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 Neandertal


Cover
Gesamt ++++-
Action
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Extras
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
In der Reihe „Neue deutsche Filme“ veröffentlicht Renaissance Medien kleinere Produktionen mit großem Potential auf DVD. Mit „Neandertal“ bringen die Regisseure Ingo Haeb und Jan-Christoph Glaser ihre Vision des Erwachsenwerdens in den 1990er Jahren auf den Bildschirm.

Der 18-jährige Schüler Guido (Jacob Matschenz) lebt in der kleinbürgerlichen Idylle des Neandertals – jener Gegend nahe Düsseldorf, in der der berühmte Urmensch gefunden wurde. Guidos Leben könnte ganz gewöhnlich sein, wäre da nicht die schwere Neurodermitis, an der er seit seiner Kindheit leidet. Als wäre die Krankheit nicht schon problematisch genug, gerät sein Leben auf der Zielgeraden zum Abitur abrupt aus den Fugen. Eine schockierende Entdeckung reißt sein sicher geglaubtes familiäres Umfeld in Stücke und lässt den jungen Mann orientierungslos zurück. Die Bekanntschaft mit Rudi (Andreas Schmidt), einem abgedrehten Kumpel seines Bruders, weckt neue Hoffnung in Guido – und während seine Neurodermitis zu verschwinden scheint, tun sich neue Hürden auf dem Weg zum eigenen Glück auf …

Ein Film, der sich in Titel und Handlung gleich vorneweg als hochgradig metaphernschwanger outet, läuft Gefahr, als Gähnfutter für Möchtegern-Intelektuelle abgestempelt zu werden. Im Falle von „Neandertal“ sollte man das Tintenkissen aber schön in der Schublade lassen: Guidos Odyssee ins Erwachsenwerden beweist nämlich, dass der deutsche Film seine oft kritisierte Kopflastigkeit auch herrlich leichtfüßig auf den Bildschirm befördern kann. Die Regisseure Ingo Haeb und Jan-Christoph Glaser zerlegen das ländliche Spießbürgerdasein mit bemerkenswerter Konsequenz und einem feinen Blick für das richtige Erzähltempo, das frech und frisch zwischen betonter Ruhe und atemlosen Crescendi hin- und herpendelt. Die clever-spannende Inszenierung fesselt über die gesamte Laufzeit – und kaschiert geschickt, dass „Neandertal“ seiner Coming of Age-Thematik trotz bröckelnder Fassaden im Grunde nichts hinzuzufügen hat, was man nicht auch schon woanders so oder so ähnlich gesehen hat. Diese kleinere Schwäche spielt einem Jacob Matschenz mit seinem kraftvollen Auftritt völlig aus dem Sinn: Als Guido lebt und liebt er sich die Seele mit jugendlicher Direktheit aus dem Leib, sodass seine Performance getrost als das Highlight des Films bezeichnet werden darf. Er macht dann auch die vor allem gegen Schluss stark an Air erinnernde Musikuntermalung vergessen, die dem Ende um ein Haar eine etwas zu versöhnliche Note verpasst hätte.

Bei der technischen Umsetzung leistet sich Renaissance Medien keine Schnitzer: Das Bild überzeugt mit astreinen Kontrasten und natürlichen Farben, der Ton wirkt präzise abgemischt. Die Extras sind interessant, aufschlussreich und sinnvoll ausgewählt. Einzig die Hinter den Kulissen-Featurette kann dank fehlendem Kommentar bestenfalls als Einschlafhilfe dienen.

Marc Zeller



DVD | Disc-Anzahl: 1 | EAN: 4049102220042 | Erschienen: 5. Februar 2009 | FSK: 16 | Laufzeit: 107 Minuten | Preis: 14,99 Euro | Sprache: Deutsch

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