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 Die Bibliothek der Schatten


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Schon vor langer Zeit wurde der Kontakt zwischen Jon und seinem Vater Luca abgebrochen, keiner hat sich beim anderen gemeldet. Die Gründe dafür sind Jon unklar, und als sein Vater in seinem Buchladen einen Herzinfarkt erleidet, scheint es so, als würde niemals geklärt werden, warum der Vater den Sohn nicht mehr sehen wollte.
Doch schon auf der Beerdigung Lucas zeigen sich erste Hinweise darauf, dass ein Geheimnis hinter dem "Libri di Luca", dessen Besitzer nun Jon ist, lauert.
Iversen, der langjährige Freund und Angestellte Lucas, und Katherina, eine Legasthenikerin, die oft im Buchladen aushalf, weihen Jon in ein Geheimnis ein: Es gibt eine geheime Bibliophile Gesellschaft, bestehend aus Lettori. Lettori sind Menschen, die die Energie und Bedeutung von Büchern wirklich empfinden können. Es gibt zwei Sorten von ihnen: Katherina ist eine Empfängerin, das heißt, sie spürt die Gedanken und Gefühle eines Menschen, während er einen Text liest. Jon hingegen erfährt, dass er ein Sender ist, er kann Texte, während er sie laut vorliest, so aufladen, wie er es möchte, die Geschichte lebendig erscheinen lassen und die Meinungen seines Publikums beeinflussen. Doch nicht genug mit diesen geheimnisvollen Fähigkeiten: Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Luca ermordet wurde – von einem Lettori. Bei ihren Recherchen stoßen Jon, Katherina und Iversen auf ein Wespennest aus Verschwörungen, Geheimnissen und Verrat.

In diesem Roman wird ein Gefühl beschrieben, das so manche Leseratte kennen wird: das Gefühl, komplett in einem Buch zu versinken, die Handlung in sich aufzusaugen und vor sich zu sehen. Das Gefühl, dass ein gut geschriebenes Buch Gefühle und Meinungen beeinflussen kann, dass das geschriebene Wort mehr Macht besitzt, als man zunächst denken mag.

Das Buch stellt eine eigenartige, aber faszinierende Mischung aller möglichen Genres dar: ein bisschen Thriller, ein bisschen Fantasy, ein bisschen Liebesgeschichte, ein bisschen Drama, ein bisschen Rückblick in die Geschichte, gleichzeitig aber mit Bezug zur Gegenwart. Würde man diese Mischung einfach beschreiben, man würde kaum denken, dass daraus ein lesenswertes Buch werden kann. Das ist es aber mit „Bibliothek der Schatten“ geworden.

Die Charakterisierung ist denkbar einfach, zumindest anfänglich. Es gibt die „gute“ Bibliophile Gesellschaft, deren Mitglieder zum Vergnügen und zum Zeitvertreib lesen, Bücher lieben und wirklich im wahrsten Sinne des Wortes bibliophil sind. Und dann gibt es noch die „böse“ Schattenorganisation, die intrigiert und ihre Mitglieder nah an den Machtpersonen positioniert, um durch gezielte Lesungen und Beeinflussungen eingreifen zu können und so die Geschicke der Welt nach ihrem Willen zu lenken.
Das wäre bei jedem anderen Buch ein Minuspunkt, hier stört es aber nicht, da die Figuren selbst zerbrechlich wirken, keine ist nur ein strahlender Held, alle schleppen ihren Ballast aus der Vergangenheit mit sich herum und geraten in Versuchung.

Dem Text selbst merkt man die Liebe an, mit der er geschrieben wurde. Er nimmt den Leser gefangen, auch wenn diese Faszination sich nur nach und nach einstellt – anfänglich muss man sich sogar stellenweise überwinden, weiter zu lesen, da nicht ganz klar ist, wo die Geschichte hinführt und ob die Handlung wirklich noch in Fahrt kommt. Aber die langsame Einleitung lohnt sich, die Aktionen werden schneller, bis die Spannung am Ende in einem der wohl seltsamsten Showdowns der Buchgeschichte gipfelt.

Anja Thiemé



Hardcover | Erschienen: 15. März 2010 | ISBN: 9783442203628 | Originaltitel: Libri di Luca | Preis: 19,95 Euro | 512 Seiten | Sprache: Deutsch

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