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 Die Räuber


Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Franz von Moor, jüngerer Sohn des Grafen Maximilian von Moor, hat sein Leben lang seinem Bruder Karl gegenüber Missgunst und Neid empfunden, hat Karl doch alles, was Franz fehlt: außer der früheren Geburt Attraktivität, ein angenehmes Wesen sowie die Liebe des Vaters und der verwaisten Cousine Amalia, die vom Grafen aufgenommen wurde.
Lange hat Franz auf Rache gesonnen; nun wittert er die Chance, das Blatt zu wenden. Durch Lügen und Fälschungen bringt er einerseits den alten Vater dazu, Karl zumindest halbherzig zu verfluchen, der Franz zufolge hoffnungslos dem Lotterleben hingegeben ist, und überzeugt in einem Brief Karl davon, dass der Vater ihm niemals verzeihen wird.
Karl hat in der Tat ein etwas lockeres Studentenleben geführt, das er jedoch aufzugeben im Begriff ist, als ihn dieser Brief erreicht. Zutiefst getroffen, lässt er sich von einigen seiner Kumpane dazu überreden, mit ihnen eine Bande zu gründen und ihr Räuberhauptmann zu werden.
Währenddessen unternimmt Franz alles, um den schon recht hinfälligen alten Moor unter die Erde zu bringen. Ein von ihm gedungener Bote meldet, Karl sei im Krieg gefallen, und bringt Karls angebliches, blutbesudeltes Schwert. Für den Grafen ist die Meldung vom Tod seines Lieblingssohnes zu viel, ihm ist nicht mehr zu helfen.
Franz hat nun fast alles erreicht. Nur Amalia verweigert sich ihm hartnäckig, obwohl er versucht hat, es als Karls letzten Wunsch hinzustellen, dass sie ihn heirate.
Mittlerweile verstrickt sich Karl immer tiefer in das Leben eines Räubers und Mordbrenners. Er versucht, Gerechtigkeit zu schaffen, indem er Ungerechte tötet oder töten lässt, doch es gelingt ihm oft nicht, unschuldige Opfer zu vermeiden, zumal manche seiner mit ihm über einen Schwur verbundenen Kumpane keine Hemmungen haben, auch Frauen und Kinder zu ermorden.
Karl aber hat die Sehnsucht nach seinem Vater und Amalia nie ganz verwunden. Inkognito besucht er das Schloss, wo er vom Tod des Vaters erfährt und beobachtet, dass Amalia ihn, das heißt, den Karl, wie sie ihn von früher kennt, nach wie vor liebt. Doch Franz erkennt den Bruder.
Es kommt zu mehreren zutiefst tragischen Szenen. Am Ende offenbart sich, dass Karl seiner Verstrickung in all die aufgeladene Schuld und seinem Schwur gegenüber der Bande nicht entfliehen kann – und doch zeigt Karl gerade angesichts der hoffnungslosen Lage noch einmal wahre Größe.

Mit seinem Vierakter „Die Räuber“ löste Schiller in der Uraufführung regelrechte Tumulte aus. Das Stück traf den Nerv der Zeit und gilt bis heute als Paradebeispiel des „Sturm und Drang“; es gibt wohl kaum einen Gymnasiasten, dem es im Lauf des Deutschunterrichts nicht begegnet.
Das Drama enthält eine Fülle an Themen, die zeitlos die Menschen bewegen: Schuld, die dazu führt, dass der Schuldige fast zwangsläufig immer mehr davon auf sich lädt; Liebe und Treue; familiäre Zwiste, die sich unter Umständen im Mord entladen; vor allem aber die Kollision von Recht und Gesetz mit der Freiheit des Einzelnen.
Karl Moor, eine vielschichtige Persönlichkeit, ist sicher kein Robin Hood des „Sturm und Drang“, verkörpert aber dennoch jenen Heros, der trotz aller von ihm begangenen Verbrechen letztlich einen guten, wahren, ehrlichen Kern hat. Schiller lotet in „Die Räuber“ in einzigartiger Weise die Tiefen und gefährlichen Untiefen der menschlichen Seele aus, und wenn dem heutigen Zuschauer, Leser oder Zuhörer die äußere Welt der „Räuber“ und manche Eigenheit der Sprache auch fremd anmuten, so berührt das Stück mit seiner enormen Spannung und seinen gewaltigen Emotionen doch immer aufs Neue.
Ein Theaterstück als Hörbuch zu präsentieren, erfordert ein kluges Konzept: Da nicht davon auszugehen ist, dass die Hörer den Text mitlesen oder so genau kennen, dass sie alle Dialoge den einzelnen Figuren zuweisen können, müssen die Sprecher über ihre Stimmen den Charakteren eindeutig zuzuordnen sein. Dies ist gelungen – die Stimmen insbesondere der Hauptfiguren bleiben unverwechselbar, sodass sich das Stück komfortabel anhören lässt und der Hörer sich anhand dieser Charakterstimmen ein Bild von Franz, Karl, Amalia, dem alten Moor, dem Diener Daniel und weiteren Mitwirkenden bilden kann.
Ohne zu viel Affekt, aber sehr lebendig und ausdrucksstark, präsentieren die Sprecher das Stück und die einzelnen Charaktere. Die Szenen werden durch Musik voneinander abgesetzt. Das gut gestaltete Booklet listet die Akte, Szenen und Figuren auf, stellt die Sprecher vor und enthält auch einen Text von Schiller selbst über sein Stück.
Ein großes Stück Literatur in einer ausgezeichneten, behutsam gekürzten Hörbuchfassung!

Regina Károlyi



CD | CD-Anzahl: 3 | Erschienen: 1. April 2009 | Laufzeit: 183 Minuten | Preis: 16,95 Euro | Sprache: Deutsch

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