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 Die Frau, für die ich den Computer erfand

Die unglaubliche Geschichte des Konrad Zuse, der den ersten Computer der Welt baute - und die Erfindung einer unmöglichen Liebe


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Konrad Zuse gilt heute als der Erfinder des Computers, eine Ehre, die man ihm jahrzehntelang verweigert hat. Es mag sein, dass der 1910 geborene Ingenieur einfach zur falschen Zeit am falschen Ort lebte, denn unter den Nationalsozialisten konnte er sich weder als Erfinder etablieren, weil den Machthabern das Verständnis für sein Talent fehlte, noch international austauschen. So wusste er bis zum Kriegsende nicht von Alan Turing, Charles Babbage und Howard Aiken, denen lange der Ruhm zukam, der im Grunde Zuse gebührte.
Friedrich Christian Delius hat die bemerkenswerte Geschichte des Konrad Zuse in einem Roman nacherzählt und um ein vermutlich fiktives Element erweitert: die Figur der zu Zuses Lebzeiten längst verstorbenen Mathematikerin und Programmiererin Ada Lovelace.
Ada, deren Genie ebenfalls erst stark verspätet anerkannt wurde, ist in dem mittlerweile auch als hier besprochene Hörbuchfassung vorliegenden Roman die "Fernliebe" von Konrad Zuse, dem jungen Mann, der nur dank dem Idealismus und der finanziellen Unterstützung seiner Familie, insbesondere seiner Schwester, seine Erfindungen praktisch umsetzen kann zu ersten Rechenmaschinen. Mechanische Probleme machen das ursprüngliche Modell mit seinen handgesägten Bauteilen unzuverlässig. Es ist Ada Lovelace, es sind die Gedanken an sie und der Glaube an eine Geistesverwandtschaft, die Zuse in diesem Roman dazu motivieren, immer wieder weiterzumachen, sich nicht unterkriegen zu lassen, auch, wenn um ihn der Krieg tobt und seine Maschine Z3 bei einem Bombenangriff zerstört wird.
Heirat und Kriegsende tun der Liebe zu Ada Lovelace keinen Abbruch. Sie treibt ihn weiter an, bringt ihn zur Firmengründung, lässt ihn Rückschläge verkraften. Und mit ihr teilt er leise seinen späten Ruhm.

Friedrich Christian Delius hat seinen Roman als fiktives Interview zwischen dem alten Zuse, ein Jahr vor dessen Tod durchgeführt, und einem jungen Journalisten aufgezogen, der von Mathematik und Informatik praktisch nichts versteht.
Zuse tritt kauzig auf, etwas verbittert erscheinend, wenn es um die ihm vorenthaltenen Lorbeeren geht, allmählich auftauend, sich dann melancholisch und geradezu romantisch in Erinnerungen an seine "Romanze" mit Ada Lovelace verlierend. Der Autor weiß jedoch, wann es genug ist – "sein" Konrad Zuse wird nie lächerlich; er präsentiert sich als alter Mann, der nur zum Teil über den Dingen steht. Und solcher Dinge, über denen man nun eben steht oder die einen unter sich begraben, gibt es viele in Zuses Leben. Spannend sind die Erinnerungen dieses Erfinders und Unternehmers, nicht zuletzt aus der Nazi- und Kriegszeit, und Delius weiß sie fesselnd wiederzugeben und mit jenem Hauch des Fiktiven zu würzen, der einem Roman guttut, ohne die Geschichte selbst zu verfälschen.
Am Ende bleibt der Eindruck einer in der Tat, wie vom Untertitel plakatiert, unglaublichen Geschichte, der Geschichte eines von Rückschlägen unbeeindruckten, seine Ideen aufopferungsvoll verfolgenden, idealistischen Erfinders, und einer so charmanten wie irrealen Liebe.
Die Hörbuchedition ist attraktiv und robust aufgemacht; sie besteht aus drei in Kunststoffhalterungen untergebrachten CDs. Delius liest selbst, und er schlüpft sehr authentisch in die Rolle des über achtzigjährigen, zurückgezogenen Eigenbrötlers, der sich mal eben vor einer Feier zur Vergabe seines "x-ten" Ehrendoktortitels drückt und stattdessen das Interview mit dem jungen Journalisten akzeptiert, den er seine mangelnde Bildung in Bezug auf Mathematik und Informatik stets spüren lässt. Verschroben-sympathisch lässt Delius' Lesung den Konrad Zuse erscheinen, weicher Kern unter rauer Schale, harte Sachlichkeit durch das Alter gemildert – und all das im Rahmen einer phantastischen, aber im Wesentlichen wahren Lebensgeschichte.
Sehr hörenswert!

Regina Károlyi



CD | CD-Anzahl: 3 | Erschienen: 1. März 2010 | ISBN: 9783888976568 | Laufzeit: 193 Minuten | Preis: 19,90 Euro | Sprache: Deutsch

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