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 Die Weiße Tigerin, Band 5: Das Jahr des Phönix

Serie: Die Weiße Tigerin, Band 5
Autoren: Wilbur
Illustratoren: Didier Conrad
Übersetzer: Resel Rebirsch
Verlag: schreiber & leser

Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Shanghai, 1947: Alix Yin Fu ist zu Gast bei den „Weißen Tigerinnen“ der dortigen Sektion. Da strömt Giftgas in den Saal und sämtliche junge Frauen werden durch einen Genickschuss hingerichtet. Alle, bis auf Alix. Kein Wunder, dass die Kommunisten sie für eine Doppelagentin halten, die ihre Mitschwestern in Shanghai verraten hat. Nur das beherzte Auftreten des Franzosen Maurice Rousseau, der die Hochachtung aller Kommunisten genießt, seit er beim langen Marsch an Maos Seite kämpfte, rettet ihr das Laben. Er ist von der Unschuld der schönen Agentin überzeugt und versucht gemeinsam mit ihr herauszufinden, wer hinter den brutalen und feigen Morden steckt.
Eine Spur führt nach London. Dort angekommen, werden sie abermals zum Ziel der Unbekannten, die scheinbar alle „Weißen Tigerinnen“ ausschalten wollen. Die Anführerin der Agentinnen, ebenfalls in London, beschließt, mit allen verbliebenen kommunistischen Kämpferinnen zu fliehen. Doch die Gegenseite scheint immer im Voraus zu wissen, wo sie als nächstes zuschlagen muss. Gibt es einen Doppelagenten in allerhöchsten Kreisen der Kommunisten oder ist Alix doch die gesuchte Verräterin?

„Das Jahr des Phönix“ ist das fünfte Album der Serie „Die Weiße Tigerin“. Grafisch umgesetzt werden sämtliche Abenteuer, die ebenso kunstvoll wie markant auf die laszive Heldin zugeschnitten sind, von Didier Conrad. Er vermag es von der ersten Seite an den Leser mehr als zufrieden zu stellen. Nicht nur die schöne Heldin, auch die Bösewichter gelingen ihm famos, kaum eine Seite, die nicht zumindest das männliche Publikum mehr als fesselt.
Seine historisch korrekten Ansichten von Straßenfluchten, Automobilen, Häuserzeilen und Lasterhöhlen sind so detailreich wie prägnant und machen es dem Betrachter leicht, das Album in den höchsten Tönen zu loben.

Ganz anders sieht die Sache leider auf der erzählerischen Ebene aus. Hatte man nach drei Bänden noch erschreckt innegehalten, weil der geniale Yann nicht mehr als Autor firmierte, sondern Wilbur, sah man sich im vierten Album eines Besseren belehrt: Der Wechsel war gelungen, Wilbur vermochte die Leser zu begeistern und Yann fast vergessen machen.
Leider trifft dies für das fünfte Album ganz und gar nicht zu. Wo ist die Lockerheit, wo der Humor, wo die leichte Linie der Handlung? Wo die tiefsinnigen Anspielungen, der Feingeist der Auseinandersetzung zwischen Kommunisten und Faschisten, der die ersten vier Alben zu etwas Einmaligem auf dem Comicmarkt gemacht hatte?
Stattdessen gibt es Leichen ohne Ende. Gleich mehrere Dutzend junge Frauen, viele Agenten, Unschuldige und Schuldige, Gute und Böse – immer wieder tritt brutale Gewalt an die Stelle der eleganten Art, die Alix bevorzugte. Sie legte in den ersten Alben zwar auch Hand an, tötete aber nicht.
Hier geht es nicht mehr um Alix, ihre „Jadeblüte“ oder ihren Werdegang, sondern um eine harte, brutale Auseinandersetzung zwischen sich hassenden Lagern. Nur Alix und ihre wunderbare Naivität sind dabei fehl am Platz. Folgerichtig spielt sie fast eine Nebenrolle, tritt zur Seite und macht Agenten und Kommunisten Platz. Leider.

Das fünfte Album kann grafisch überzeugen, enttäuscht jedoch in erzählerischer Hinsicht. Wilbur trifft den Ton der ersten vier Alben nicht und versetzt den Leser in eine völlig neue, wenig amüsante Welt. Ob das der Reihe nachhaltig schadet, muss man abwarten, die Fans der schönen Alix Yin Fu jedenfalls kommen noch ganz gut weg, ist doch die Grafikpracht von „Das Jahr des Phönix“ über jede Kritik erhaben.

Stefan Erlemann



Softcover | Erschienen: 1. November 2009 | ISBN: 9783941239258 | Originaltitel: Tigresse Blanche, tome 5 : L'Année du Phénix | Preis: 12,95 Euro | 48 Seiten | Sprache: Deutsch

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