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 Der Barde

Autoren: Angus Donald
Übersetzer: Katharina Volk
Verlag: Knaur

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Dieser Roman beginnt, wie so oft, mit dem missglückten Diebstahl einer Pastete: Der junge Alan, der auf dem Markt eine solche stiehlt, wird in flagranti ertappt. Zwar kann er fliehen, wird aber erkannt und muss fortan um seine Hand fürchten – oder Schlimmeres. Daher bringt seine Mutter ihn noch in der gleichen Nacht zu Robin Odo, einem gefürchteten und gleichzeitig hoch angesehenen Gesetzlosen, dem wahren Herrn von Sherwood Forest. Alans Enttäuschung ist grenzenlos, als er den legendären Robin Hood zum ersten Mal erblickt, denn dieser ist reichlich unscheinbar, und doch begreift der Junge von Anfang an, dass dieser Mann etwas Magisches, unendlich Charismatisches an sich hat – und dass er zugleich höchst gefährlich ist: "Als mein Kopf wieder klarer war, wurde mir zum ersten Mal vollständig bewusst, was für einen Schwur ich da geleistet hatte, als ich Robin meine Treue bis in den Tod versprach. Ich war nun an ein Ungeheuer gebunden, an einen Teufel, der Menschen verstümmelte, nur weil sie mit den Männern des Sheriffs gesprochen hatten. Ich wusste plötzlich, dass ich meine normale Welt verlassen hatte."

Alan Dale wird in die Reihen der Geächteten aufgenommen und für ihn beginnen lange Jahre im Dienste von Robin Hood, voller Abenteuer und Gefahren – eine Zeit, in der der unbedarfte Junge zum Mann wird, in der er Leid, Folter und Krieg erfährt, aber auch Freundschaft, Freiheit und eine erste Verliebtheit.

Das Bild, das man heute allgemein von „Robin Hood und seinen fröhlichen Mannen“ hat, rückt Angus Donald in dieser Erzählung des weltberühmten Sagenstoffes gründlich zurecht. Sein Robin Hood, betrachtet durch die Augen des jungen Alan Dale – kein anderer als der berühmte Barde – ist ein sehr ambivalenter Charakter, in der einen Sekunde abstoßend, dann wieder jungenhaft, charmant und bezaubernd. Hier wird nicht andauernd, wie in zahlreichen romantisch angehauchten Abenteuer-Verfilmungen, das Geld von den Reichen genommen und den Armen gegeben (ersteres ja, letzteres nein – tatsächlich bezahlen auch die Armen für Robin Hoods Schutz).
Zwar ist dieser Robin ein doch relativ ehrenhafter Mann, der keine Gräueltaten aus Spaß begeht, der aber bei Bedarf furchtbar grausame Strafen verhängt und ohne mit der Wimper zu zucken abschlachtet und mordet. Eine sehr reizvolle Geschichte, die der Autor hier sehr flüssig und fesselnd erzählt. Es ist kaum möglich, sich dem Sog dieses Historien- und Abenteuerromans zu entziehen, der eine weitere Version des berühmten englischen Volkshelden schildert, von dem bis heute nicht klar ist, ob und wann genau er gelebt hat. Wie Angus Donald im Nachwort auch erörtert: Wahrscheinlich ist es natürlich, dass Ende des 13. Jahrhunderts ein armer Mann gleichen Namens gelebt hat, der mit dem Gesetz in Konflikt geriet, aber, so der Autor: „Würden wir in irgendeinem dieser Anwärter den Robin Hood aus unseren modernen Legenden erkennen, der die Reichen bestiehlt, um den Armen zu helfen, der mit seinen tollkühnen Gesellen scherzt und sich lachend auf den grün gewandeten Schenkel klopft? Wahrscheinlich nicht.“

So hat der Autor mit „Der Barde“ den zahlreichen Robin Hoods, Little Johns, Bruder Tucks, Will Scarletts und Guy of Gisbornes aus den Filmen und Romanen eine weitere, sehr unterhaltsame und dabei wohl recht realitätsnahe Facette hinzugefügt. Der Roman ist teils atemberaubend spannend, so dass man Seite um Seite gierig umblättert, dann wieder ziemlich brutal – hier geht es richtig zur Sache, werden Gliedmaßen abgehackt, Zungen herausgeschnitten oder Frauen von Scharen von Soldaten vergewaltigt. All dies trägt aber zur Authentizität bei und hilft, den Robin Hood zu beschreiben, den Angus Donald für wahrscheinlich hält: Einen sehr zornigen, äußerlich sehr kalten jungen Mann, der über ein professionell organisiertes Regiment von gesetzlosen Soldaten herrscht und seine Ziele gnadenlos vorantreibt. Am Ende offenbart Donald, dass es einen weiteren Teil geben wird, der von Robins und Alans weiteren Abenteuern handelt – darauf darf mit Spannung gewartet werden (auf Englisch erscheint der Band unter dem Titel "Holy Warrior").

"Der Barde" ist eine klare Empfehlung für Fans historischer Romane und für alle, denen die Geschichten um Robin Hood schon immer gefallen haben.

Christina Liebeck



Taschenbuch | Erschienen: 1. März 2010 | ISBN: 9783426503706 | Originaltitel: Outlaw | Preis: 8,95 Euro | 446 Seiten | Sprache: Deutsch

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