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 Der Rest ist Schweigen

Autoren: Carla Guelfenbein
Übersetzer: Svenja Becker
Verlag: Fischer

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Tommy, Alma und Juan sind die Personen, um deren Schicksale es ist in diesem Roman geht. Alle drei haben ernste Sorgen und müssen Schicksalsschläge verarbeiten, was ihnen nicht immer gut gelingt. Ihre Geschichten sind eng miteinander verknüpft und dennoch haben alle ihre jeweils ganz eigene Belastung. Erzählerisch kommt dies dadurch zum Ausdruck, dass die Geschichte jeweils aus ganz persönlichen Perspektiven der drei erzählt werden. Zum Teil wird sogar ein und diesselbe Begebenheit aus unterschiedlichen Blickwinkeln erzählt, was die Subjektivität der Wahrnehmung angenehm verdeutlicht.

Tommy hört bei einer Familienfeier mit, dass seine Mutter nicht bei einem Unfall gestorben ist, wie er dachte, sondern sich das Leben genommen hat. Er versucht seitdem, den Grund für diesen Suizid zu erforschen. Alma, die mit ihrer Tochter Lola und mit ihrem Ehemann Juan (Tommys Vater) zusammenlebt, muss das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter, aber auch das Verblassen der Liebe in ihrer Beziehung zu Juan verarbeiten. Juan dagegen kämpft mit seinen Emotionen und seinem Drang, alles perfekt zu machen, während er den Freitod seiner früheren Frau - Tommys Mutter - verdrängt. Dabei konzentriert er sich vor allem auf seinen Beruf als Spezialist für Herzoperationen und ordnet dem Kampf um das Leben anderer vieles unter.

Die Geschichte von Tommy, Alma und Juan ist literatisch anspruchsvoll und unglaublich intensiv erzählt. Geschickt schafft es Carla Guelfenbein, die zum Teil unglaublich schweren Momente, die die Hauptpersonen durchleben müssen, glaubwürdig zu erzählen. Man kann sich schlicht gut hineinversetzen, wie schlimm die jeweilige Situation für die Personen sein muss und das macht die Geschichte sehr spannend zu lesen. Allerdings fragt man sich an der einen oder anderen Stelle schon, warum sich die Personen jeweils so verhalten, dass sie ihr Leid intensivieren. Man fragt sich auch, warum sie nicht über ihre Gefühle sprechen oder auf andere Art und Weise ihren traurigen Situationen zu entfliehen.

Da ist zum Beispiel Tommy, der seinen Kummer in der Schule und seinen Kummer über den Tod seiner Mutter immer nur in sich hineinfrisst, obwohl die Gelegenheit hätte, mit seinen Eltern darüber zu sprechen. In diesen und ähnlichen Momenten gibt es sicher unterschiedliche Meinungen darüber, ob es nachvollziehbar ist, wie sich die Protagonisten verhalten oder ob das nicht manchmal etwas gekünstelt wirkt. An einigen wenigen Stellen drohen die Erzählmotive zudem ins Kitschige abzugleiten, allerdings bekommt Guelfenbein meistens noch die Kurve. Wer auch einen Schuss Pathos, Herzschmerz und Traurigkeit vertragen kann, bekommt hier anspruchsvolle und kurzweilige Unterhaltung.

Julian Zado

Probe


Hardcover | Erschienen: 4. Mai 2010 | ISBN: 9783100278227 | Originaltitel: El resto es silencio | Preis: 19,95 Euro | 333 Seiten | Sprache: Deutsch

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