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 Titan

Serie: Cicero-Trilogie, Band 2
Autoren: Robert Harris
Übersetzer: Wolfgang Müller
Verlag: Heyne

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Im Jahr 63. v. Chr. scheint Marcus Tullius Cicero fast am Ziel seiner Träume angelangt: Trotz seines Status als homo novus, als eigentlich unbedeutender politischer Newcomer ohne Vermögen, ohne adelige Abstammung oder besondere Macht, wird er endlich zum Konsul gewählt. Doch es sind stürmische Zeiten in der Republik Rom, und die Stadt wird von äußerst mächtigen und machtgierigen Männern und ihren undurchsichtigen Interessen gelenkt. Bald schon sieht sich Cicero, der entschlossen für Recht und Moral eintritt, Intrigen und Machtspielen gegenüber. Er deckt sogar eine mörderische Verschwörung auf, die von den mächtigsten Männern unterhalten wird und die seine Ermordung zum Ziel hat. Hinter all dem scheint sich ein einziger Mann zu verbergen: Catilina.

In "Titan" berichtet Robert Harris erneut aus dem Leben des Marcus Tullius Cicero. Beschäftigte sich der erste Roman, "Imperium", noch mit Ciceros Aufstieg vom einfachen Anwalt zum Inhaber eines der angesehensten Ämter Roms, so erzählt er hier von Ciceros Jahr als Konsul und von den darauffolgenden fünf Jahren, in denen der berühmte Redner und Senator zum Pater Patriae, zum Vater des Vaterlandes, gekürt wurde. Doch auch in diesen Jahren soll Cicero keine Ruhe finden, denn auch andere gieren nach Macht und steigen unaufhaltsam auf – unter ihnen auch der junge, äußerst ehrgeizige Julius Caesar …

Wie wir heute wissen, konnte Cicero zwar die berühmte Verschwörung Catilinas gegen seine Person aufdecken und seine Ermordung verhindern, letzten Endes jedoch wurde er dennoch auf Geheiß der Mitglieder des zweiten Triumvirats ermordet. So weit geht dieser Roman jedoch nicht, er endet im Jahr 58 vor Christus, in dem Cicero, politisch und gesellschaftlich völlig vernichtet, Rom verließ und ins Exil ging. Damit ist sein ereignisreicher Lebenslauf jedoch noch lange nicht abgeschlossen und es ist klar, dass Robert Harris Ciceros Leben als Trilogie angelegt hat.

Wie der Vorgänger "Imperium" lebt auch "Titan" von der äußerst kurzweiligen und lebendigen Mischung aus Biografie, historischem Roman und purer Unterhaltung. Der Ton ist dabei manchmal etwas zu lässig und umgangssprachlich, aber wie Harris auch in seinem Nachwort schreibt, soll es eben in erster Linie ein Roman sein und kein Sachbuch, wenngleich der Autor sich eng an die Fakten aus Ciceros Leben gehalten hat. Wer im Lateinunterricht aufgepasst hat, der wird ohne Zweifel sehr vieles wiedererkennen. Unter anderem lässt Harris Cicero seine berühmten vier Reden gegen Catilina halten, natürlich nur in Auszügen. Auch andere Begebenheiten, etwa der schwierige und skrupellose Aufstieg Caesars, der sich früh zum Pontifex Maximus wählen ließ, und der Zusammenschluss des ersten Triumvirats, bestehend aus Caesar, Pompeius und Crassus, sind von hohem Wiedererkennungswert für alle, die sich mit der antiken Geschichte Roms beschäftigt haben.

All dies ist in Harris‘ unverkennbaren Stil sehr unterhaltsam aufbereitet und wird erneut aus der Sicht von Tiro, Ciceros Sklaven, Privatsekretär und engstem Vertrauten, berichtet. Dass Tiro tatsächlich gelebt hat und Ciceros Biografien verfasste (und durch die von ihm erfundene Kurzschrift einige Berühmtheit erlangte), ist historisch untermauert, und in dieser Tradition setzt auch Robert Harris den Bericht um – zwar auf den politischen und historischen Fakten beruhend, aber eben auch witzig und sehr kurzweilig. Bisweilen liest sich "Titan" also wie ein spannender Gerichtsthriller. Natürlich dreht sich in dieser Zeit der politischen Giganten alles um Macht, Macht und noch mehr Macht. Im Wesentlichen beschreibt Harris in diesem Roman die folgenden Stationen aus Ciceros bewegtem Leben: sein Konsulat an der Seite von Hybrida, der Gerichtsprozess um Gaius Rabirius, die Verschwörung Catilinas und die Verurteilung der Mitverschwörer, sein ambivalentes Verhältnis zu Caesar und die Verstrickungen um Publius Clodius Pulcher und den Bona-Dea-Skandal, der den berühmten Rhetoriker Cicero letztendlich vernichtete. Das alles liest sich trotz der Masse an historischen Daten und Fakten dennoch sehr leicht, sehr unterhaltsam – eben eine spannende Geschichtsstunde der anderen Art, die Cicero als ehrenwerten und integeren Mann darstellt, aber auch seine Fehler und Fehlentscheidungen hervorhebt. Man schließt die Romanfigur so ins Herz, dass die Schilderungen gegen Ende, wenn Cicero Stück für Stück von seinen Gegnern demontiert wird, richtig schmerzhaft sind und ans Herz gehen.

Um den Überblick zu behalten, lohnt es sich, wenn man zumindest ein wenig mit dem Zeitrahmen vertraut ist, in dem die Erzählung sich zuträgt, denn obwohl es am Ende des Buches ein Namensregister der wichtigsten Handelnden gibt, wird man von der Masse dieser berühmten und häufig gleich klingenden Namen ein wenig erschlagen. Hier geben sich Caesar, Crassus, Lucullus, Pompeius, Atticus, Catilina, Cato und viele weitere quasi die Klinke in die Hand – es war eben eine aufregende Zeit der politischen Schwergewichte.

Fazit: Erneut ein äußerst spannender und kurzweiliger Ausflug in die Welt des Alten Roms, beruhend auf der Lebensgeschichte von Marcus Tullius Cicero. Robert Harris verpackt die damaligen Begebenheiten in einen äußerst spannenden, flüssig zu lesenden Stil, der historischen Hardlinern eventuell stellenweise zu seicht und zu umgangssprachlich sein könnte, der aber die damalige Zeit unglaublich spannend wieder auferstehen lässt – der Roman ist eindeutig mehr Thriller denn Biografie. Für alle Fans der damaligen Epoche ist "Titan" ein Muss!

Christina Liebeck



Hardcover | Erschienen: 19. Oktober 2009 | ISBN: 9783453001589 | Originaltitel: Lustrum | Preis: 21,95 Euro | 544 Seiten | Sprache: Deutsch

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