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 Die Tochter des Schmieds


Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Timur ist schon Mitte zwanzig, als er sich endlich von seiner Mutter überreden lässt, zu heiraten. Fatma ist die Auserwählte, ein junges, verwaistes Mädchen von 15 Jahren. Trotz anfänglicher Bedenken merkt Timur schnell, dass er dieses wunderschöne Mädchen, sein „Stück vom Mond“, wirklich wird lieben können. Und genau so kommt es auch, die beiden haben wunderbare Jahre zusammen und bekommen drei Töchter, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
Alles könnte schön sein, doch Fatma erkrankt an Typhus und stirbt. Timur wird von seiner Verwandtschaft genötigt, wieder zu heiraten, die Kinder brauchen schließlich eine Mutter. Und so kommt Arzu ins Haus, selbst fast noch ein Kind und mit der Situation, sich auf einmal um drei kleine Mädchen kümmern zu müssen, anfangs überfordert.

Schnell merkt Gül, die älteste der Geschwister, dass sie jetzt die Verantwortung für die kleineren Schwestern hat; sie beginnt, hinter ihnen zurückzustecken und es allen recht machen zu wollen.
Vieles erlebt sie beim Erwachsenwerden, und auch als Erwachsene ereignet sich immer wieder Neues in ihrem Leben, viele Wendungen nimmt es für sie.

Der Leser begleitet Gül, die Lieblingstochter des Schmiedes Timur, lange Jahre auf ihrem Lebensweg. Erst als erstgeborene Tochter, dann als junges Mädchen, schließlich als Ehefrau und Mutter. Die Handlung erscheint beliebig, es gibt wohl viele türkische Frauen, die genau einen solchen Lebensweg gegangen sind und noch gehen.
Selim Özdogan zeichnet das Bild einer Familie in den Vierziger Jahren in Anatolien, wie ihr Alltag aussah und ihre Lebensweise. Obwohl das, was er beschreibt, nicht einmalig ist, lässt er es durch seine Sprache einmalig erscheinen. Oft erscheint das Buch weniger wie ein Roman als vielmehr wie ein Märchen aus einem fernen Land, das exotisch, geheimnisvoll und doch wunderschön ist. Wenn mehr Leute dieses Buch lesen würden, die Vorurteile gegenüber der Türkei als Land wären wohl um einiges geringer. So unauffällig wird selten für Verständigung und Akzeptanz geworben.
Gül wächst an der Grenze zwischen zwei Zeiten auf. Ihre Vorfahren blieben zumeist ihr Leben lang an einem Ort, sie wird ihrem Mann später nach Deutschland folgen und so viel mehr sehen als ihre älteren Verwandten. Sie selbst folgt dem traditionellen Weg und heiratet einen Mann, den Bruder ihrer Stiefmutter, den sie vorher nicht wirklich gut kennt und an den sie sich erst gewöhnen muss, während ihre Schwestern sich weigern. Gül bricht die Schule ab, beendet nicht einmal die Grundschule, damit sie sich um den Haushalt kümmern kann, um ihren Schwestern den Besuch der Oberschule und damit eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Ihr Leben ist geprägt von Verzicht, aber beklagen tut sie sich darüber nicht. Es scheint selbstverständlich. Diese Selbstverständlichkeit, mit der sie für ihre Schwestern und ihre Familie einsteht, ist beachtenswert. Natürlich ist sie keine Heilige, auch das kann der Autor sehr gut verdeutlichen, indem er ihr Raum gibt, sich zu äußern, und dem Leser immer wieder neue Facetten zu zeigen.

„Die Tochter des Schmieds“ ist wunderschön und märchenhaft zu lesen, zeigt aber gut einen Alltag und eine Realität, die gar nicht so weit weg oder lange vergangen sind.

Anja Thiemé



Taschenbuch | Erschienen: 1. Januar [Value3] | ISBN: 9783746622897 | Preis: 8,95 Euro | 310 Seiten | Sprache: Deutsch

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