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 Ein Peking-Krimi, Band 2: Wie ein Schmetterling aus Papier

Serie: Ein Peking-Krimi, Band 2
Autoren: Diane Wei Liang
Übersetzer: Susanne Hornfeck
Verlag: List

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Die junge Privatdetektivin Mei wird in das Büro von Mr. Peng, dem Inhaber eines Musiklabels, gerufen. Das neue Aushängeschild, die Sängerin Kaili, ist verschwunden. Mei soll sie schnellstmöglich wiederfinden. Da ihr Assistent Gupin krankheitsbedingt nicht zur Verfügung steht, macht sie sich alleine an die Ermittlungen. Glaubt sie zu Beginn noch, in Kaili eine typische Diva zu erkennen, wird sie bald eines Besseren belehrt. Stück für Stück entblättert sie bei ihren Nachforschungen den wahren Kern hinter der aufgesetzten Maske aus Tanz und Glamour.
Eine tragische Geschichte breitet sich vor Mei aus, die eng mit den Geschehnissen von 1989 verbunden ist, als friedliche Studentenproteste von Panzern und Soldaten niedergeschlagen wurden. Sie selbst war damals kein Teil der Proteste und fühlt sich deshalb noch heute schuldig. Ein Grund mehr, alles daran zu setzen, die Wahrheit hinter dem Verschwinden von Kaili aufzudecken und die Sängerin wiederzufinden. Doch Mei ahnt nicht, dass die Vergangenheit dabei ist, die verschwundene Frau einzuholen und gnadenlos zuzuschlagen.

Im Juni 1989 rollten Panzer durch die Straßen von Peking und stellten sich gegen eine aufgebrachte Menge aus Protestierenden. Diese hatten den "Platz des himmlischen Friedens" besetzt und forderten ein demokratisches China. Die Armee griff schnell und hart durch, was zu tausenden von Toten auf beiden Seiten führte und noch heute als "Tian’anmen-Massaker" in den Geschichtsbüchern steht. Die Autorin Diane Wei Liang nimmt diese Situation als Ausgangsbasis für die fiktive Geschichte des Studenten Lin. Dieser ist Teil der Protestierenden und unter jenen, die dafür jahrelang in ein Arbeitslager gesteckt wurden. Die Verfasserin selbst hat ihre Jugend in einem solchen Lager verbracht und später an dem legendären Protest 1989 teilgenommen. Dies merkt man dem Text auch an. Das Martyrium des Umerziehungslagers und die Details der dortigen menschenunwürdigen Umstände sind in allen Einzelheiten beschrieben und vermitteln ein allzu plastisches Bild. Mit Lin wird nur eines der traurigen Schicksale in den Mittelpunkt gestellt, obwohl es auch noch heute unzählige weitere gibt.

Die junge Privatdetektivin Mei ist ein Charakter, der einen beständigen Drahtseilakt aufführt. So ist es offiziell verboten, eine private Detektei im "Reich der Mitte" zu führen, weshalb solche unter "Auskunftei" firmieren. Die Protagonistin lebt also in ständiger Gefahr vor der Obrigkeit, zu der sie selbst einst gehörte. Diane Wei Liang beschreibt eine Volksrepublik, die sich im Laufe der Jahre stark gewandelt hat, jedoch noch immer von Bespitzelung, Vetternwirtschaft und einer klaren Trennung zwischen Arm und Reich dominiert wird. Während Mei in ihrem zweiten Fall ermittelt, kann der Leser in dieses China eintauchen und die gesellschaftlichen Schichten (Städter und Wanderarbeiter), Bräuche (die Papierschmetterlinge), Gerüche und sogar das Essen kennenlernen. Die Autorin spielt mit der Atmosphäre und zeichnet ein erschreckend realistisches Bild.

Fazit:
"Wie ein Schmetterling im Frühling" ist ein ruhiges Buch, das sich Zeit nimmt, die Charaktere ausführlich zu beschreiben und dem Leser ihre Hintergrundgeschichte zu vermitteln. Die Ermittlungen gehen langsam voran und enden in einem realistischen, bittersüßen Finale. Ein gelungener Roman, der ein gespaltenes Land zeichnet und den namenlosen Opfern des "Tian’anmen-Massakers" eine Stimme gibt.

Andreas Suchanek



Hardcover | Erschienen: 1. März 2010 | ISBN: 9783471791738 | Originaltitel: Paper Butterfly | Preis: 18 Euro | 267 Seiten | Sprache: Deutsch

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