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 H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens, Band 23: Volk der Finsternis


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Robert E. Howard ist hauptsächlich für seine Schöpfungen "Conan" und "Solomon Kane" bekannt, aber er schrieb auch diverse unheimliche Geschichten. Der Festa-Verlag veröffentlicht diese nun erstmals auf Deutsch, darunter einige, die Bezüge zum Cthulhu-Mythos von H. P. Lovecraft aufweisen. Die Reihe wird wahrscheinlich sechs Bände umfassen. Jeder Band soll Bonus-Material enthalten, darunter Briefe zwischen H. P. Lovecraft und Robert E. Howard sowie Essays zu Leben und Werk des Autors.

Der erste Band „Volk der Finsternis“ enthält folgende Geschichten: „Volk der Finsternis“, „Schaufelt mir kein Grab“, „Wolfsgesicht“, „Das Feuer von Asshurbanipal“, „Der Schatten der Bestie“, „Die Kobra aus dem Traum“, „Die Hyäne“, „Das kleine Volk“, „Der Fluch des Meeres“, „Aus der Tiefe“, „Speer und Reißzähne“, „Die Traumschlange“, „Die Kreatur mit den Hufen“, „Der Schwarze Bär schlägt zu“, „Das Grauen aus dem Hügelgrab“ und „Der Mond von Zambewei“. Als Bonusmaterial sind drei Briefe enthalten, darunter je einer von Lovecraft an Howard und umgekehrt.

Die Geschichten in „Volk der Finsternis“ reichen von Grusel bis Horror, garniert mit einem Schuss Abenteuer. Schauplätze sind Wüsten und Wälder, Amerika und das ferne China; zeitlich reichen sie von der Gegenwart des Autors bis zur Zeit des Cro Magnon-Menschen. Howard hatte gute historische Kenntnisse, wenn diese natürlich auf dem wissenschaftlichen Stand und vom Zeitgeist der Jahre geprägt sind, in der die Geschichten entstanden. Andererseits zeigt Howard, dass man mit Talent und Blick für das Wesentliche gar nicht so viel historische Authenzität braucht, um eine spannende Episode zu erzählen. Ein paar der Geschichten sind wirklich gruslig, ähnlich wie Lovecraft zeigt Howard Talent zur tiefgehenden Verunsicherung des Lesers. Insgesamt gesehen sind die Erzählungen aber größtenteils eher klassisch aufgebaut – kein Wunder bei ihrem Alter. Zumindest sind die Schauplätze sehr unterschiedlich und teilweise exotisch.

Lässt man den Namen Robert E. Howard und die historische Bedeutung der Texte einmal weg, muss man auch Kritik äußern. Ein paar der Geschichten, leider gerade auch die ersten, sind in einer Form geschrieben, die auch heute nur in kleinen Anthologien veröffentlicht würden und ein Lektorat verdient hätten. Es ist unklar, inwiefern das an der Übersetzung liegt, aber der Wortschatz des Autors ist stellenweise arg klein beziehungsweise einfallslos. Wenn man die Geschichten in einem Band versammelt sieht, fallen viele Wiederholungen auf; irgendwann kann man zum Beispiel den Vergleich mit dem „Panther“ nicht mehr lesen. In vielen Geschichten ist es so, dass der Protagonist und Ich-Erzähler irgendwann das Blut seines Volkes in sich spürt und sozusagen die genetische Prägung zum Kampf oder zum Abenteuer durchkommt. Bei fiktiven Völkern ist das eine Sache, bei Bezugnahme auf reale Völker wirkt das – aus heutiger Sicht zumindest – etwas befremdlich. Zwei Geschichten haben dazu letztlich dieselbe Pointe.

Als Auftaktband der Reihe mit Howards unheimlichen Geschichten zeigt der Band auch handwerkliche Mängel. Zwar sind nur wenige Rechtschreibfehler enthalten, aber dafür direkt ein wirklich auffälliger – böswillig könnte man auch sagen peinlicher - im Inhaltsverzeichnis. Interessanter als die Veröffentlichungsdaten der Geschichten wären die Entstehungsdaten gewesen. Auch ein einleitender Text, wie Howards unheimliche Geschichten chronologisch, wie inhaltlich einzuordnen sind, wäre sinnvoller gewesen als unbedingt auf das Zugpferd Lovecraft zu setzen. Auch generell bleibt die Frage offen, warum der Band eigentlich in der Reihe „H. P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens“ erscheint, da nur wenige Geschichten mit dem Cthulhu-Mythos zu tun haben und meist auch nur, indem ein paar Begrifflichkeiten übernommen werden.

Für Fans von Robert E. Howard sind die Geschichten natürlich von Interesse und ein paar sind wirklich gelungen. Ein dicker und günstiger Sammelband statt einer ganzen Reihe hätte es aber eventuell auch getan. Natürlich ist ein Hardcover-Band mit Lesebändchen und Bonus-Material immer schön als Sammlerstück und es ist löblich, dass der Festa-Verlag die Geschichten endlich auch auf Deutsch veröffentlicht. Das ändert aber nichts an der leider notwendigen Kritik – vom Inhalt wie von der Aufmachung her - und diese lässt am Hardcover-Konzept Zweifel aufkommen. Howard-Fans mit dem nötigen Kleingeld und Vorlieben für Hardcover sollten aber trotzdem ihren Spaß am Band haben. Das die Geschichten auf Deutsch nur in diesem Band vorhanden sind, spricht natürlich auch für ihn ...

Bernd Wachsmann



Hardcover | Erschienen: 23. Oktober 2009 | ISBN: 9783865520623 | Preis: 28 Euro | 344 Seiten | Sprache: Deutsch

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