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 Fables, Band 1: Legenden im Exil

Serie: Fables, Band 1
Autoren: Bill Willingham
Illustratoren: James Jean, Lan Medina
Übersetzer: Gerlinde Althoff
Verlag: Panini Comics

Cover
Gesamt +++++
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Brückentrolle, Prinzessinnen, lebendig gewordene Holzpuppen, Fabeltiere, Hexen. Sie alle sind Märchengestalten aus aller Herren Länder und: Sie leben unter uns!
Wie der Titel des ersten Fables-Bands vermuten lässt, geht es in dieser Reihe nicht unbedingt um die althergebrachten Figuren aus den Filmen und Büchern, so wie wir sie kennen. Die Fables tragen Anzüge oder Streetwear und wohnen in Hochhäusern des heutigen New York. So manch eine Figur aus dem Sagenland hat sich arg verändert. Sie leben neben gewöhnlichen Menschen und eines der höchsten Gebote der Fables lautet, ihre Herkunft und ihre Geheimnisse unerkannt zu lassen.
Dieser Mix bietet natürlich reichlich Stoff für Abenteuer und spannende Begebenheiten. Der erste Band beschäftigt sich mit dem mutmaßlichen Mord an Rose Red (Rosenrot, die Schwester von Schneeweißchen). Ganz Fabletown ist aufgebracht und es stellt sich die Frage: Wer ist der Mörder? Und da ist Bigby (der große böse Wolf) gefragt - ehemals eine reißende Bestie, nun eher Spürhund. Der allzeit gestresste und immer rauchende Detektiv nimmt sich der Aufgabe an und ermittelt in diesem wunderbaren Fabletown. Dabei trifft er auf alte Bekannte, wie etwa Bluebeard (Blaubart), Jack, Pinocchio und viele weitere.
Diese Geschichte ist ein klassischer Kriminalfall, wie er im Buche steht. Es gilt Informationen zu besorgen, Personen auf die Schliche zu kommen und Rätsel zu lösen – nur eben mit dem besonderen Märchen-Touch.

Es ist schon ziemlich witzig zu sehen, was der Autor Bill Willingham und der Zeichner Lan Medina aus den Märchenfiguren gemacht haben: So erhält man Einblicke in das mittlerweile über hundert Jahre währende Eheleben von Beast und Beauty und stellt fest, dass nicht alles so kunterbunt läuft, wie man es vielleicht erwartet hätte. Snow White (Schneeweißchen) hingegen ist die Personifizierung des Begriffs Workaholic und eine etwas emanzipiert angehauchte Persönlichkeit, die die meiste Verantwortung in Fabletown trägt. Ein weiteres Beispiel ist auch Flycatcher, der früher als Froschkönig bekannt war. Heute kann man ihm als Overall tragenden und Wischmopp schwingenden Saubermann beim Putzen zusehen.
Es gibt noch weitere Personen zu nennen mit all ihren Begebenheiten; das Buch beziehungsweise die gesamte Reihe ist gespickt davon. Das Schöne ist, dass man relativ schnell erahnen kann, um wen es sich jeweils handelt. Bei manchen lässt es sich durch ihr Äußeres schließen, andere wiederum legen ein Verhalten an den Tag, bei dem eine Verwechslung ausgeschlossen ist. Der Übersicht halber befindet sich aber auch am Ende des Bandes kleine Biografien der auftauchenden Figuren. Kurz gesagt: Die alten Märchenfiguren erstrahlen bei „Fables“ in einem neuen Licht.
Die Storyline an sich ist ausgeklügelt und am Ende laufen alle Stränge zusammen, wie man es nun mal bei einem guten Krimi gewohnt ist. Das Konzept ist zu Beginn gewöhnungsbedürftig, aber „Legenden im Exil“ ist ein ausgezeichnetes Einführungsbuch, um einen Einblick in die Welt der Fables zu erhaschen.
Neben der Hauptgeschichte gibt es als eine Art Leckerbissen noch eine Kurzgeschichte des in Las Vegas lebenden Autors, die ebenfalls von ihm illustriert wurde. Willingham ist seit über zwanzig Jahren im Comic-Geschäft – hier muss man sagen: Man merkt es.
Ebenfalls erwähnenswert ist der Zeichner. Lan Medina war lediglich bei diesem ersten Reihenband tätig und gewann prompt den Eisner Award. In der gesamten Reihe sind seine Zeichnungen am besten.
Dadurch, dass Medina bei „Legenden im Exil“ mitgewirkt hat und es am Ende noch eine wundervoll erzählte Kurzgeschichte über den bösen Wolf gibt, ist dieser Band etwas sehr Besonderes.

Märchen und moderne Welt. Geht das? Und wie das geht!

Wassilios Dimtsos



Taschenbuch | Erschienen: 17. Januar 2007 | ISBN: 9783866072695 | Originaltitel: Fables Vol. 1: Legends in Exile | Preis: 14,95 Euro | 144 Seiten | Sprache: Deutsch

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