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 Dunkle Schuld

Autoren: James Sallis
Übersetzer: Jürgen Bürger
Verlag: Heyne

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Turner, Ex-Vietnamsoldat, Ex-Cop, Ex-Knacki und Ex-Therapeut, hat sich in das kleine Kaff Cypress Grove in den Südstaaten zurückgezogen und lebt hier ein ebenso spartanisches wie müßiges Leben. Sein Weg hat ihm bisher vor allem Schmerz und Verluste verschiedener Art gebracht, und nun möchte er einfach unbehelligt in dem kleinen Städtchen leben. Doch dann taucht eines Tages der örtliche Sheriff Lonnie Bates bei ihm auf und bittet ihn um Mithilfe bei einem bizarren Fall: Die Leiche eines anscheinend obdachlosen Mannes wurde gefunden, gepfählt und auf groteske Art gekreuzigt. In Cypress Grove hat man Erfahrung mit kleinen Diebstählen und Fällen von familiärer Gewalt, aber nicht mit solchen Gewalttaten; Bates ist schlichtweg überfordert. Turner steigt in die Ermittlung mit ein und lernt dabei nicht nur, wie Cypress Grove tickt, sondern stellt sich auch seiner eigenen Vergangenheit …

„Dunkle Schuld“ (im Original stimmiger und schlichter mit „Cypress Grove“ betitelt) ist der erste Teil einer Trilogie von James Sallis, die sich um die Hauptfigur Turner dreht. Deklariert ist das Buch eigentlich als Krimi, aber eigentlich ist es das nicht. Fans von beinharten Ermittlungen und bizarren Todesfällen, die einen klassischen Krimi oder gar Thriller erwarten – wie der Mord zum Auftakt ja auch verheißt -, könnten bitter enttäuscht werden. Sallis’ Roman ist sperrig, nicht leicht zugänglich, bisweilen zäh - und doch ein lohnendes Leseerlebnis.

Der Autor wirft einen scharfen und sprachlich einzigartigen Blick auf ein Provinznest in den US-Südstaaten, in dem die Dinge einfach etwas anders laufen, und lässt uns am Leben des desillusionierten Protagonisten Turner teilhaben. Die Kapitel berichten immer abwechselnd von den Geschehnissen in Cypress Grove, bei denen nur äußerst langsam etwas Licht in die Ermittlungen um den Gekreuzigten dringt, und von Turners Vergangenheit. Diese ist durchaus bewegt, denn Turner ist bei all seinen Lebensstationen quasi der Verlierer, den das Leben ernüchtert hat – erst war er ein Cop, dann landete er im Gefängnis, schließlich wurde er Therapeut, bis er schließlich allem den Rücken kehrte. Dies alles wird unglaublich trocken und lakonisch geschildert, dabei mit einem Höchstmaß an Atmosphäre. Sallis’ schreibt über das kleinstädtische Amerika, und das kann er wirklich gut. Der Mord und die Ermittlung sind dabei fast Nebensache, und das Ende ist – zumindest aus Krimi-Sicht! – enttäuschend. Durch den ständigen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit wirkt der Roman zerfasert und spannungsarm, aber er möchte eben auch kein Spannungsroman sein.
James Sallis’ Stil wird man entweder sehr mögen oder gar nicht – seine eigenwillige Art zu schreiben ist sicher einzigartig, versperrt sich aber auch oftmals dem Leser. Neugierige sollten auf jeden Fall einen Blick in diesen Roman werfen, wenn sie einen großen Autor der amerikanischen Gegenwartsliteratur lesen wollen; für Krimifans ist „Dunkle Schuld“ aber eher nichts.

„Dunkle Schuld“ wird im Englischen fortgesetzt mit „Cripple Creek“ und „Salt River“, der Erscheinungstermin für den deutschen zweiten Teil der Turner-Trilogie steht noch nicht fest.

Christina Liebeck



Taschenbuch | Erschienen: 6. Juli 2009 | ISBN: 9783453434103 | Originaltitel: Cypress Grove | Preis: 8,95 Euro | 304 Seiten | Sprache: Deutsch

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