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 Shakespeares Hamlet

und alles, was ihn für uns zum kulturellen Gedächtnis macht


Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Preis - Leistungs - Verhältnis
Müsste man eines von William Shakespeares Stücken auswählen, das die größte Wirkung auf seine Zuschauer durch die Jahre hindurch bis heute gehabt hat, käme seine 1602 uraufgeführte große Tragödie "Hamlet" sicherlich in die engere Wahl. Kein Held eines fiktiven Werkes hat die Vorstellungen von Reflexion und Melancholie stärker geprägt als dieser dänische Königssohn, der sich an dem Mörder seines Vaters, seinem Onkel Claudius, rächen will und es bis ganz zum Ende des Stücks doch immer wieder vermasselt. Das, was bereits über den Hamlet geschrieben wurde, ist dazu geeignet, ganze Bibliotheken zu füllen. Was kann also ein weiterer Band diesem versammelten enzyklopädischen Wissen hinzufügen, so könnte man sich fragen. Dietrich Schwanitz hat es trotzdem probiert, und das ist dabei herausgekommen:

Das schmale Büchlein "Shakespeares Hamlet - und alles, was ihn für uns zum kulturellen Gedächtnis macht" wurde aus dem Nachlass des 2004 verstorbenen anglistischen Literaturwissenschaftlers und Autors Dietrich Schwanitz veröffentlicht. Geplant hatte dieser eigentlich ein Werk zu allen Dramen Shakespeares, seine Aufzeichnungen zum "Hamlet" sind jedoch die einzigen geblieben, die es bis zur Drucklegung geschafft haben.

Nach einem kurzen, unterhaltsamen Vorwort, in dem Schwanitz seine Motivation, ein Buch über Shakespeares Schauspiele zu schreiben, unter anderem damit erklärt, dass ihn der englische "Bard with the beard" ein Leben lang begleitet, wenn nicht verfolgt hat, beginnt er seine Erläuterungen zum Stück. Dabei nimmt er sich die Tragödie systematisch Akt für Akt und Szene für Szene vor. Seine Darstellungen, die den Handlungsgang des Theaterstücks präzise und mit sensibler Einfühlung für die Belange eines modernen Publikums wiedergeben, reichert er mit relevantem Hintergrundwissen an. Dieses bezieht sich beispielsweise auf zeitgeschichtliche und politische Entwicklungen im elisabethanischen England, auf mythologisches Wissen oder auf das Leben an Königshöfen mit seinen Regeln und Etiketten.
Schwanitz versetzt dadurch seine Leser in die Lage, sich einen Teil dessen vergegenwärtigen zu können, was für einen zeitgenössischen Theatergänger damals allgemeiner Wissensstand gewesen ist. Dem heutigen Publikum von Shakespeares Drama bereitet Schwanitz so einen Genusszuwachs durch bessere Nachvollziehbarkeit.

Um noch einmal zu der Frage zurückzukehren: Muss es denn wirklich noch ein weiteres Buch zum "Hamlet" sein? – In diesem Fall kann man da nur mit einem klaren "Ja, muss es!" antworten. Dietrich Schwanitz hat es nicht nur fertig gebracht, mit seiner eigenen Begeisterung über Shakespeares Werk auch seine Leser anzustecken, sondern es ist ihm darüber hinaus auch gelungen, in äußerst konzentrierter Form alles zu sagen, was man zum "Hamlet" wissen muss, um die Schönheit dieses Theaterstücks voll und ganz genießen zu können. Bei allem Wissen, und davon hat Schwanitz so einiges, kommt sich der Leser jedoch niemals geschulmeistert vor. Wissen wird hier begeistert geteilt, nicht wissenschaftlich exklusiv verwaltet.

Nach der Lektüre von "Shakespeares Hamlet - und alles, was ihn für uns zum kulturellen Gedächtnis macht" möchte man am liebsten gleich ins Theater eilen und sich eine Aufführung des Stückes ansehen. Es ist wirklich schade, dass es nicht mehr zum ursprünglich geplanten Vorhaben gekommen ist und uns Dietrich Schwanitz so hat nicht mehr sagen können, was er zu den anderen Dramen William Shakespeares wusste!

Heike S. Verlinden



Hardcover | Erschienen: 1. Oktober 2006 | ISBN: 9783821855790 | Preis: 16,90 Euro | 168 Seiten | Sprache: Deutsch

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