneten Übersichten: "Essen zum Wein" und "Wein zum Essen", mittels derer sich geeignete Kombinationen rasch finden lassen.

Die Frage, ob ein Wein schmeckt oder nicht, kann letztlich nur subjektiv vom Konsumenten beantwortet werden und nicht etwa von einem Sommelier. Es gibt aber, und hier setzt das vorliegende Buch an, besonders gute Verbindungen von Weinen und bestimmten Speisen sowie problematische und unvereinbare Kombinationen. Die Säure von Speise und Wein spielt hierbei eine große Rolle, und ein an Tannin reicher Wein verträgt sich nicht mit relativ stark salzhaltigen Gerichten. Angesichts der Fülle an Weinen, die auf dem Markt sind, Neuentwicklungen, "neue" Regionen oder auch interessante Cuvées, lassen sich die alten Regeln nicht mehr gänzlich aufrechterhalten, so der Tenor des Buches, das durchaus zum Experimentieren einlädt. An die "Don?ts" und Empfehlungen kann man sich guten Gewissens halten und sich somit unangenehme oder gar peinliche Erlebnisse ersparen. Wer die Verstärkung des adstringierenden Tannins aufgrund einer unglücklichen Wein-Speise-Kombination bereits erlebt hat, wird sich über dieses Buch freuen, ebenfalls aber jeder Liebhaber eines guten Weines, den er mittels passender Gerichte erst recht zur Geltung bringen möchte.
Das Buch ist reich und schön bebildert und sinnvoll gegliedert. Die Berücksichtigung bekannter regionaler Küchen, etwa der chinesischen und der italienischen, und ihrer beliebtesten Gerichte macht es für den Weinfreund möglicherweise besonders wertvoll, auch wenn hier teilweise Klischees der britischen Autorin vorliegen. Steht in Deutschland bei den Gemüsen Kohl wirklich an erster Stelle, vor allem Sauerkraut, und kann das Schwein als Symbol deutschen Essens gelten? Das sei dahingestellt.
Aufgrund seiner Vielseitigkeit und seiner benutzerfreundlichen Gliederung sowie der fundierten und nachvollziehbaren Angaben kann man mit diesem Buch sehr gut arbeiten - und genießen. Die Fülle an gut vermittelten und nützlichen Informationen besticht ebenso wie die Aufmachung. Ein interessantes Buch für jeden, der ein gutes Gläschen zum Essen mag, ebenso für Gastgeber und alle, die eine schöne Esskultur pflegen möchten.

Regina Károlyi



Hardcover | Erschienen: 1. September 2008 | ISBN: 9783884728666 | Preis: 9,95 Euro | 160 Seiten | Sprache: Deutsch

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