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 F.A.Z. Comic-Klassiker, Band 6: Strizz


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Leser der Frankfurter Allgemeinen Zeitung werden hier stutzen: Ja, es ist wirklich Strizz aus der F.A.Z., der hier mit einem eigenen Band geehrt wurde und der von vielen Menschen gerne gelesen wird, denn wann findet man schon eine Comicfigur, die so aktuell am Zeitgeschehen lebt und dazu noch amüsante Weisheiten verbreitet?

Diese Aktualität wird in der Einleitung erklärt, welche sehr lesenswert ist. Hier wird erläutert, wie Strizz sich über die Jahre weiter entwickelt hat und warum sein Zeichner, Volker Reiche, nie krank werden darf.
Auch der mögliche Vorwurf des Eigenlobs wird in dieser Einleitung sofort widerlegt und niedergeschmettert.
Nach dieser zwölfseitigen und sehr interessanten Einleitung folgen die einzelnen Kapitel.

"Strizz und sein Chef" zeigt das besondere Arbeitsverhältnis in der Firma auf. Strizz ist stets hoch motiviert und tut sein Möglichstes für die Firma, aber nicht ohne seinen Chef stets auf seine herausragenden Leistungen und die Notwendigkeit einer Gehaltserhöhung hinzuweisen. Dies allerdings immer auf so charmante Art, dass sogar der Chef nie wirklich wütend wird.

"Strizz und Irmi" widmet sich Strizz? Privatleben. Irmi ist seine Langzeitverlobte, so mancher Leser erwartet hier wohl aufs Sehnlichste eine Hochzeit. Dieses Kapitel ist leider nicht so lang wie das Kapitel, das sich der Arbeit widmet. Aber wenn man sich das alltägliche Leben der Bürger anguckt, dann ist das durchaus angemessen: Die meisten Menschen verbringen mehr Zeit bei der Arbeit als zu Hause mit der Verlobten.

Wer kennt sie nicht? "Tassilo, Müller und Herr Paul" beschäftigt sich mit den weisen Hunden und dem Kater Herr Müller, der (fast) immer alles weiß. Diese Tiere haben einen stets gehobenen Gesprächsstil, von dem manche Menschen so einiges lernen könnten. Wenn die drei anfangen, über den Tag der Deutschen Einheit oder über Eitelkeiten zu philosophieren, muss man zwar schmunzeln, aber ein sehr großer Kern Wahrheit steckt doch immer in ihren Sätzen.

Vor einiger Zeit wunderte sich der regelmäßige Leser: Wo kam denn auf einmal dieser kleine Junge namens Rafael her? Das Kapitel "Rafael und seine Omi" widmet sich voll und ganz eben diesen Figuren. Auch das Rätsel, wieso Rafael, der eigentlich nur zu Besuch kam, noch immer bei seinem Onkel Strizz lebt, wird hier geklärt. In diesem Kapitel bewahrheitet sich mal wieder das Sprichwort: "Kindermund tut Wahrheit kund". Was Rafael alles weiß und sagt kommt einem sehr untypisch für ein etwa achtjähriges Kind vor, und doch empfindet der Leser es nie als unrealistisch. Auch die Ähnlichkeit Rafaels mit Strizz liegt sofort auf der Hand, versucht der Kleine doch mit allerhand geschickten Schachzügen, eine Taschengelderhöhung herauszuschlagen.

"Strizz und Berres" ist wieder ein Kapitel aus Strizz' Arbeitswelt. Berres ist ein Kollege, der sozusagen schon zum Inventar der Firma gehört. Die meiste Arbeitszeit verbringt er im Archiv der Firma, wo er sich liebevoll um seine Ratte Lilo kümmert. Mit Strizz verbindet ihn eine Art Hassliebe, mal streiten sie sich, dann sind sie wieder einer Meinung. Dieses Kapitel bringt eine sehr schöne Auswahl der unterschiedlichen Situationen.

Die Weisheit Rafaels wird wieder aufgegriffen und zwar im Kapitel "Rafael und seine Philosophen". Die Außergewöhnlichkeit des Kleinen zeigt sich in seinem Hang zum Philosophieren und in seiner Liebe zu großen Philosophen wie zum Beispiel Kant und Platon. Ihre Theorien erprobt er gerne an seinen Stofftieren und auch an seinem Onkel. Vor allem er und seine Stofftiere rauben dem Onkel als "Philosophisches Sextett" zuweilen den letzten Nerv und tragen erheblich zum Stimmungsgewinn der Leserschaft bei.

In "Strizz und die Literatur" versucht Strizz sich in sieben Comics neu zu orientieren und Schriftsteller zu werden, stets in der Hoffnung, den Literatur-Nobelpreis zu gewinnen. Unbegreiflicherweise stößt er hier jedoch öfters auf Widerstand von Seiten seiner Umwelt.

Wie der Name schon sagt, dreht es sich im "Sommerfortsetzungsroman Die Suche" um eine Suche, die Rafael durchführt.
Mitten in der Nacht wird ihm klar, dass er gar nicht weiß, wer seine Mutter ist. Er will Strizz fragen, doch aus irgendwelchen Gründen schiebt er die Frage doch jedes Mal wieder auf.

"Hotel Strizz" ist ein weiterer Fortsetzungsroman, der sich aber Strizz widmet. Strizz soll über die Ferien eine Art Tierpension aufmachen: Lilo, Tassilo, Herr Müller und Herr Paul ziehen bei ihm ein. Als dann auch noch Irmi für drei Wochen nach Italien geht, ist Strizz am Ende mit den Nerven. Wie er das Strohwitwertum meistert, erfährt der Leser hier.

Das letzte Kapitel nennt sich "Der Rausschmiss". Wer hier gleich das Schlimmste befürchtet, nämlich den Arbeitsverlust von Strizz oder das Ende der Beziehung von Strizz und Irmi, liegt falsch. Lediglich Herr Paul wird an Sylvester vor die Tür gesetzt, was er zum Anlass nimmt, über das ganze Leben zu reflektieren und auch die Meinungen von Tassilo und Herrn Müller einzuholen.

Was regelmäßige Leser der F.A.Z. von Montag bis Freitag freuen wird, ist, dass hier eine große Auswahl an kolorierten Streifen zu finden ist, was im Rahmen der Zeitungsausgaben leider nicht möglich ist. Auch neue Zeichnungen sind zu finden, so zum Beispiel in der Einleitung und an Kapitelanfängen.

Dieser Band ist eine wirkliche Bereicherung für jedes Buchregal. Selten liest man einen Comic, der so aktuell und von so tiefer Weisheit zu sein scheint, dass man ihn schon fast als eine Art Gebrauchsanweisung für das Leben lesen kann. Natürlich sollte man nicht alles Eins zu Eins umsetzen, aber den ungebrochenen Optimismus von Strizz sollte man sich zulegen, dann sieht die Welt gleich wieder viel heller aus. Wem eine Persönlichkeitsveränderung durch das Lesen eines Comics doch zu viel des Guten ist, sollte Strizz wenigstens gelesen haben, um sich (wenigstens kurzzeitig) aufgemuntert und getröstet zu fühlen.

Anja Thiemé



Softcover | Erschienen: 1. Oktober 2005 | ISBN: 3899810872 | Preis: 4,90 Euro | 256 Seiten | Sprache: Deutsch

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