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 CSSR-Intervention 68

DDR dabei - NVA marschiert nicht. Zeitzeugenberichte


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität


Mit "Die Garde des Erich Mielke" konnte der Helios-Verlag ein solide ausgearbeitetes Buch zu einem in der Presselandschaft nicht beachteten Thema vorlegen. Mit "CSSR-Intervention 68" geht der Verlag die Sache anders an: Zu diesem Thema gibt es viele Meinungen und einige Bücher. Doch die vermeintlichen Tatsachen weichen stark voneinander ab. Sie reichen von Niederschlagung der Konterrevolution mit zwei NVA-Divisionen, über Unterstützung auf verschiedenen Ebenen bis hin zu keiner - wie auch immer gearteten - Teilnahme der Nationalen Volksarmee (NVA). Hier setzten die Autoren an und führen dem Leser anhand von Zeitzeugenberichten vor Augen, was sich vor über vierzig Jahren tatsächlich ereignete.

Nach einem kurzen Vorwort, in dem auf den Charakter des vorliegenden Buches eingegangen wird, beginnen die Autoren mit einer kurzen Zusammenfassung der Vorgänge in der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik (CSSR) 1968. Im Wesentlichen werden hier folgende Fragen geklärt: Was war der Prager Frühling? Wie stellte sich die internationale Situation dar und welche militärischen Aktivitäten gab es in der NVA und anderen Armeen des Warschauer Vertrages im Sommer 1968?
Anhand einer losen Gliederung hangeln sich die Autoren am Thema entlang und vertiefen gelegentlich einige Punkte. Hierbei wird die Frage nach der Beteiligung der NVA an der so genannten "Niederschlagung der Konterrevolution" ganz eindeutig beantwortet und nachfolgend mit einer Vielzahl von Zeitzeugenberichten untermauert. Im Rahmen dieser Zeitzeugenberichte wird auch aufgearbeitet, wie es in der Vergangenheit zu derart gegenläufigen Darstellungen zur Rolle der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und ihrer Armee kommen konnte.

Die Zeitzeugenberichte werden jeweils durch Fotos und Auszüge aus dem militärischen Schriftverkehr, Tageszeitungen und ähnlichem ergänzt. Die Zusammenstellung der Berichte und Interviews ist gelungen und gibt dem Leser einen Einblick in die verschiedenen Sichtweisen und Auffassungen zu den Vorgängen 1968. Hier kommen ehemalige Offiziere der NVA, Anwohner des Grenzgebietes, aber auch Politiker aus der CSSR und der DDR zu Wort. Neben diesen Berichten finden sich auch immer wieder Literaturhinweise im Fließtext, die für Interessierte sicherlich eine lesenswerte Ergänzung darstellen.
Die verwendeten Bilder liegen ausschließlich in schwarz-weiß vor, sind aber, bedenkt man das Alter der Aufnahmen, von guter Qualität. Besonderes Augenmerk gilt der eingesetzten Militärtechnik, die sehr detailreich und mit einigen Anekdoten versehen kommentiert wurde. Im Anhang des Buches befindet sich die Gliederung der NVA im Jahr 1988/1989, einschließlich der verwendeten Traditionsnamen und eine Meinungsumfrage aus dem Jahr 1968. Wo letzteres selbstredend zum Thema gehört, erschließt sich der Sinn des Erstgenannten nicht.

Das Buch liegt in einer gebunden Ausgabe mit Schutzumschlag vor und passt optisch sehr gut zu dem eingangs erwähnten Buch aus dem selben Verlag.

Mit "CSSR-Intervention 68" legt der Helios-Verlag eine interessante und lesenswerte Zusammenfassung von Erlebnissen vor, die die Frage nach der tatsächlichen Beteiligung der Armee der Deutschen Demokratischen Republik ausführlich und eindeutig beantwortet.


Ralf Strohbach



Hardcover | Erschienen: 01. Juli 2008 | ISBN: 9783938208748 | Preis: 19,90 Euro | 202 Seiten | Sprache: Deutsch

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