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 Sleeper, Band 2: Die Schlinge zieht sich zu

Sleeper 02

Serie: Sleeper, Band 2
Autoren: Ed Brubaker
Illustratoren: Sean Phillips
Übersetzer: Maria Morlock
Verlag: Cross Cult

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Achtung: Wer den ersten Band der Serie "Sleeper" - "Der Wolf im Schafspelz" - noch nicht gelesen hat, sollte die folgende Inhaltsangabe nicht lesen. Sie nimmt das Ende und die Kernaussage des ersten Bandes vorweg.

Holden Carver ist ein Guter - oder ein Böser? Er weiß es selbst nicht mehr. Zu viele Morde gehen auf sein Konto, wobei es fast egal ist, ob im Auftrag der Regierung oder der Verbrecherorganisation, in die er als Doppelagent eingeschleust wurde. Das Blut, das an seinen Fingern klebt, lässt sich vielleicht äußerlich abwaschen, innerlich ist es in ihm eingebrannt wie Feuer. Fast ist es ein Segen, dass Holden Carver keine Gefühle mehr hegt. Außer Abscheu vor sich selbst ist er seit einem Einsatz in Mittelamerika, bei der eine Spezialeinheit Alientechnologie bergen wollte, zu etwas mutiert, das ihm selbst ein Rätsel ist. Er spürt seitdem keinen Schmerz mehr, kann nicht fühlen, ob das Duschwasser kalt oder heiß ist, spürt weder beim Sex noch wenn ihn eine Kugel durchschlägt irgendetwas. Selbst wenn ihm das gesamte Knie weggebrannt wird, merkt er das kaum, ein bis zwei Tage später kann er wieder laufen, als ob nichts geschehen wäre.
Das macht ihn zu einem sehr wertvollen Mitglied der Geheimorganisation Taos, des intelligentesten und gefährlichsten Verbrechers der Welt - und des meistgejagten.
Und so hat John Lynch, der Boss von Carver, beschlossen, seinen besten Mann dort einzuschleusen. Nun ist eben dieser Lynch, der einzige Mensch auf Erden, der weiß, dass Carver ein Guter ist, ins Koma gefallen. Ohne jede Hoffnung, wieder herauszukommen aus diesem neuen Leben, scheint Carver immer mehr einer der Bösen zu werden. Er freundet sich mit Genocide, einem Massenmörder in Diensten Taos, an, schläft mit Miss Misery, der grausamsten Helferin des Chefs, und tötet reihenweise Polizisten, Agenten und Unschuldige, um den Zielen seines Bosses zu genügen.
Da taucht urplötzlich ein Ex-Agent auf, behauptet, von Lynch angewiesen worden zu sein, Carver zu retten, und beginnt, ihn auszuschleusen. Dumm nur, dass Tao ebenfalls Wind davon bekommt, dass ein Doppelagent in seiner Organisation mitmischt. Die Jagd beginnt. Und nicht nur Carver fragt sich, wer in diesem Spiel eigentlich der Kopf ist und wer die Marionette.

Endlich. Die Monate des Wartens sind vorüber und die Leser von "Der Wolf im Schafspelz" atmen auf. Der zweite Teil der Comicserie von Ed Brubaker und Sean Phillips ist seit Januar 2009 erhältlich. Und obwohl die Erwartungen nach dem exzellenten ersten Band hoch sind, übertrifft "Die Schlinge zieht sich zu" alles. Spannend, mörderisch spannend geht es zu in dieser äußerst harten, grausamen und schonungslos brutalen Agentengeschichte. Oder ist es eine Geschichte der Mafia und ihrer weltweiten Auswirkungen? Oder ist diese Geschichte harte Gesellschaftskritik, die dem Leser vor Augen führt, dass Moral, Gesetz und Werte relativ sind und keine Seite in dem ewigen Kampf der jeweiligen Agenten für sich beanspruchen kann, besser zu sein als die andere? Oder ist "Die Schlinge zieht sich zu" eine Superheldengeschichte, in der übernatürliche Kräfte, Aliens und manisch-geniale Verbrecher ebenso eine Rolle spielen wie in "Superman", "Spiderman" und "Batman"?

Zweifellos von allem ein wenig. Brubaker gelingt ein Genre-Mix, der in jeder Zeile - und davon gibt es sehr viele - überzeugt. Die Verbrecher sind übermächtig, die Helden fehlgeleitet, tumb oder grausam, die Agenten zynisch und ohne jede Moral, Frauen sexy, willig und Nebensache. Und auch wenn dies nach Klischee klingt - davon gibt es Dutzende und alle werden weidlich ausgenutzt -, mixen Brubaker und Phillips daraus einen Cocktail, der anmacht, fasziniert, schockiert und fesselt.

Mehr noch als im ersten Teil aber ist die Grundstimmung depressiv. Der Held am Ende, die Welt mit ihm. Das Gesellschaftsbild, das Brubaker zeichnet, ist ohne jede Frage hoffnungslos degeneriert und amoralisch. Und mittendrin fasziniert vor allem Tao. Und als er am Ende Carver gegenüber erläutert, was ihn antreibt und warum er das alles macht, muss man Brubaker und Phillips Respekt zollen - was für ein Entwurf, was für eine fantastische Geschichte.

Nicht zuletzt dank Sean Phillips und seiner harten, kompromisslosen Bilder ist "Die Schlinge zieht sich zu" ein Krimi der Extraklasse. Man muss ihn einfach gelesen haben, vor allem, wenn man den ersten Teil verschlungen hat. Und dann? Bleibt nur das Warten auf den dritten Teil, der Ende April 2009 herauskommt.

Stefan Erlemann



Hardcover | Erschienen: 01. Januar 2009 | ISBN: 9783936480726 | Originaltitel: Sleeper Vol. 2: All False Moves | Preis: 19,80 Euro | 144 Seiten | Sprache: Deutsch

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