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 Lovecraft Country Collection, Band 2: Grauen in Arkham

Abenteuerband


Cover
Gesamt +++++
Aufmachung
Leitbarkeit
Preis - Leistungs - Verhältnis
Die Stadt Arkham im Norden Neuenglands ist keine gewöhnliche Stadt. Mehr als eine der hier ansässigen Familien kann ihre Wurzeln bis zur Zeit der Hexenverfolgungen in Salem zurückverfolgen, in den Kellern der Miskatonic-Universität werden düstere Forschungen betrieben und so manche Farm im Umland übt nachhaltigen Einfluss auf den Geisteszustand ihrer Bewohner aus. Kurzum: Arkham, die Stadt am Fluss Miskatonic, hütet mehr als ein düsteres Geheimnis. Mit „Grauen in Arkham“ haben Erzähler und Spieler des Cthulhu-Rollenspiels die Möglichkeit, sieben dieser Mysterien auf den Grund zu gehen.

„Grauen in Arkham“ enthält sieben aus dem Englischen übersetzte Abenteuer, die in und um Arkham angesiedelt sind. Sie spielen in der klassischen Cthulhu-Epoche der 1920er und verweisen oftmals auf diverse Geschichten Lovecrafts. Da gerade Arkham sehr häufig der Handlungsort dieser Geschichten ist, finden sich in den Abenteuern unweigerlich etliche Verknüpfungen und Querverweise auf diverse Erzählungen. Leider sind diese in dem vorliegenden Band nicht immer gekennzeichnet, sodass man als Leser eine gewisse Lovecraft-Kenntnis mitbringen muss. Zwar ist dies nicht zwingend notwendig, allerdings muss man dann akzeptieren, dass das eigene Arkham deutlich von Lovecrafts Welt abweicht und eventuell Lovecraft-festere Mitspieler irritiert sind.

„Grauen in Arkham“ ist der zugehörige Abenteuerband zu dem kürzlich bei Pegasus erschienenen Arkham-Quellenbuch. Die Kenntnis dieses Buches ist laut Umschlagtext des Abenteuerbandes nicht zwingend erforderlich. Zwar sind alle für die Abenteuer relevanten Informationen in diesem Band enthalten, wenn man jedoch plant, seine Spieler für mehrere Abenteuer in der Stadt verweilen zu lassen, erweist sich eine stimmige Stadtbeschreibung samt Plan durchaus als sinnvoll.

Das erste Abenteuer, „Unsterblich“ von Richard Watts, greift die Ereignisse von der Erzählung „Herbert West – Reanimator“ auf, welche auch Grundlage für den Film „Re-Animator“ war. Es ist sinnvoll, dass der Erzähler zumindest eine dieser beiden Versionen kennt, um über ein solides Hintergrundwissen zu verfügen. Bei der Filmversion ist zu beachten, dass die Handlung in die Gegenwart verlegt und somit einige Details abgeändert wurden. Das Abenteuer selbst spielt im Mai 1928. Zwar kann der zeitliche Rahmen verschoben werden, da aber mit dem NSC Asenath Waite Derby auch eine Figur aus Lovecrafts Erzählung „Das Ding auf der Schwelle“ vorkommt, sollte man ihn im Falle einer größer angelegten Arkham-Kampagne einhalten.

„Die Puppenmacherin“ von Richard Watts und Keith Herber enthält Elemente aus der Geschichte „Grauen im Hexenhaus“, ist jedoch zeitlich gesehen wesentlich flexibler einzusetzen. Eine genaue Kenntnis des Arkham-Quellenbandes ist hier nicht vonnöten, jedoch kann der Erzähler hier eine gute Überleitung zu selbstgeschriebenen Abenteuern rund um den Charakter „Keziah Mason“ herstellen oder seine Gruppe die Ereignisse in „Grauen im Hexenhaus“ am eigenen Leib erleben lassen.

„Der Hunger der toten Kinder“ von Keith Herber richtet sich im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Abenteuern an erfahrenere Spieler. Da sich der Plot über weite Teile Arkhams erstreckt und auch einige Nachforschungen in der Bibliothek der Miskatonic-Universität anstehen, ist die Kenntnis des Arkham-Quellenbandes angeraten. Das Abenteuer enthält zudem ein kampflastigeres Finale als die bisherigen Beiträge.

„Regiment der Toten“ von Geoff Gillan befasst sich mit den Folgen des amerikanischen Bürgerkriegs und erfordert in dieser Hinsicht wohl etwas intensivere Vorbereitung durch den Erzähler. Das Abenteuer selbst ist relativ linear gehalten, die Spieler werden vor allem gegen Ende eher zu Mitläufern degradiert, können sich dafür aber im Rest der Geschichte während des Rechercheteils profilieren.

„Tag der Rache“ von Keith Herber ist eine Mörderjagd mit okkultem Aspekt und nebenbei eines der härtesten Abenteuer dieses Bandes. Außerdem wurde ein Spielbericht von der Cthulhu-Con 2008 abgedruckt, was man sich auch für die anderen Abenteuer gewünscht hätte, da diese Berichte eine gute Vorstellung eines möglichen Spielverlaufes vermitteln und zudem sehr unterhaltsam zu lesen sind.

„Dunkle Rivalen“ von J. Todd Kingren ist ebenfalls zeitlich sehr flexibel einsetzbar und konfrontiert die Spieler mit einem klassischen Mehr-Parteien-Szenario. Die Charaktere werden in diesem Abenteuer mit einer speziellen cthululoiden Rasse konfrontiert, mit der sie unfreiwillig zusammenarbeiten müssen. Gemeinsam mit der dritten Interessengemeinschaft, die eher im Hintergrund agiert, bietet „Dunkle Rivalen“ eine exzellente Ausgangssituation für weitere eigene Abenteuer in Arkham.

„Schöne neue Welt“ von Todd A. Woods stellt ein Bindeglied zwischen einem Arkham-Abenteuer und dem Mythoshintergrund der ebenfalls lovecraft'schen Stadt Innsmouth dar. Zwar reisen die Charaktere nicht bis nach Innsmouth, sondern in das nahe gelegene Fischerdorf Falcon Point, jedoch lässt sich dieses Abenteuer gut als Überleitung für die 2010 bei Pegasus erscheinenden Innsmouth-Bände verwenden.

Auf dem Buchrücken sowie in diversen Pressemitteilungen steht, dass der Band das Abenteuer „Das Grauen von den Sternen“ enthält. Umfangs- und Preisplanung sahen dies jedoch nicht vor, sodass es sich hierbei um eine fehlerhafte Angabe handelt. Pegasus-Spiele hat das Abenteuer jedoch großzügigerweise kostenlos auf seiner Homepage zum Download bereitgestellt, worauf ein extra dem Band beigelegter Zettel verweist. Für diesen erstklassigen Kundenservice (Downloadmöglichkeit und beigelegter Zettel) hat sich Pegasus erneut hohes Lob verdient.

Der Band kommt in gewohnter Pegasus-Qualität als Hardcover mit 156 Seiten daher. Das Design ist diesmal in einem dunklen Violett gehalten, was wesentlich geheimnisvoller wirkt als das Grün des Arkham-Bandes. Leider ist kein Lesezeichen vorhanden, sodass der Erzähler beim Leiten diverser Abenteuer aus diesem Band wohl mit zahlreichen Post-Its agieren muss.

„Grauen in Arkham“ ist eine gelungene Sammlung von sieben Abenteuern für die klassische Lovecraft-Stadt Arkham. Den Herausgebern ist es gelungen, eine attraktive Mischung zusammenzustellen, die mit verschiedenen Themen, Plots und vor allem Abenteuereinstiegen aufwarten kann. Mit ein wenig Arbeit für den Erzähler lassen sich alle sieben Abenteuer sowie das kostenlos im Internet herunterzuladende „Das Grauen von den Sternen“ zu einer abwechslungsreichen Arkham-Kampagne verbinden. Hierfür lohnt sich auch die Anschaffung des umfangreichen, aber kostspieligen Arkham-Quellenbandes. Für die kommenden Bände der „Lovecraft Country Collection“-Edition wäre es allerdings wünschenswert, die Verweise und Anspielungen auf Lovecrafts Erzählungen besser zu kennzeichnen, da nicht jeder Cthulhu-Erzähler ein Lovecraft-Experte ist und jeden NSC der richtigen Geschichte zuordnen kann. Ansonsten handelt es sich hierbei aber um ein rundum gelungenes Produkt, das zum sofortigen Starten einer Cthulhu-Kampagne einlädt, die sich abseits weltbedrohender Plots bewegt.

Markus Goedecke



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