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 Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin

Autoren: Delphine de Vigan
Übersetzer: Doris Heinemann
Verlag: Droemer

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Arbeit kann belastend sein. Ganz besonders, wenn es neben dem üblichen Stress zu Mobbing kommt oder andere Zustände eintreten, die belastend für den Betreffenden sind. In diesem Roman werden zwei solche Fälle geschildert.

Zum einen geht es um Mathilde. Im Grunde ist sie eine starke Frau, meistert ihren Job und zieht nebenbei noch drei Söhne allein groß. Doch dann kommt es an ihrem Arbeitsplatz zu Veränderungen. Plötzlich wird sie übergangen, wenn wichtige Besprechungen und Entscheidungen anstehen. Und es geht so weiter, immer größer werden die Schikanen, die Mathilde vor allem durch ihren Chef erfahren muss. Schließlich wird sie sogar aus ihrem Büro ausquartiert und stattdessen in ein winziges Kabuff neben einer Toilette platziert. Mathilde hält es nicht mehr aus, es setzt ihr so zu, dass sie schließlich kündigt, aber wirklich besser fühlt sie sich dadurch auch nicht.
Gleichzeitig mit Mathildes Geschichte wird die von Thibault erzählt. Er arbeitet als Arzt und ist mit einer Frau zusammen, die ihn nicht liebt. Zu seinen Aufgaben gehören Hausbesuche bei Patienten, über 3000 im Jahr. Thibault wird meist zu jenen geschickt, zu denen seine Kollegen nicht so gerne hinfahren wollen. Und Thibault lässt sich alles gefallen, arbeitet pflichtbewusst, nimmt sein freudloses Privatleben hin. Doch schließlich trennt er sich von seiner Freundin. Die Arbeit jedoch geht weiter.

Dieser Roman erzählt die beiden Handlungsstränge voneinander unabhängig. Erst ganz zum Schluss treffen Mathilde und Thibault aufeinander. Das ist sehr schade, zumal die Kurzbeschreibung etwas anderes andeutet.
Die Autorin hat einen sehr guten Schreibstil, bleibt aber auf großer Distanz zu den beschriebenen Figuren. Das Buch liest sich oft nicht wie ein Roman, sondern wie ein Bericht. Zudem hört es im Grunde dann auf, als es endlich spannend wird. Wie es mit Mathilde und Thibault weiter geht, erfährt der Leser nicht.

Das Thema Mobbing ist sehr ernst und aktuell. Hier wird es in allen möglichen Einzelheiten sehr umfassend und glaubwürdig geschildert. Ebenso auch die Wirkung auf die gemobbte Person. Anfangs kämpft Mathilde noch darum, ihr altes Ansehen und den Respekt zurückzugewinnen. Je mehr sie gemobbt wird, desto mehr spornt es sie an, noch bessere Arbeit zu leisten. Allerdings kommt sie dann an einen Punkt, an dem sie kapituliert. Sie sieht ein, dass sie sich nur selbst kaputtmacht, wenn es so weitergeht.
Thibaults Probleme sind zwar anderer Art, aber Mathildes Situation doch ähnlich, denn auch Thibault leidet. Seine Arbeit gibt ihm nicht das zufriedene Gefühl, das er anfangs hatte, in seinem Leben fehlt die Liebe, er kommt sich benutzt und ausgenutzt vor.

Beide Handlungsstränge sind sehr ruhig und die meiste Zeit eher erzählt, wirklich in den Situationen dabei ist der Leser nur selten. Langweilig ist das Buch zwar nicht, aber auch nicht übermäßig fesselnd. Es hat eine interessante Thematik, allerdings ist die Umsetzung so distanziert, dass bei keiner der Figuren ein wirkliches Mitfiebern aufkommt. Dass es kein richtiges Ende gibt und die Geschichte irgendwie mittendrin plötzlich endet, ist da ein weiteres Manko.

Maren Frank



Hardcover | Erschienen: 10. September 2010 | ISBN: 978-3426198865 | Originaltitel: Les heures souterraines | Preis: 18 Euro | 251 Seiten | Sprache: Deutsch

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