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 Warum Tätowierte mehr Sex haben

und andere neue Erkenntnisse vom Spaß-Nobelpreis

Autoren: Mark Benecke
Verlag: Bastei Lübbe

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Preis - Leistungs - Verhältnis
Für die Wissenschaft ist der Nobelpreis die höchste denkbare Ehre. Doch was ist mit den vielen Forschungsergebnissen, die interessant, witzig, abstrus, ungewöhnlich oder einfach schlichtweg unglaublich sind? Diese erhalten in aller Regel keinen Nobelpreis, zumindest keinen regulären. Denn auf den Ig-Nobelpreis können sie durchaus hoffen. Dieser "Spaß-Nobelpreis" wird jährlich von der Annals of Improbable Research (AIR) verliehen, deren Mitherausgeber der Kriminalbiologe Mark Benecke ist.

Benecke hat sich zum wiederholten Male die Arbeit gemacht, diese Erkenntnisse zu durchforsten und die besten in einem Buch zu vereinen. 46 einzelne Forschungsergebnisse hat er dabei zusammen getragen, zu vielfältigen Themen, natürlich auch zum Titelthema, warum tätowierte US-Studenten mehr Sex haben als ihre Studienkollegen ohne Tattoo – wobei sich auch der Autor die Frage stellt, was hier zuerst da war: Der überdurchschnittlich häufige Sex oder das Tattoo? Dabei geht Mark Benecke stets nach dem gleichen Schema vor: Zunächst gibt es eine kurze Einleitung in das Thema, dann die Durchführungsweise und die Ergebnisse der Forschung, zum Abschluss einen persönlicher Kommentar von ihm und die Ig-Gesamtnote.

Die Themenwahl ist sehr vielfältig, es finden sich interessante und abstruse Ergebnisse aus allen möglichen Bereichen, oft genug fragt man sich als Leser, wie man bloß auf die Idee kommt, so etwas zu erforschen – und wie man es schafft, die Hochschulen und Institute dazu zu überreden, dafür Geld auszugeben. Doch irgendwie klappt es, und so hält der Leser diese bunte Mischung in den Händen. Die Frage, warum es Forscher interessierte, wie gut ein untrainierter Schwimmer in Schleim schwimmen kann, bleibt übrigens ungelöst.

Die breite Themenstreuung über alle möglichen wissenschaftlichen Bereiche wie Mathematik, Physik, Biologie, Psychologie und so weiter machen das Buch für eine Vielzahl von Menschen interessant. Man wird hier einiges entdecken, das einem völlig neu und unbekannt ist und das den ein oder anderen Schmunzler verursachen wird - jedoch nur, wenn man kein allzu treuer Leser Mark Beneckes ist. Es wird nicht darauf hingewiesen, dass "Warum Tätowierte mehr Sex haben" einfach eine Neuauflage des Buches "Warum man Spaghetti nicht durch zwei teilen kann" ist. Wer dieses Buch kennt und jetzt glaubt, den Nachfolgeband mit neuen Geschichten in den Händen zu halten, wird bitter enttäuscht werden.

Die Sprache ist nicht allzu wissenschaftlich, auch wenn natürlich Fachbegriffe nicht umgangen werden können. Diese finden sich im Glossar am Ende des Buches, so dass man bei Bedarf immer wieder nachschlagen kann.

Falls man den oben erwähnten Band noch nicht kennt, ist "Warum Tätowierte mehr Sex haben" einen Kauf wert. Die vielen Geschichten zeigen die merkwürdige Seite der Wissenschaft, wenn diese auch an manchen Stellen etwas zu trocken vorgestellt wird. Ein bisschen bitter stoßen aber immer wieder zwei Gedanken auf: Erstens, dass hier Forschungsgelder verschwendet werden, die an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden könnten (merken die betreffenden Geldgeber eigentlich nicht, was für einen Schwachsinn sie finanzieren?), und zweitens, dass der Verlag ebenfalls eine Gelddruckerei entdeckt hat und dasselbe Buch zweimal mit unterschiedlichem Cover und unterschiedlichem Titel auflegt.

Anja Thiemé



Taschenbuch | Erschienen: 13. November 2010 | ISBN: 978-3404606474 | Preis: 8,99 Euro | 256 Seiten | Sprache: Deutsch

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