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 Umpah-Pah

Autoren: René Goscinny
Illustratoren: Albert Uderzo
Übersetzer: Eckart Sackmann
Verlag: Egmont Manga & Anime

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Kennen Sie "Umpah-Pah"? Nein? Dann sind sie entweder unter dreißig Jahre alt oder haben die alten Zack-Hefte und die Neuauflage der Abenteuer des ersten Sohnes von René Goscinny und Albert Uderzo, den berühmten Schöpfern von Asterix und Obelix, verpasst.
Denn vor den Galliern haben die beiden mit Umpah-Pah 1951 und 1958 bis 1961 bereits fünf Abenteuer kreiert und gezeichnet, die damals durchaus für Furore sorgten. Doch gegen den Mega-Erfolg eines Asterix kam der Indianer nicht an und so wurde die Serie eingestellt.
Erst im Jahre 2006 wurden die fünf Folgen in einem Sammelband zusammengestellt und dem Leser erneut vorgestellt. Um die "Rothaut" einzuführen, fehlen auch die ersten Episoden aus dem Jahre 1951 nicht, hinzu kommt ein launig-witziger Text aus der Feder Uderzos - respektive aus der Sicht seiner berühmten Schöpfung Asterix, der seinen "großen Bruder" dem geneigten Publikum zur Lektüre empfiehlt.

In dem in dunkelgrünem Kunststoff in Lederoptik eingebundenen Band sind die Abenteuer "Umpah-Pah: Die Rothaut", "Die Plattfüße greifen an", "Der Schrecken der Meere", "In geheimer Mission" und "Häuptling Kranke Leber", die aus fünf eigenständigen aber ein großes Abenteuer ergebenden Geschichten bestehen, enthalten. Damit gibt es - zusammen mit den ersten Fingerübungen Uderzos und Goscinnys - erstmals alle Zeichnungen und Texte vereint nachzulesen.

Im ersten Abenteuer landet die "Arroganz", ein Schiff der französischen Marine, an der Küste Amerikas. An Bord ist auch von Täne, ein ebenso mutiger wie tölpelhafter Soldat, der unbedingt an Land will. Kurz darauf wird er von Umpah-Pah, dem stärksten und tapfersten der Wascha-Wascha-Indianer, gefangen genommen. Doch der edle Indianer will nicht, dass sein Gefangener gefoltert wird, eher stellt er sich einer schwierigen Prüfung seines Stammes. Ist er siegreich, gehört "Bruder Doppelskalp", wie von Täne von den Indianern wegen seiner typischen weißen Perücke genannt wird, ihm.

In "Die Plattfüße greifen an" müssen Umpah-Pah und sein Bruder Doppelskalp gegen die feindlichen Plattfußindianer kämpfen. Die Erzfeinde der Wascha-Wascha greifen das Fort an, in dem von Täne stationiert ist. Nur Umpah-Pah und sein Stamm können die Franzosen noch retten.

Umpah-Pah will für seinen Stamm Pferde besorgen. Von Täne bietet sich an, ihn nach Frankreich zu begleiten, um dort genügend der Vierbeiner einzukaufen. Doch auf dem offenen Meer erwartet sie der schreckliche und auf allen sieben Weltmeeren gefürchtete Pirat Stürzebecher. Nichts tut er lieber, als französische Schiffe zu entern. Gut, dass Umpah-Pah mit an Bord ist.

Von Täne, glücklich mit Umpah-Pah in Frankreich angekommen, muss zum König. Zu seiner Überraschung bekommt er einen Geheimauftrag. Mit seinem Leben gelobt, er die Botschaft an das "Fort Ort" in Amerika zu beschützen. Dumm nur, dass ein Spion sich an die Fersen der beiden Freunde heftet, der genau zu wissen scheint, was sie da so Geheimes transportieren.

Der niederträchtigste Indianer, den Umpah-Pah kennt, ist "Häuptling Kranke Leber". Und als dieser sich mit den Preußen gegen die Franzosen verbündet, schwant ihm, dass die Zeit des Friedens bald vorbei ist. Zu seinem Entsetzen händigt der deutsche Befehlshaber dem Häuptling Gewehre aus. Nun sind nicht nur die Franzosen in Gefahr, auch die Wascha-Wascha geraten ins Visier von Kranke Leber.

Zwar sind die Geschichten recht einfach und der Humor des Öfteren mit dem Holzhammer gestrickt, doch die Kunstfertigkeit von Albert Uderzo ist bereits in diesen Abenteuern von hoher Güte. Seine Menschen sind einfach nur amüsant, seine Zeichnungen von höchster Präzision und Qualität. Immer wieder erkennt man einzelne Figuren, die Jahrzehnte später in dem einen oder anderen Asterix-Band in Nebenrollen auftauchen. Auch einige der Gags sind dem Kenner der späteren Alben der beiden gut bekannt. Szenarist Goscinny ist hier zweifellos noch am Anfang seiner großen Karriere. Zwar blitzt auch seine Fähigkeit, Humor mit Spannung, wunderbare Szenen mit kleineren Gags zu garnieren, immer wieder auf, doch ist Umpah-Pah weit davon entfernt, genial genannt zu werden. Es ist einfach nur ein gut gemachter Comic, der auch nach fünf Jahrzehnten noch empfehlenswert und komisch ist.

Man erkennt jedoch immer wieder, warum die Serie eingestellt wurde. Die Abenteuer, die im Asterix so europäisch wie national einfärbbar sind, so voller Anspielungen auf die Geschichte und gespickt mit Reminiszenzen an berühmte Personen der römischen und europäischen Geschichte, wirken in Umpah-Pah platt. Indianer-Klischees wechseln sich ab mit Witzen über die Franzosen oder Preußen. Das Potenzial ist schlicht ausgereizt worden und nach fünf Abenteuern bereits am Ende. Dennoch bleibt Umpah-Pah eine Perle im Schaffen von Uderzo und Goscinny, die gelegentlich an die schwächeren Alben von Asterix heranreichen kann, sie in einzelnen Sequenzen gar übertrifft. So sollte sich jeder Fan Uderzos auch diesen Sammelband kaufen. Für fünfundzwanzig Euro bekommt man 176 Seiten Comicgeschichte geboten, die auch heute noch riesigen Spaß macht.

Stefan Erlemann



Hardcover | Erschienen: 1. September 2006 | ISBN: 9783770406128 | Originaltitel: Oumpah-Pah | Preis: 25 Euro | 176 Seiten | Sprache: Deutsch

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