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 Feder im Sturm

Meine Kindheit in China


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Die chinesische Schriftstellerin Emily Wu lebt und arbeitet seit vielen Jahren in den USA. Ihre Kindheit dagegen verbrachte sie in ihrem Heimatland, zu einer Zeit, als China einer der fanatischsten Kommunistenstaaten der ganzen Welt war. In ihrem Buch "Feder im Sturm - Meine Kindheit in China" berichtet Wu von ihren Erfahrungen als Mitglied einer "schwarzen" Familie. Den Begriff "schwarz" bekamen zu jener Zeit die als Staatsfeinde und Antikommunisten deklarierten Menschen, kurzum jeder, der von Mao und seiner Partei als untragbar angesehen wurde, wie einen Stempel aufgedrückt.

Emily Wus Geschichte beginnt in ihrer frühen Kindheit. Die 1958 geborene Schriftstellerin berichtet in den ersten Kapiteln von den entbehrungsreichen 1960er Jahren in China. Mit der Kulturrevolution kommen die Probleme auf: Ihr Vater gilt als Intellektueller, unterrichtet an der Universität und nimmt mit den Studenten für die kommunistische Partei bedenkliche Lektüre wie Swifts "Gullivers Reisen" durch. Zu diesem Zeitpunkt hat er bereits einen Gefängnisaufenthalt wegen seiner "anglophilen" Verbindungen als Englischprofessor hinter sich. Auch ihre Mutter, die ebenfalls Englisch beherrscht, wird misstrauisch beäugt. Die Familie gilt als rechtsabweichlerisch und wird entsprechend schlecht behandelt. Die Eltern werden arbeitslos, als die Universitäten schließen, aufgestachelte Studenten misshandeln den Vater und verbrennen seine Bücher, die Großmutter, die ein kleines Stück Land besitzt, wird als Kapitalistin verjagt.
Hinzu kommen die Probleme des Alltags. Das Essen ist knapp, die Familie wird kaum jeden Tag satt. In der Schule werden die aus "schwarzen" Familien stammenden Kinder gehänselt, verspottet und schikaniert, die Lehrer behandeln sie wie Menschen zweiter Klasse. Als dann auch noch die Eltern als Erziehungsmaßnahme in fast unzumutbare Zustände aufs Land zu den Bauern geschickt werden, sind die drei Kinder auf sich allein gestellt ?

Emily Wus Geschichte wird in der Ichform erzählt. So begleitet der Leser das Mädchen Yimao - Emily Wu änderte ihren Namen wie viele ihrer Landsleute später in einen englischen um - durch ihre harte und entbehrungsreiche Jugend voller sozialer Unterdrückung, staatliche Schikanen und kommunistischen Fanatismus. In der ersten Hälfte des Buches stehen die massiven Probleme der Familie während der Kulturrevolution in China im Vordergrund, die zweite Hälfte schildert die Veränderungen im Leben der Familie durch die Ereignisse der 1960er Jahren.
Geschickt verknüpft Wu zusammen mit ihrem Co-Autor Larry Engelmann die historische Vergangenheit Chinas mit klassischer belletristischer Erzählung und erzählt ihre Kindheit und Jugend auf diese Weise sehr anschaulich, lebensnah und unterhaltsam zugleich. Dabei vermeidet sie es, auf die Tränendrüse zu drücken; so erschütternd und unvorstellbar manche Grausamkeiten sind, unter denen die Familie zu leiden hat, so unprätentiös wird von ihnen berichtet. Mit viel Feingefühl gelingt Wu dadurch ein Rückblick in ihr bewegtes Leben in China. Gleichzeitig vermittelt sie dem Leser viele historische Fakten auf lebendige, plastische Weise. Auch wenn die Familie viel erdulden muss, ist der Roman unterhaltsam geraten und liest sich flüssig wie eine fiktive Geschichte. Spannung und Dramatik resultieren aus der jeweiligen Situation und werden nicht absichtlich forciert, auf allzu drastische Beschreibungen verzichtet Wu, ohne allerdings die Gräueltaten der damaligen Regierungspartei zu verheimlichen. Offen und ehrlich, aber mit genügend Behutsamkeit geht sie das Thema an und trifft dabei genau den richtigen Ton. So ist ihr mit "Feder im Sturm" ein Roman gelungen, der nicht nur Chinareisenden und Historikern gefallen wird, und der ein lebendiges Porträt eines Landes im Umbruch zeichnet.

Neben der schicken Hardcoverausgabe von 2007 gibt es den Roman seit April 2009 auch als günstiges Taschenbuch zu erwerben.

Tina Klinkner



Hardcover | Erschienen: 1. August 2007 | ISBN: 9783455500349 | Originaltitel: Feather in the Storm. A Childhood Lost in Chaos | Preis: 19,95 Euro | 399 Seiten | Sprache: Deutsch

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