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 Detektiv Conan: Detektiv Conan Band 13


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Ran und Conan sind bei den Eltern von Sonoko eingeladen. Sie essen dort zu Abend. Neben Sonoko, einer Schulfreundin Rans, ihrer älteren Schwester und ihrem Bräutigam Yuzo ist ihr Vater anwesend, der will jedoch nur ein Football-Spiel im Fernsehen ansehen. Ein Streit des alten Herrn mit Yuzo lässt den jungen Maler wutentbrannt die Wohnung verlassen.
Nach dem Abendessen, dass bis tief in die Nacht dauert, will der Brautvater etwas frische Luft schnappen. Als ein Gewitter die Sicherungen im Haus heraus springen lässt, sehen alle draußen vor dem Fenster eine Gestalt, durch einen Blitz grell erleuchtet, mit einem Stein auf etwas einschlagen. Alle rennen nach draußen und sehen Sonokos Vater tot im Gras liegen. Conan, Ran, Sonoko und die Braut haben den Täter genau gesehen. Sie sind völlig verzweifelt und teilen der eintreffenden Polizei mit, dass es Yuzo war.
Doch zu ihrer Verblüffung treffen zur baldigen Hochzeitsfeier die zwei Brüder Yuzos ein. Mit Erstaunen sehen alle, dass es Drillinge sind. Welcher der dreien ist ein Mörder? Conan stehen schwierige Ermittlungen bevor.

In Fall Zwei warten Conan, Ran und Kogoro auf einen Künstler. Er hat einen Bildband gemalt, der Tatorte von Mordopfern in ihrer ganzen Grausamkeit darstellt, sie jedoch mit seinem Pop-Art-Stil künstlerisch verfremdet. Kogoro Mori soll ein Nachwort zu diesem Bildband beisteuern. Doch der Maler erscheint nicht zum verabredeten Termin.
Als er endlich erscheint, klingelt das Telefon. Er geht an den Apparat und schreit auf. Seine junge Mitarbeiterin droht im Gebäude gegenüber aus dem Fenster zu springen. Alle eilen auf den Balkon. In diesem Moment fällt tatsächlich eine Frau aus einem der Appartements im Wohnblock gegenüber. Als Polizei und die Anwesenden der Pressekonferenz am Tatort erscheinen, ist die Frau tot. Conan bemerkt, dass die Frau eine Brille und Kontaktlinsen trug. Er fragt sich, ob sie nicht doch ermordet wurde.

Conan und seine Freunde sind bei einer Filmproduktion zu Gast. Ihr Lieblingsheld ist Gomera - ein Dinosaurier, der in den Häuserschluchten Tokyos sein Unwesen treibt. Bei einer Probeaufnahme vor laufender Kamera und vielen Zuschauern geht Gomera, in dessen Gummihaut ein Schauspieler steckt, auf den Produzenten der Filme zu, der in den Kulissen steht und ermordet ihn mit mehreren Messerstichen. Der entsetzte Conan rennt dem Gummi-Monster hinterher, um zu sehen, wer in dem Kostüm steckt, kommt aber zu spät. Wer vom Filmteam hat diese schreckliche Tat begangen?


Im ersten Fall ist der Hintergrund der Geschichte ein Bruderzwist und ein tragisches Schicksal. Psychologisch dicht erzählt und unter die Haut gehend, vermittelt Aoyama einen tief unglücklichen Täter, der zu seinen Handlungen steht und zu spät erkennt, dass er sich in einen Wahn gesteigert hat, der mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Aoyama legt hier sehr viel wert auf das Motiv und seine tief in der Kindheit zu suchende Ursache. In den Zeichnungen akzentuiert er gekonnt die unterschiedlichen Charaktere der Drillinge. Auflockernd eingesponnen werden die erotischen Traumvorstellungen Sonokos und die verführerische Wirkung Rans auf Conan.

Im zweiten Fall ist kein geplanter, grausamer Mord zentraler Gegenstand der Geschichte, sondern eine Tat in Affekt und die Moral, dass sich eine außereheliche Affäre rächt - dramaturgisch überhöht in einem Mord, grundsätzlich aber in unstetem Wesen und Schuldgefühlen. Diese Moralvorstellungen des Autors werden sehr deutlich betont, sowohl im Text, als auch in den Zeichnungen.

Auch im dritten Fall kommt es dem Autor auf die Wirkung eines schlechten Charakters - hier des Produzenten - auf seine Mitmenschen an. Letztlich treibt er den Täter fast gezwungen zu seiner Tat, erst in der Auflösung und Präsentation des Tathergangs versteht der Täter wirklich, wer und was ihn zum Mörder machte.

Die deutlichen moralischen Grundsätze des Autors werden immer wieder durch skurrile Tathergänge und manga-typische Überzeichnungen - Ohren, Nasen, Gesichter, Beulen, Augen, Gliedmaßen - konterkariert und damit aufgelockert. Die an sich ernsten und grausamen Morde werden in ihrer Tragweite relativiert und sind durch diese Elemente der Unterhaltung weniger schockierend für den Leser. Sehr geschickt vermittelt Aoyama, das es ihm um die Auflösung der Taten und die Entwicklung der Charaktere geht, weniger um die Präsentation eines Mordes.
Dies ist ein Hauptgrund für den Erfolg. Der Leser kann sich fast immer in Täter und Opfer, Ermittler und Zeugen hineinversetzen. Dies führt zu einem Mitleiden und Miterleben und letztlich zum Erfolg dieses Mangas. Die Faszination, die von diesem Manga ausgeht, ist nicht vordergründig und unmittelbar zu erschließen. Erst nach einigen Alben vermittelt der Autor das Gefühl, die menschlich tragischen Schicksale nicht um der Unterhaltung willen darzustellen, sondern um die Abgründe der Seele aufzuzeigen und im Sinne einer Katharsis dem Täter - und damit auch dem Leser - seine Taten bereuen zu lassen und die eigenen Beweggründe erst durch die Konfrontation mit der Vergangenheit zu verstehen. Immer wieder beenden Geständnisse die Kriminalfälle, immer wieder ist das Bereuen des Täters wichtigster und emotional aufwühlendster Moment der Geschichten.
Dem Autor gelingt es mühelos aus den kleinen Abenteuern um Conan Tragödien zu machen, deren Psychologie und innewohnende Moral tief bewegen.

Im Anhang stellt Aoyama Pater Brown vor. Dem erfolgreich ermittelnden Pfarrer, erdacht von Gilbert Keith Chesterton, widmet er die dreizehnte Folge seiner Reihe der Meisterdetektive der Weltliteratur. Sie ist spannend und informativ und ebenso wie der Manga selbst zum Kult geworden.

Stefan Erlemann



Taschenbuch | Erschienen: 01. Mai 2003 | ISBN: 3898853942 | Preis: 4,99 Euro | 176 Seiten

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