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 Holm-Trilogie, Band 2: Das Leben geht weiter

Ein Holm-Roman

Serie: Holm-Trilogie, Band 2
Autoren: Matthias Keidtel
Verlag: Manhattan

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Holm, der Held aus dem Buch ›Ein Mann wie Holm‹, erforscht hier zum zweiten Mal das feindliche Leben. Holm geht auf die vierzig zu und ist eine völlig erfolglose Existenz. Nicht ansatzweise hat er aus seinem Leben etwas gemacht. Nach seiner gescheiterten Beziehung zu Ulrike wohnt er wieder bei seinen Eltern.
Da packt ihn plötzlich der Tatendrang. Er möchte etwas für Berlin tun. Und was wäre besser, als Berlin ein neues Wahrzeichen zu geben? Als er erfährt, dass für Reinhard Mey, dem Methusalix deutscher Liedermacher, eine eigens ihm gewidmete Rose existiert und da erstens Mey in Berlin lebt und zweitens niemand in Berlin die Rose kennt, beschließt Holm, der Hauptstadt diese Attraktion bekannt zu machen. Nun ist dieser Weg recht steinig. Zunächst muss man nach Orleans in Frankreich reisen, warum auch immer.
Das ist für jemanden, der sein ganzes Leben in Rudow verbracht hat, und das meist auf seinem Bett liegend, mehr als ein Abenteuer. Frankreich ist ja bekanntlich das Land, in dem revolutionierende Bauern die Regierung durch Mistgabelschwingen und Abladen von Kartoffeln zu stürzen suchen. Zudem scheinen viele Marokkaner dort zu leben, die ständig beim Ziegenschlachten sind und sicherlich auch den einen oder anderen Menschen auf dem Gewissen haben. Schließlich muss man sich natürlich auch auf jede Art von Wetter gefasst machen. Holm jedenfalls hat noch nicht gehört, dass man in Frankreich bereits die Zentralheizung kennt.
Orleans wird also ein Abenteuer. Dass Holm nicht dort landet, sondern in Berlin (Ost), ist eine Odyssee für sich. Dass er dann auch noch Türsteher in einem Striptease-Lokal wird, dass er mit einer Klimaanlage bei der Polizei einen Alarm auslöst, dass er schließlich ein kleines, indisches Restaurant zum Schauplatz einer Katastrophe macht, sollte aber jeder selbst lesen.

Die Holm-Trilogie ist eine Art Entwicklungsroman. Holm übt sich in der Deregulierung seines Lebens. Mit seinen zwanghaften Gedanken und Befürchtungen, mit seiner peniblen Art, alles vorher auf die Folgen durchgedacht zu haben, stellt er sich ein ums andere Mal ein Bein. Doch nach und nach schafft er es, sich einen anderen Platz im Leben zu erobern. Dies passiert allerdings vor und nach diesem Roman (es gibt einen dritten Teil: ›Geht doch!‹), denn ein wesentlicher Teil der Komik besteht darin, dass Holm sich im Roman selbst nicht entwickelt und eine wesentliche Qualität der Trilogie, dass er sich eben doch entwickelt.
Im ersten Roman beschreibt Holm, beziehungsweise der Erzähler, die Annäherungsversuche ans weibliche Geschlecht wie eine strategische Geheimoperation in einem fremden Land. Im zweiten Buch stellt er erstaunt fest, dass man Frauen nicht mit manipulativer Perfektion erobert. Holm achtet weniger darauf, wie er mit der Umgebung verschmilzt, sondern wie er gegenüber den Frauen den perfekten Mann gibt. In diesem Fall ist die Frau seiner Wahl Sabine. Doch Sabine hat viel zu viel Erfahrungen mit Männern und vor allem mit den Lügen von Männern, um sich von Holm täuschen zu lassen. Am Ende des Buches ist er wieder alleine, doch um eine Erfahrung reicher.
Holm war – sieht man sich das erste Buch an – witzig, skurril, streckenweise drollig. Dieser zweite Band kommt mit genauso viel Humor daher. Doch die Geschichte selbst wird ernster, die Figuren tragischer und so das ganze Lachen zurückhaltender. Hat Holm zunächst nicht ins Leben gepasst, verbindet er jetzt etwas damit. Er versteht. Und damit wandelt sich auch die Atmosphäre des zweiten Buches. Das erste war manchmal bizarr zum Wegschmeißen. Das zweite ist dagegen ironisch, satirisch und mehrmals auf so tragische Weise mit situativer Komik aufgeladen, dass es den Leser auf eine Achterbahn der Gefühle mitnimmt. In dieser Entwicklung liegt eine Logik, die im ersten Buch angelegt ist. Insofern sind beide Bücher zwar sehr unterschiedlich, aber folgerichtig. Dies wird sich im dritten Buch fortsetzen, dem letzten der Holm-Trilogie.
Es gibt auch einen Wermutstropfen: Ganz kann der Autor Matthias Keidtel nicht von Ideen des ersten Buches loslassen. Während Holm im ersten Teil nur deshalb in Katastrophen hineinstolpert, weil er sich alles für sein zwanghaftes Weltbild passend macht, müsste er jetzt ein Stück weit gelassener umgehen. Doch diesmal platziert ihn der Erzähler in Situationen hinein, die nicht mehr die von Holm sind. Es sind wenige Stellen, doch die wirken gezwungen. Man hätte sich anderes vorstellen können, eventuell andere Frauen, vor allem, da Holm in einer Striptease-Bar arbeitet. Keines der Mädchen wird genauer erwähnt.
Trotzdem: Holm zeigt, dass guter Humor noch jenseits von peinlichen und schablonenhaften Sprüchen möglich ist und sogar hervorragend möglich ist. Es gibt zwar auch andere große komische Romane aus deutschen Landen, angefangen mit dem Simplissisimus Teutsch von Grimmelshausen. Doch nachdem die Weltmisere nicht mehr hinter der Erzählung sichtbar werden muss, ist Holm eine der sinnvollsten Weisen, sich intelligent und kritisch zu unterhalten.

Frederik Weitz



Hardcover | Erschienen: 26. Januar 2009 | ISBN: 9783442546541 | Preis: 16,95 Euro | 368 Seiten | Sprache: Deutsch

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