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 Die Dame mit dem Hündchen

Autoren: Anton Tschechow
Regisseure: Nikolaus Esche, Anton Roth
Sprecher: Otto Sander
Übersetzer: Peter Urban
Verlag: Diogenes

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Dmitrij Dmitrievich Gurov empfindet seine ungeliebte Frau und die gemeinsamen Kinder als Last. Für den gut situierten Moskauer sind Frauen "die niedere Rasse"; von ihnen lassen kann er aber auch nicht und führt daher eine Affäre nach der anderen.
Bei einem Urlaub in Jalta reizt ihn eine sehr junge, zurückgezogene Frau mit einem kleinen Spitz, die ebenfalls zur Erholung angereist ist. Mit seiner bewährten Taktik nähert er sich ihr, die kaum älter ist als seine Tochter und wie er mit einem ungeliebten Partner verheiratet; nach einer Woche gibt sie sich ihm hin und ist im Anschluss todunglücklich darüber. Sie beklagt sich, dass sie nun seinen Respekt verloren habe. Gurov ist völlig verwirrt und hilflos, weil diese neue Geliebte, Anna Sergeevna, so ganz anders ist als die anderen Frauen, die sich mit ihm eingelassen haben. Ihre Selbstvorwürfe stoßen ihn ab. Trotzdem verbringt er jede freie Minute mit ihr, ohne zu verstehen, was er an ihr findet, außer, dass sie hübsch ist.
Schließlich reist Anna ab, und bei der Verabschiedung erklären die beiden einander, dass sie sich nie wieder sehen werden. Gurov ist sicher, dass sie allenfalls zu einer netten, blassen Erinnerung werden wird wie seine anderen Affären auch.
Aber es kommt anders, er vermisst sie, und die Sehnsucht wird mit der Zeit so stark, dass er unter einem Vorwand in ihre Stadt fährt und sie in der Pause einer Theatervorstellung anspricht. Anna ist von seinem plötzlichen Auftauchen entsetzt und weiß nicht, was sie tun soll.

Ein notorischer Schürzenjäger wird einer Frau hörig, von der er eigentlich geglaubt hat, dass sie ihn eher noch weniger fesseln kann als ihre vielen Vorgängerinnen: Mit Gurov hat Anton Tschechow einen für ihn typischen bürgerlichen Charakter in einer Welt voller Doppelmoral und Verfall geschaffen. Sein Gegenstück, die Geliebte, klagt zwar darüber, dass sie gesündigt hat, setzt die Beziehung jedoch bis zu ihrer Abreise fort und verwirrt Gurov mit ihrer Widersprüchlichkeit aufs Äußerste. Gurovs Frauenbild wird von der jungen Frau, fast noch ist sie ein Mädchen, nachhaltig auf den Kopf gestellt.
Die recht geradlinige Handlung wird von Tschechow meisterlich ausgeführt, mit subtilem Humor, scheinbarer Leichtigkeit, hinter der sich ein guter Teil Gesellschaftskritik verbirgt, und unterschwelliger Spannung bis hin zum völlig offenen, den Leser aufgrund seiner Plötzlichkeit überraschenden Ende.

Otto Sander liest Tschechows Erzählung ausdrucksstark und packend vor. Er vermag die routinierte Langeweile und Tristesse des in Jalta urlaubenden Bürgertums so anschaulich zu schildern wie die Selbstzerfleischung von Anna nach ihrem geradezu beiläufig erfolgten Fehltritt und die Wandlung Gurovs vom zwanghaften Casanova zu einem von Sehnsucht nach der Geliebten verzehrten Liebhaber. Fein akzentuiert bringt er die leisen Pointen an, weiß Spannung durch kaum wahrnehmbare Pausen und Ausdruckswechsel zu vermitteln.
Die Aufmachung passt in die Hörbuchreihe des Verlags: schlicht und von guter Qualität mit Kunststoffhalterung für die CD und Kartoneinband.
So erweist sich diese Hörbuchfassung als der Vorlage angemessen ein echter Genuss!

Regina Károlyi



CD | CD-Anzahl: 1 | Erschienen: 27. Oktober 2009 | ISBN: 9783257802726 | Laufzeit: 50 Minuten | Originaltitel: Dama s sobackoj | Preis: 14,90 Euro | Sprache: Deutsch

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