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 Wonderland, Band 1: Rückkehr ins Wunderland

Serie: Wonderland, Band 1
Autoren: Raven Gregory
Illustratoren: Daniel Leister, Nei Ruffino
Übersetzer: Sandra Kentopf
Verlag: Panini Comics

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Bis zu dem Tag, an dem ihre Mutter Alice sich die Pulsadern aufschneidet, ist Calie Liddle ein ganz normaler Teenager. Von diesem Tag an aber ist nichts mehr so, wie Calie es kannte. Ihre Mutter driftet in den Wahnsinn ab und sitzt oft lethargisch im Haus. Ihr ständiger Begleiter ist ein weißes Kaninchen, das sie immer auf dem Arm trägt.
Jahre später versucht die Familie so gut es geht mit dem Wahnsinn der Mutter zurechtzukommen. Calies Vater hat eine Affäre mit einer Domina und vernachlässigt seine Frau, Calies Bruder flüchtet sich in Gewaltfantasien und Calie zu ihrem Freund Brandon. Nach einem gemeinsamen Drogentrip und einem sehr skurrilen Alptraum muss Calie allerdings feststellen, dass der Wahnsinn auch ihr normales Leben einzuholen scheint: Als sie den entlaufenen weißen Hasen ihrer Mutter suchen soll, stürzt sie in ein eine andere Welt, das Wunderland. Hier lauern der Tod und das Grauen hinter jeder Ecke und Calie muss schon sehr bald nicht nur um ihren Verstand, sondern auch um ihr Überleben kämpfen immer auf der Suche nach einem Weg nach Hause. Dabei stellt sie jedoch schnell fest, dass es kein wirkliches Erwachen aus diesem Alptraum gibt, denn das Wunderland ist mit ihrer Familie längst verwoben.

"Alice im Wunderland" ist einer der beliebtesten Kinderbuchklassiker der Welt. Doch die Geschichte hat auch eine dunkle Facette, die immer wieder gerne von Künstlern aufgegriffen wird. Allerdings dürfte dies bisher niemand so gründlich getan haben wie das Team um Raven Gregory. Sie verlegen die Handlung von "Alice" ins 20. Jahrhundert und geben in ihrer Geschichte Alice aus dem Wunderland eine Familie an die Seite, die von dem Trip in den Kaninchenbau in einen blutrünstigen Strudel aus Gewalt und Verderben gerissen wird.
Tochter Calie muss das grausige Wunderland ihrer Mutter ablaufen und erlebt dabei die brutal-verzerrte Version aus "Alice im Wunderland" und ihrer ganz eigene Version von "Hinter den Spiegeln".
Dabei kann man sich auch bei dieser Version fragen, was Wahrheit beziehungsweise Realität und was Traum oder Symbolik für Ereignisse der realen Welt ist.

Zitiert werden dabei nicht nur Auszüge aus "Alice im Wunderland" und deren Adaptionen, darunter auch "Matrix", sondern neben der Weltliteratur auch Fernsehbilder von Ölkatastrophen bis hin zu Horrorfilmen.
Überhaupt spielt der Comic viel mit dem Horrorgenre. So sieht die Heldin Calie natürlich äußerst sexy aus und darf sich auch so kleiden, eben als typisches Genreklischee. Sex ist zudem ein immer wieder gern gewähltes Motiv. Nicht nur, um Haut zu zeigen, sondern auch als Teil der Gewalt, die sich Menschen antun können. Als kleines Kontrastprogramm ist Calie in den Covern zu den einzelnen Kapiteln meist als fröhlich-frivoles Pin-up zu sehen.
Der Gewaltfaktor des Comics ist extrem hoch. Hier hat man sich das Horrorgenre wirklich zu Eigen gemacht, um reichlich Bösewichte und Unschuldige auf dem Weg abzuschlachten oft in Großaufnahme und mit ekliger Genauigkeit. Hier zeigt sich allzu deutlich, dass der Comic nichts für Menschen mit einem schwachen Magen ist.
Die Auflösung ist alles andere als ein Happy End, auch hier wird dem Horrorgenre entsprochen sie kann aber auch nicht alles wirklich perfekt auflösen. Da es sich aber bei "Rückkehr ins Wunderland" um den ersten Band von "Wonderland" handelt, bleibt zu hoffen, dass Calies Geschichte und die des Wunderlandes doch noch eine wahrlich befriedigende Lösung findet, die wirklich alle Fragen beantworten kann.

Entschädigen können die Zeichnungen, die das Wunderland als eine Mischung aus Alltag und verrücktem Fantasieland darstellen und es schaffen, vertraute Charaktere in einer verdrehten, unheimlichen Weisen darzustellen, ohne ihnen jedoch den Wiedererkennungswert zu nehmen.
Auch die Ausstattung des Comcis ist gut. Er ist stabil gebunden, Papier und Farben können überzeugen. Der Band beinhaltet die Gesamtauflage der Miniserie "Return to Wonderland". Im hinteren Teil findet sich noch eine Covergalerie, in der man die Einzelcover als Farbdruck nochmals bewundern kann.

"Rückkehr ins Wunderland" ist für alle "Alice"-Fans zu empfehlen, die die dunkelste Seite des Wunderlandes sehen wollen Kinder sollte man von diesem Comic allerdings wahrlich weit fernhalten.

Susanne Fischer



Softcover | Erschienen: 23. Februar 2010 | ISBN: 9783866079861 | Originaltitel: Grimm Fairy Tales: Return to Wonderland | Preis: 19,95 Euro | 144 Seiten | Sprache: Deutsch

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