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 Der Tourist

Autoren: Olen Steinhauer
Übersetzer: Friedrich Mader
Verlag: Heyne

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Dem klassischen Agentenroman räumte man nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem damit verbundenen Fehlen zweier rivalisierender Großmächte keine großen Chancen ein. Doch mit Olen Steinhauer wagt sich ein Autor an einen Agententhriller, dessen Handlung nach dem 11. September 2001 angesiedelt ist und in Amerika bereits für Furore sorgte.

Milo Weaver hat ein Problem: Sein Bauch wird zunehmend dicker, die Agilität und Dynamik leidet von Tag zu Tag und der Schreibtischjob stellt auch nicht die Erfüllung dar. Man möchte kaum glauben, dass der Mittvierziger, der jeden Tag pünktlich im Büro erscheint, noch vor wenigen Jahren ein erfolgreicher 'Tourist', also ein inoffizieller Mitarbeiter der CIA, war. Der Job eines Touristen hat es in sich. Ohne offizielle Rückendeckung, immer auf sich allein gestellt, müssen diese Agenten die heikelsten Aufträge rund um den Globus erfüllen. Hierbei können sie zwar auf ein großes Spesenkonto zurückgreifen, sind jedoch häufig mit sehr widrigen Umständen konfrontiert. Als Milo von seinem persönlichen Widersacher, einem Profikiller, dem er seit Jahren auf der Spur ist, kontaktiert wird, ändert sich jedoch alles. Er erfährt von Vorgängen, die sein Weltbild erschüttern, und nimmt sich umgehend der anstehenden Mission an nicht ahnend, dass seine gesamte Existenz auf dem Spiel steht. Denn plötzlich ist der gealterte Agent wieder im Geschäft, reist um die Welt, versucht Vertraute und Freunde zu schützen und sieht sich einer Verschwörung ungeheuren Ausmaßes gegenüber, die bis in die obersten Ränge der amerikanischen Geheimdienste reicht

Mit dem gealterten Agenten Milo Weaver hat Steinhauer einen Helden erschaffen, bei dessen Handlungen der Leser einfach mitfiebern muss. Der Autor meint es zunächst gut mit seinem Protagonisten: Milo geht einer soliden Beschäftigung nach, ist glücklich mit seiner Frau und dem gemeinsamen Kind und körperlich ist noch alles im grünen Bereich. Doch dann geht es mit allen drei Säulen des Weaverschen Wohlbefindens steil bergab. Er arbeitet wieder in seinem alten Job, ist spürbar gealtert und den Anforderungen zum Teil nicht mehr gewachsen. Als wäre das nicht schon genug, droht ihm seine Familie völlig zu entgleiten, alte Freunde werden zu Gegenspielern und vieles mehr. Schnell merkt der Leser, dass die Handlung von "Der Tourist" vielschichtiger als manch anderer Agententhriller ist. Hinzu kommt der weitgreifende Stil des Autors hier ist genaues Lesen gefragt, denn jede Kleinigkeit könnte in einem späteren Kapitel wieder auftauchen.

Stilistisch bewegt sich Steinhauer zunächst in seichten Gewässern. Der Leser kann der Handlung gut folgen, Verwirrungen bleiben aus. Doch im Verlauf der Geschichte nehmen Ortswechsel zu und die Handlung wird häufig durch ein Übermaß an wörtlicher Rede vorangetrieben.

Mit dem vorliegenden Buch, dem ersten Buch Steinhauers, das in deutscher Sprache erschienen ist, liefert der Amerikaner einen soliden Agententhriller ab, der den Leser fesselt und gut unterhält. Hierbei macht er sich geschickt die Veränderungen nach dem 11. September 2001 zunutze und entwickelt eine dynamische und spannende Geschichte. "Der Tourist" ist jedoch nicht nur ein guter Agentenroman, sondern zugleich auch der Auftaktband zu einer Trilogie. Der zweite Band erscheint im Herbst 2010 und soll den Titel "The Nearest Exit" tragen.

Ralf Strohbach



Hardcover | Erschienen: 4. Januar 2010 | ISBN: 9783453266100 | Originaltitel: The Tourist | Preis: 19,95 Euro | 544 Seiten | Sprache: Deutsch

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