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 Die Herberge am Ende der Welt

Autoren: Tiburce Oger
Illustratoren: Patrick Prugne
Übersetzer: Tanja Krämling
Verlag: Splitter Verlag

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Nach Inspiration suchend reist ein Schriftsteller mit seiner Kutsche durchs Land. In Trebernec, einem ausgestorbenen Küstenörtchen, glaubt er schließlich gefunden zu haben, was er sucht - eine nahezu verlassene, heruntergekommene Herberge. Schauerlicher als in der "Herberge am Ende der Welt" kann es kaum sein. Dem Autor Edgar Saint Prieux allerdings kommt dieses Ambiente gerade recht. Trotz schwerer Krankheit nimmt der Wirt der Hauses den Gast auf, der jedoch schnell bemerkt, dass in dieser Herberge neben dem Wirt noch einige merkwürdige kleine Rattenwesen leben, die nicht ganz von dieser Welt zu sein scheinen. Als der Wirt Prieux das Angebot macht, ihm die Geschichte um diese kleinen Wesen zu erzählen, sagt der Schriftsteller nicht nein. Und damit begeben sich beide auf eine Reise 60 Jahre in die Vergangenheit, ins Jahr 1822:

Der junge Yann und das hübsche schwarzhaarige Mädchen Irena sind ein Herz und eine Seele. Noch sind sie große Kinder, aber beide malen sich bereits ihre Zukunft als Mann und Frau aus. Eines Tages jedoch wird ihre Freundschaft jäh auseinandergerissen - bei einem Überfall in Strandnähe wird Irenas Mutter ermordet und Irena verschwindet. Die Trauer im Dorf über den doppelten Verlust ist groß, Yann und Irenas Vater haben schwer daran zu tragen. Doch ihr Vater gibt die Hoffnung nicht auf und tatsächlich kehrt Irena nach zehn Jahren zurück zu ihm. Aber sie spricht nicht und noch etwas ist anders: Sie hat die Gabe Tiere zu heilen. So wunderbar dies von vielen Dorfbewohnern empfunden wird, als so teuflisch sehen dies andere an. Und weiter verschwinden Menschen aus dem Dorf - meist kehren sie zurück, jedoch sind sie dann völlig verändert ...

Prugne und Oger, die bereits gemeinsam an "Canoe Bay" arbeiteten, legen hier mit "Die Herberge am Ende der Welt" eine weitere gemeinsame Arbeit vor. Anders als in "Canoe Bay" ist die Story hier nicht abenteuerlastig, sondern eher märchenhaft mit phantastischen Gruselelementen. Rund um eine Jugendliebe spinnt sich die geheimnisvolle Handlung und berichtet von dem verlassenen Dorf und dessen Schicksal. Ogers Story ist dabei geradezu klassisch und erinnert an Schauerliteratur des 19. Jahrhunderts, in dem sie zeitlich auch angesiedelt ist. Prugnes faszinierende Zeichnungen erwecken das Ganze in weichen Aquarellen zum Leben. Text, Artwork und die gesamte Stimmung des Bandes harmonieren immens miteinander. Die gut 140 Seiten lesen sich wie im Fluge, viel zu schnell ist das Ende da. Und dieses ist mit seiner Schönheit und Tragik absolut stimmig und schließt die Story wunderbar ab.
Der Comic hält sich mit Text teilweise zurück; obwohl viel erzählt wird, gibt es keine sehr langen Erzählpassagen. Einige Panels kommen komplett ohne Text aus, welcher aber nie vermisst wird - die Geschichte nimmt auch so ihren Fortgang und regt zudem die Phantasie der Leser an. Wer bisher keine Aquarelle mochte, wird hier sicher umgestimmt, so filigran und schön sind die Zeichnungen.

Der Band ist im etwas kleineren, handlichen Format erschienen, hat dafür aber umso mehr Seiten als die meisten großformatigen Ausgaben und einen zusätzlichen Schutzumschlag. Die Bindung, der Druck, die gesamte Qualität ist erstklassig, wie beim Verlagshaus Splitter üblich. Ein wunderschönes Stück Comickunst, das ganz sicher nicht nur einmal gelesen wird.

Eine ausführliche Leseprobe findet sich auf der Website des Splitter-Verlags.

Sandra Wiegratz



Hardcover | Erschienen: 15. August 2010 | ISBN: 978-3940864086 | Originaltitel: L'auberge du bout du monde: Intégrale | Preis: 19,80 Euro | 144 Seiten | Sprache: Deutsch

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