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 Star Wars Essentials, Band 1: Das Dunkle Imperium I

Serie: Star Wars Essentials, Band 1
Autoren: Tom Veitch
Illustratoren: Cam Kennedy
Übersetzer: Uwe Anton
Verlag: Panini Comics

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Sechs Jahre nach der Schlacht um Endor: Das Galaktische Imperium ist zerschlagen, aber nicht besiegt. Die Neue Republik konnte bislang stets siegreich aus Konfrontationen mit Imperialen Kriegsherren hervorgehen, doch Frieden will der Galaxis nicht beschert sein: Splittergruppen Imperialer Streitkräfte kämpfen um die Vorherrschaft in den Sternsystemen und drohen, die geschwächte Republik zwischen ihren Fronten zu zermalmen. Als der Bürgerkrieg auch Coruscant zum Schauplatz des Konflikts macht, finden sich die Helden der Rebellion in einer zermürbenden Schlacht inmitten der Hauptstadt wieder. Luke Skywalker fühlt, wie die dunkle Seite der Macht ungeheure Stärke entwickelt, als plötzlich ein finsterer Energiesturm Coruscant heimsucht. In seinem Plan, die dunkle Seite von innen heraus zu vernichten, lässt sich Luke von dem Sturm auf die düstere Welt Byss, tief im Zentrum der Galaxis, entführen. Dort trifft er auf einen Gegner, von dem er gehofft hat, ihn für immer besiegt zu haben: Palpatine. Mittels Klontechnologie wurde der Imperator wiedergeboren, der nur ein Ziel verfolgt: die Republik zu zerschlagen und Luke jenen Platz einnehmen zu lassen, den einst Darth Vader innehatte.
Leia fühlt, dass sie ihren Bruder und damit den letzten Jedi an die dunkle Seite zu verlieren droht, und startet mit ihrem Ehemann Han Solo eine verzweifelte Rettungsmission, die sie auf den Schmugglermond Nar Shaddaa führt. Unterdessen nimmt Palpatines Vernichtungsfeldzug seinen Lauf: Gigantische Kampfmaschinen – Weltenverwüster – beziehen Stellung über Mon Calamari und verheeren den Planeten unaufhaltsam. Das Ende der Republik scheint unabwendbar …

1983 führte Regisseur Richard Marquand in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ die Rebellenallianz zum Sieg über den Imperator. Doch mit dem Tod Palpatines und der Zerstörung des zweiten Todessterns war der Krieg zwischen Rebellen und Imperium bekanntermaßen noch lange nicht vorbei: Romane, Comics, Zeichentrickserien, Videospiele und andere Medien konstruieren bis heute eine lückenlose Chronologie der weiteren Auseinandersetzung zwischen beiden Parteien. Mit seiner Dark-Empire-Trilogie hat Tom Veitch das Expanded Universe, wie allgemein die Konstruktion des Star-Wars-Kosmos rund um die Filme genannt wird, bereichert wie kaum ein zweites Werk – allerdings nicht ohne die Fangemeinde zu spalten.

Was in erster Linie auf den Feind zurückzuführen ist, der im Comic eingeführt wird: Mit dem Imperator starb das absolut Böse, die Galionsfigur der Imperialen Schreckensherrschaft und die Personifikation der dunklen Seite; das Imperium benötigte neue Führungsgestalten. Mit Großadmiral Thrawn schuf Timothy Zahn eine eigenständige Figur, die sich vollkommen von Palpatine und Darth Vader unterschied und seine Romane in Fankreisen zur inoffiziellen dritten Trilogie avancieren ließ. Mit der Wiedergeburt Palpatines erweckt Veitch den Eindruck fantasieloser Kolportage: Anstatt dem Universum neue Feinde zu liefern, erweckt er kurzerhand alte wieder zum Leben.

Ganz so leicht lässt sich „Das dunkle Imperium“ aber doch nicht abstempeln: Mit der Klontechnologie liefert Veitch ein logisches und durchaus akzeptables Argument für eine Neubelebung des Imperators. Palpatines Klonlaboratorien und seine Thronwelt Byss sind hierbei nur zwei von vielen Beispielen, wie Veitch den Star-Wars-Kosmos immens erweitert: Neue Charaktere wie Han Solos Schmugglerkameraden aus alten Tagen werden eingeführt, während aus den Filmen bekannte Figuren auftauchen und deren Biografie damit erweitert wird. Mit Mon Calamari und Nar Shaddaa lernt der Leser zwei der bekanntesten Welten im Erweiterten Universum kennen und neue Waffentechnologie und Raumschifftypen werden eingeführt. „Das dunkle Imperium“ baut auf rund 150 Seiten das Expanded Universe enorm aus und meistert es zugleich, fast vollständig Ungereimtheiten oder Widersprüche zu vermeiden.

Was „Das dunkle Imperium“ so sehr von anderen Star-Wars-Comics unterscheidet, ist die düstere Stimmung, die Veitch heraufbeschwört. Er lässt vom Heldenpathos der Jedi und der Rebellen ab und macht die dunkle Seite zum alles bestimmenden Element – im Falle der Charakterzeichnung wie auch der Plotentwicklung. Gleichzeitig stellt der Autor die Macht auf eine Stufe, die bis dato nur erahnt werden konnte: Hat sich Darth Vader in den Filmen lediglich des allseits bekannten Würgegriffs bedient und der Imperator Luke mit Machtblitzen attackiert, verfügt der neue Palpatine über die Fähigkeit, seinen Geist in andere Körper zu übertragen oder einen alles vernichtenden Energiesturm zu entfesseln.

Die düstere Atmosphäre wird durch die Bilder von Cam Kennedy mit einer ansehnlichen Dichte eingefangen. Der visuelle Part des Comics ist aber zugleich auch der zweite große Knackpunkt, an dem sich die Geister der Fangemeinde scheiden: Kennedy bringt Veitchs Verbeugung vor der dunklen Seite in einem Stil zu Papier, mit dem man so seine liebe Mühe hat. Die Charaktere tragen stets harte, kalte Züge in ihren Gesichtern, ihre Physiognomien spiegeln die Weltuntergangsstimmung wider und machen es in ihrer Kälte schwer, die Figuren als Identifikationsangebote zu nutzen; sofern ein Jedi-Ritter für Frieden und Hoffnung steht, lassen es Luke und Leia den Leser nicht erkennen. Grimmige Gesichtsausdrücke sind keine Seltenheit und vermitteln ein Bild von den Helden der Rebellion, welches in krassem Gegensatz zu den Filmen steht. Die Hintergründe sind über weite Strecken detailarm, was sich besonders in Palpatines Klonlaboratorien, wo die leblosen Klonkörper wie gesichtslose Puppen in übergroßen Glaszylindern schweben, negativ auswirkt. Auch die Farbwahl dient dazu, die dunkle Stimmung einzufangen: Ein düsteres Rot im Inneren eines orbitalen Jagddroiden, das giftgrüne Antlitz des Imperators, ein mattes Violett in den finsteren Straßenschluchten Nar Shaddaas, das Licht schluckende Schwarz eines neuen Supersternzerstörers – die Zeichnungen von Cam Kennedy weisen nicht die geringste Ähnlichkeit mit anderen Star-Wars-Comics auf, die in glanzvollen Farben von den Heldentaten der Rebellenallianz oder der Jedi erzählen.

Lange Zeit vergriffen, wurde die Saga um das dunkle Imperium in die Reihe „Star Wars Essentials“ von Panini aufgenommen und somit wieder zugänglich gemacht. Diese Sonderreihe, anlässlich des 30. Geburtstages von „Krieg der Sterne“ initiiert, bringt die großen Klassiker des Star-Wars-Comics neu heraus. Dass Tom Veitchs Dark-Empire-Trilogie ebenfalls Aufnahme gefunden hat, verwundert nicht: Trotz – oder gerade wegen – seines außergewöhnlichen Stils, der die Fangemeinde spaltet, gilt „Das dunkle Imperium“ als unverzichtbarer Klassiker mit Kultprädikat. Das Cover ist ein echter Eyecatcher und das Papier von guter Qualität. Als Sahnehäubchen findet der Leser im Anhang eine Galerie mit den schmucken US-Covers. Der Preis tut sein Übriges, um den Griff ins Portemonnaie zu erleichtern.

So düster war Star Wars noch nie: Im Auftakt zu seiner Trilogie um das dunkle Imperium lässt Tom Veitch die Galaxis in einer Weltuntergangsstimmung versinken, wie sie in einem Star-Wars-Comic noch nie vermittelt worden ist. Als Einstieg in das Erweiterte Universum ist der Comic ungeeignet, was einerseits auf den eigenwilligen Stil Cam Kennedys, andererseits auf das umfangreiche Repertoire an neuen Charakteren, Waffen, Welten und Wesen zurückzuführen ist, mit dem der Star-Wars-Novize überfordert sein wird. Wer sich jedoch ein Fan von George Lucas’ Opus Magnum nennt, der kann sich Veitchs Trilogie nicht entgehen lassen, da sie zu den wesentlichen Bausteinen im Expanded Universe zählt.

Michael Höfel



Softcover | Erschienen: 14. März 2007 | ISBN: 9783866073449 | Originaltitel: Dark Empire I | Preis: 16,95 Euro | 148 Seiten | Sprache: Deutsch

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