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 Leben und Leben hassen

Autoren: Dominik Steiner
Verlag: Ubooks

Cover
Gesamt ++---
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Jona wächst wohlbehütet als Einzelkind mit intaktem Elternhaus inmitten einer Kleinstadt auf. In der Schule verhält er sich still und angepasst, was ihm schnell die Stellung eines Außenseiters und Sonderlings beschert und die Pausen zu einem Spießrutenlauf werden lässt. Wie wäre wohl sein Leben verlaufen, wenn er nicht zu dieser Zeit dem jungen Jugoslawen Drako begegnet wäre? Dieser sieht sich mit ähnlichen Anfeindungen aufgrund seiner Herkunft konfrontiert, denen er jedoch mit stoischer Gelassenheit und bewundernswertem Selbstvertrauen gegenüber tritt. In Drako scheint Jona endlich einen Freund gefunden zu haben, zu dem er aufblicken kann und ihn zu seinem heimlichen Vorbild ernennt. Die neue Freundschaft währt jedoch nicht lange, als Drako der Schule verwiesen wird. Erst Jahre später sollen sich ihre Wege erneut kreuzen.

Mittlerweile sind aus den Kindern junge Erwachsene geworden, die sich den Herausforderungen des Lebens mit dem festen Glauben an die eigene Unverwundbarkeit bedenkenlos entgegenstellen. Jona greift zum ersten Mal zum Joint und taucht berauscht in eine bislang fremde Welt der Szeneclubs, Partys und sexuellen Exzesse ein. Fasziniert und gefesselt durchlebt er eine Zeit des Hochgefühls. Er flüchtet sich in den Rauschzustand von Gras und Pillen und kehrt letztlich seinem bisherigem Leben den Rücken zu, um fortan an der Seite von Drako und dessen Freunden die Nacht zum Tag zu machen. Dabei tragen ihn die Wellen der Beats und der fremden Substanzen, die von nun an seine Begleiter werden. Viel zu spät erkennt er die Schattenseiten seines neuen Lebens: Die Sucht hat ihre eiserne Klaue nach ihm ausgestreckt und der Gedanke an den nächsten Kick ist für ihn zum einzigen Lebensinhalt geworden.

Mit "Leben und Leben hassen" gibt Dominik Steiner sein Romandebüt, entführt den Leser in die Zeit der 90er Jahre und beschreibt anschaulich die einzelnen Etappen einer klassischen Drogenkarriere zur Zeit der Technobeats und der Geburtsstunde der Loveparade. Der zurückhaltende Jona ist gerade der Pubertät entwachsen und wird mit den Verführungen einer neuen Bewegung konfrontiert, in der synthetische Drogen ebenso eine Rolle spielen wie die Verunsicherung einer ganzen Generation vor der ungewissen Zukunft. Detailliert beschreibt der Autor den langsamen Abstieg einer Gruppe von jungen Erwachsenen, deren Lebensinhalt das Feiern und Konsumieren illegaler Rauschmittel geworden ist und die kaum noch wahrnehmen, dass sie mittlerweile am Rande der Gesellschaft stehen und blind für die Welt um sich herum geworden sind.

Dieser Weg beginnt meist mit dem relativ harmlosen Konsum von Marihuana und endet nicht selten beim Heroin, der Mutter aller Drogen. Der Leser bekommt einen Eindruck davon, wie kleine Entscheidung im Leben große Veränderungen nach sich ziehen können. So gerät Jona im Laufe seines jungen Lebens immer stärker auf die schiefe Bahn und wird dabei mit dem Tod, Armut und der Beschaffungskriminalität konfrontiert. Dabei schildert der Autor teils sehr detailliert die Wahrnehmung der Protagonisten in den jeweiligen Rauschzuständen. Die dabei verwendeten Formulierungen und teils poetischen Beschreibungen spiegeln das veränderte Bewusstsein der Figuren gekonnt und plastisch wider.

Trotz oder gerade wegen der inhaltlichen Vielfalt und der fortwehrend nüchternen Beschreibung wirkt die Geschichte letztlich doch etwas konstruiert und ausgedacht. Nur selten beschreibt Steiner die Gefühlswelt der Protagonisten, was gerade in Anbetracht der Ich-Perspektive, in welcher der Roman verfasst wurde, nicht so recht passen mag. So beschreibt Jona zwar ausführlich die durchlebten Exzesse, erwähnt dabei jedoch kaum, welche Ängste, Sorgen oder Freuden ihn dabei bewegen. Man bekommt den Eindruck, als würde er vielmehr das Leben einer fremden Person widergeben. Wer darüber hinaus einen Spannungsbogen erwartet, wird leider auch in diesem Punkt enttäuscht werden. Ähnlich spärlich sind die Dialoge ausgefallen, die scheinbar nur als wenig authentisches Beiwerk in die Aufzählungen und Aneinanderreihungen der Vorkommnisse eingestreut wurden.

Obwohl "Leben und Leben hassen" einen umfassenden und interessanten Einblick in das Leben eines Drogenabhängigen bietet, ist es Dominik Steiner leider nicht gelungen, das volle Potential dieser Thematik auszuschöpfen. Letztlich kann der Leser nur erahnen, was in den Figuren seines Romans wirklich vorgehen mag.

Axel Fischer



Taschenbuch | Erschienen: 3. November 2009 | ISBN: 9783866081314 | Preis: 9,95 Euro | 187 Seiten | Sprache: Deutsch

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