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 Der weiße Neger Wumbaba

Kleines Handbuch des Verh÷rens

Autoren: Axel Hacke
Illustratoren: Michael Sowa
Verlag: Kunstmann

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis


Der wenig aufmerksame, aber fantasiebegabte Zuhörer, auch "Verhörer" genannt, kann dem faden "Hänschen klein" durchaus etwas abgewinnen. Denn daraus kann schnell etwas viel Interessanteres werden:

"Aber Mutter Weinezehr
hat ja nun kein Hänschen mehr!
Dabesin sieht das Kind,
eilet heim geschwind."

Die "Verhörer" sind zahlreich und oft besser als das Original. Wer hört je wieder etwas anderes als:

"Kriech nicht da rein!
Das ist das Blut der Erde..." ?

Um wie viel schöner klingt das, als der Text von Udo Jürgens, welcher singt: "Griechischer Wein, das ist das Blut der Erde"

Geradezu legendär ist "der weiße Neger Wumbaba", den man nur noch mit Mühen nicht hört, wenn das abendliche "... und aus den Wiesen steiget, der weiße Nebel wunderbar ..." erklingt.

Wer kennt sie nicht, die Texte und Lieder, die man als Kind falsch verstand und zum Teil nie erklärt bekam? Die seltsamen Kirchenlieder oder Schlager aus dem Radio, bei denen man sich nur auf sein Ohr verlassen konnte und die man nie ganz verstand?
Hunderte solcher köstlicher "Verhörer" hat Axel Hacke gesammelt und in mehereren Glossen über die Jahre veröffentlicht. Hier nun sind sie zusammengefaßt in einem Buch und nebst einer kleinen Erläuterung in einigen thematisch etwas schwammigen Kapiteln gegliedert.
Laut lachend verfolgt man die oft peinlichen Erlebnisse der "Verhörer", ihre Fehlleistung und ihre Überraschung (oder ihr Entsetzen) bei der akustischen Lösung ihrer Probleme.
Schmunzelnd liest man einige Textstellen immer wieder, genüsslich im Geiste den falschen Text wiederholend, der doch oft um so viel interessanter und merkfähiger ist als der Text, den der Erschaffer erklingen lassen wollte.
Mit Sorgfalt hat Axel Hacke diese Beispiele zusammengefasst, sieben Bilder steuert Michael Sowa bei. Das genialste Bild, der "weiße Neger Wumbaba", ist titel- und schlagwortbildend auf dem Buchdeckel zu sehen. Doch das ist leider zu wenig, um ein Werk daraus zu machen. Erstens sind sieben - zugegebenermaßen herrliche - Bilder nicht genug; und eine Aneinanderreihung von Glossen und Fallbeispielen macht ebenfalls noch lange kein gutes Buch.

Schade, denn Idee und Inhalt hätten mehr verdient: Mehr Gliederung, mehr Illustration und vor allem mehr Struktur. Nach zwanzig Minuten ist das schmale Bändchen gelesen, mehrere Lacher sind gemacht, erinnerungsselige Gedanken gedacht und die sieben Bilder betrachtet - und dann? Dann fragt man sich, wo die Glosse aufhört und wo das Buch beginnt, warum der Autor nicht ein wenig mehr literarisch tätig wurde und es dabei beließ, Leserbriefe mit einigen Überleitungen zu versehen und dieses als Buch zu veröffentlichen.

Fazit: Sie werden sich köstlich amüsieren, die Beispiele des Verhörens sind wahrhaft göttlich. Doch mehr als eine überlange Glosse ist es nicht. Das "Kleine Handbuch des Verhörens" ist ein Sammelsurium der Verhörer, mit mageren sieben Bildern von Michael Sowa geadelt - nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Stefan Erlemann



Hardcover | Erschienen: 01. September 2004 | ISBN: 3888973678 | Preis: 8,90 Euro | 64 Seiten

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