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 Die Kaste der Meta-Barone, Band 3: Eisenhaupt & Doña Vicenta

Die Kaste der Meta-Barone 03

Serie: Die Kaste der Meta-Barone, Band 3
Autoren: Alejandro Jodorowsky
Illustratoren: Juan Gimenez
Übersetzer: Resel Rebirsch
Verlag: Splitter Verlag

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Achtung: Die vorliegende Rezension enthüllt unweigerlich die finalen Ereignisse des zweiten Doppelbandes "Aghnar & Oda" der Serie "Die Kaste der Meta-Barone". Wer sich den Lesegenuss nicht verderben will, sollte die folgende, in kursiver Schrift gehaltene Inhaltsangabe überspringen. Aus dem gleichen Grund wird der Inhalt von "Doña Vicenta Gabriela de Rokha, die Großmutter", dem zweiten Band in der hier besprochenen Doppelfolge, nicht thematisiert. Es würde die Ereignisse aus "Eisenhaupt, der Großvater" enthüllen und dem Leser jedwede Spannung rauben.

Wieder ist es die schiere Langeweile, die Onko dazu verleitet, seinem Roboter-Kollegen Lothar die Geschichte der Ahnen des regierenden Meta-Barons zu erzählen.
Diesmal ist es die Geschichte des Großvaters Eisenhaupt und seines Kampfes gegen seinen eigenen Vater Aghnar. Letzterer, vom Leben enttäuscht und bar jeder Moral, kämpft auf der Seite der Phtaguren, Eisenhaupt ist der Vertreter der Menschheit. Die siegreiche Seite hat das Universum für sich, die unterlegene vernichtet sich selbst. Der Kampf ist unmenschlich, grausam und zieht sich ohne erkennbare Überlegenheit eines der Kämpfer über lange Zeit hin. Endlich zeigt sich Aghnar als der wahrhaft Übermächtige und damit letzte der Meta-Barone. Eisenhaupt aber hat einen Faustpfand in Gestalt der Mutter-Frau Aghnars. Vor dessen Augen beginnt der Unterlegene, die Chimäre aus dem Körper der Frau Aghnars und der Seele von dessen Mutter zu zerstückeln. Vielleicht, so sein unaussprechlich amoralischer Gedanke, regt sich wider Erwarten doch noch ein Funken Gefühl in dem grausamsten aller Meta-Barone.


Wer glaubt, Spannung, Grausamkeit und Ideenreichtum des zweiten Doppelbandes aus der Serie rund um die Meta-Barone ließen sich unmöglich steigern, wird in "Eisenhaupt & Doña Vicenta" eines Besseren belehrt.
In kühlen, blau-grau-braunen Bildern vermitteln Zeichner Gimenez das Bild einer Zeit, die so unendlich weit weg zu sein scheint und doch so aktuell wie nur irgend möglich ist. Das gesamte Universum besteht nur noch aus Gier, Korruption, Machtinteressen und Ränkespielen. Auch der amtierende Meta-Baron Aghnar hat schon längst keinen Lebenswillen mehr. Seine Moral ist die aller anderen, die des Geldes und der Macht. Sogar der eigene Sohn wird diesem Spiel geopfert, erweist sich aber noch als einige Grade grausamer und amoralischer.
Wie es Jodorowsky gelingt, aus einer Situation, die nicht mehr steigerungsfähig scheint, die in einer Sackgasse zu enden droht und ebenso deprimierend wie faszinierend ist, nicht nur herauszufinden, sondern einen Bilderbogen anzuhängen, der alles Bisherige weit in den Schatten stellt, ist schon genial. Er erschüttert den Leser bis in tiefste Moralvorstellungen und relativiert alle Werte, die nur denkbar und undenkbar sind. Dabei bleiben seine Protagonisten Menschen. Menschen mit Gefühlen, Schwächen und Begierden. Menschen mit Zielen, Träumen und im Falle des furchterregenden Eisenhaupt sogar der Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Damit vollführt er das Kunststück, die Meta-Barone gleichzeitig himmelhoch weg zu führen vom Leser und seiner Welt als auch sie mitten in seinem Herz und seiner Seele zu verankern.

Dieser Band lässt niemanden kalt. Entweder man verabscheut die Ideen und Wendungen der Geschichte Jodorowskys oder man verehrt ihn gottgleich. Es gibt kaum einen Zwischenweg. Zumal die Bilder wahre Kunstwerke sind. Gimenez gelingt es, jede einzelne Doppelseite zu einer Offenbarung werden zu lassen und visualisiert damit ein Universum, das eigentlich undenkbar und damit nicht darstellbar zu sein scheint. Ihm gelingt eine Herkulesaufgabe. Er kleidet eine komplette Welt, die es nur im Kopf Jodorowskys gibt, in Bilder von ausgesuchter Schönheit und Brillanz.

Dank des Splitter-Verlags kann man diesen Band endlich in einer Qualität und Größe bewundern, die ihm gemäß sind. Im Überformat, dem glänzend gemachten, tiefblauen und schimmernden Einband, mit einem wunderschönen Druck eines Gimenez-Bildes von "Melmoth" und zu einem in Anbetracht des Gebotenen mehr als angemessenen Preis kann man den Kauf nur dringend empfehlen. Bleibt nur die Angst, dass man diesen Doppelband und seinen Inhalt wirklich nicht mehr toppen kann - bis einen der vierte Band "Die Kaste der Meta-Barone 04: Aghora & Namenlos" hoffentlich eines Besseren belehrt.

Stefan Erlemann



Hardcover | Erschienen: 01. März 2009 | ISBN: 9783940864079 | Originaltitel: La caste des meta-barons: tete acier aieul et dona vicenta l´aieule | Preis: 26,80 Euro | 144 Seiten | Sprache: Deutsch

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