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 Dark Trace - Spuren des Verbrechens, Folge 7: Weißes Fleisch


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Kriminalkommissar Cornelius Liewens hat es in Amsterdam ohnehin jeden Tag mit schlimmen Verbrechen zu tun doch der aktuelle Fall übersteigt alles bisher Dagewesene, denn ein Killer tötet junge Frauen auf besonders abscheuliche Weise. Ausgerechnet die Cousine von Cors Kollegen Bas de Jong fällt dem Mörder zum Opfer. Cor schickt Bas erst mal in Urlaub und macht sich dann mit Stine daran, den Fall zu lösen. Denjenigen, der für das grauenhafte Verbrechen verantwortlich ist, will Liewens diesmal nicht nur stellen, sondern unbedingt persönlich zur Strecke bringen. Der Fall entpuppt sich bald als wesentlich schlimmer als angenommen, denn es gibt mehrere junge Frauen, die nicht nur Folter und Verstümmelung, sondern auch Kannibalismus zum Opfer fielen. Die Spur führt Cor und Stine schließlich in ein verlassenes Konvent in den Bergen Italiens und direkt hinein in unvorstellbares Grauen

Bei "Weißes Fleisch", dem neuesten Fall der Hörspielreihe "Dark Trace Spuren des Verbrechens", haben die Macher sich offensichtlich gedacht "ganz oder gar nicht". Der Fall überschreitet tatsächlich alle Grenzen an Brutalität und geht dabei teilweise entschieden über die Grenzen des guten (oder schlechten) Geschmacks hinaus. Dennoch ist "Weißes Fleisch" zweifellos eine stimmige, sehr spannende Folge der ohnehin nicht zimperlichen Serie. Wer starke Nerven hat und sich nicht an überzogen brutalen Darstellungen stört, der wird definitiv gut unterhalten. Vor allem der kultige Kommissar Cor Liewens ist diesmal in Bestform und hat von Autor Ascan von Bargen einige extrem coole Sprüche in den Mund gelegt bekommen. Perfekt verkörpert wird dieses Übermaß an Coolness und Machismus von Martin Kessler (unter anderem der Synchronsprecher von Nicolas Cage), dessen Stimme einfach das Prädikat "coole Sau" verdient. Neben Kessler brilliert vor allem Dietmar Wunder in der Rolle des gestörten Killers. Wenn Wunder irre kichert und dabei beschreibt, was er seinen Opfern antut, ist das zwar ein ziemlich offensichtlicher Abklatsch von Hannibal Lecter, was vor allem in einer Psychatrie-Szene deutlich wird, aber eben auch verdammt gut und unheimlich. Gänsehaut ist hier garantiert.

Das Hörspiel ist ab sechzehn Jahren empfohlen, kann aber, was die sehr expliziten Schilderungen von Folter und Mord angeht, problemlos mit Filmen ab 18 mithalten und übertrifft diese noch bei Weitem. Wird am Anfang noch beinahe vornehme Zurückhaltung geübt, kennt die Produktion vor allem gegen Ende kein Halten mehr. Foltermethoden und Mord werden detailliert beschrieben, und das Ende ist moralisch extrem zweifelhaft zu nennen, wenn Cor Liewens brutale Selbstjustiz übt und auch Stine Lindberg vollkommen aus der Rolle fällt. Dabei wird die Geräuschkulisse zunehmend nervtötend, weil die ständigen Schreie, egal von männlichen oder weiblichen Opfern, alles andere übertönen. Relativ sinnloser Höhe- und Schlusspunkt ist die Szene, in der sich eine Frau zwei Angelhaken aus den Brustwarzen herausreißt. Ob einem diese finale Gewaltorgie das Hörspiel verleidet oder ihm einen besonderen Reiz verleiht, bleibt im Endeffekt dem Geschmack und den Nerven des Hörers überlassen. Insgesamt ist "Weißes Fleisch" auf jeden Fall ein spannender, gut durchdachter Fall mit sehr gut aufgelegten Sprechern, dem die lange Spielzeit von über 70 Minuten gut tut. Der Gewaltpegel erreicht aber am Ende ein Maß und eine relative Sinnlosigkeit, die einigen Hörern entschieden zu weit gehen könnte.

Christina Liebeck



CD | CD-Anzahl: 1 | Erschienen: 8. Juli 2010 | ISBN: 9783867142700 | Laufzeit: 71 Minuten | Sprache: Deutsch

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