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 Lucky Luke, Band 51: Lucky Luke: Der falsche Mexikaner


Gesamt ++---
Anspruch
Aufmachung
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ein Mexikaner spielt mit dem Sheriff Poker. Der sehr abergläubige Sheriff verliert ein Spiel nach dem anderen. Er kann sich das nicht erklären. Erst als Lucky Luke die Karten übernimmt, den Spiegel hinter sich zerschießt und den Mexikaner daran hindert, Karten unter dem Tisch hervor zu zaubern, verliert auch der Mexikaner. Doch der nimmt das Geld mit Waffengewalt an sich und sperrt Lucky Luke ein. Auf der Flucht verbündet sich der Mexikaner mit den Indianern und lässt sie die Stadt umzingeln. Er will die Stadt aushungern. Lucky und der Sheriff können nichts machen. Immer dramatischer wird die Lage in der belagerten Stadt, alle leiden Hunger und keine Lösung ist in Sicht. Erst als Lucky Luke sich hinausschleicht, kommt ihm der rettende Gedanke.

Dieses Album erschien als das zehnte der Serie rund um den unbesiegbaren Cowboy im Amerika der Pionierzeit. Und es ist zugleich das letzte Album, dass Morris alleine produzierte, bereits das neunte Abenteuer hatte er mit Goscinny zusammen kreiert, doch ein weiteres Intermezzo alleine gewagt.
Warum er die Arbeit alleine aufgab, wird mehr als deutlich, wenn man aus heutiger Sicht dieses Album aufschlägt. Zunächst einmal ist es nicht witzig. Keinerlei Humor steckt in der Geschichte. Dann sind die Zeichnungen nicht gelungen. Sowohl der Held selbst, als auch die anderen Personen sind ausgesprochen hässlich. Vor allem der Sheriff und der Mexikaner, aber auch sämtliche Indianer und Dorfbewohner, sind einfach nur misslungen.
Zudem ist die Geschichte selbst langweilig und ohne Esprit. Der Charme der späteren Alben ist nicht zu finden, der Held benimmt sich dämlich und wird ohne weiteres mehrmals besiegt. Auch fehlen Lucky Luke wirklich überzeugende Einfälle, die die Geschichte vorantreiben könnten, in den Szenen und Zeichnungen mangelt es an Details und interessanten Hinweisen.
Die historische Verortung ist ebenso wenig gelungen. Keine Gestalten der Geschichte bevölkern dieses Abenteuer, wie es in späteren Alben üblich wurde, keine geschichtsträchtigen Orte oder Vorgänge sind thematisiert.
Es bleibt das Gefühl des Unfertigen. Weder der Text, noch die Zeichnungen können überzeugen. Immer wieder werden Szenen eingebaut und seitenlang dargestellt, die mit dem Fortlauf der Geschichte nichts zu tun haben und als Füllsel fungieren. Zudem ist der Farbeinsatz noch nicht auf dem Niveau der späteren Alben angekommen. Zu wenig Farbnuancen und wenig natürliche Farbgebung sind auffallend.
Die folgenden 36 Alben hat Morris mit Goscinny produziert. Der ist vor allem für die Idee, das Szenario und die Ausarbeitung der Geschichte verantwortlich. All das was diesem Album fehlt, übernahm also Goscinny. Leider nützt das diesem Album nicht.
In der Rückschau bleibt nur festzuhalten, das zum Zeitpunkt der Erst-Veröffentlichung solche Alben auf dem Markt nicht existierten. Morris war einzigartig und das Niveau des Albums für damalige Verhältnisse gigantisch. Es herrschten Kurzgeschichten und Comic-Strips vor, die auf vier bis sechs Bildern, oder allenfalls einer Seite eine Pointe zum Inhalt hatten. Ein 48 Seiten starkes Abenteuer, zudem im "Wilden Westen" spielend, gab es nicht. Das erklärt den enormen Erfolg dieser Alben in ihrer Frühzeit, ist aber kein Argument, es heute noch als bahnbrechend zu feiern. Heute ist die Konkurrenz übermächtig. Allein die Alben späterer Jahre, die Morris vorlegte, sind um so viel besser, dass allenfalls Fans und Puristen diese Bände der Anfangsjahre kaufen sollten.
Auf diesen Trend reagierte der Verlag, indem er eine Gesamtauflage herausbrachte und immer drei Alben zusammenfasst. Der Verkauf der Einzelalben erwies sich als nicht mehr lohnend und die Strategie einer Werkausgabe in ursprünglicher Reihenfolge und mit Informationen versehen scheint erfolgsversprechend.
Empfehlen kann ich diesen Band nicht, die Gesamtausgabe ist jedoch für alle Fans ein Muss. Wer Lucky Luke nicht kennt, sollte sich eines der späten Alben zulegen, zum Beispiel "Der singende Draht", "Jesse James" oder "Der Pony-Express", sie sind einfach nur Spitzenklasse.

Stefan Erlemann



Softcover | Erschienen: 1. Januar 1987 | ISBN: 377040162X | Preis: 8,60 € | 48 Seiten | Sprache: Deutsch

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