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 Victoria Ocampo - Mein Leben ist mein Werk

Eine Biographie in Selbstzeugnissen

Autoren: Renate Kroll, Victoria Ocampo
Herausgeber: Renate Kroll
Übersetzer: Renate Kroll
Verlag: Aufbau Verlag

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Die Argentinierin Victoria Ocampo gilt als eine der bedeutendsten Avantgardistinnen des 20. Jahrhunderts. Die Intellektuelle war Muse und Freundin von hochgeschätzten Männern und Frauen aus der ganzen Welt sowie eine Wegbereiterin der Emanzipation.
Zu ihren Freunden und Gästen in ihrem Landhaus in San Isidro bei Buenos Aires gehörten Persönlichkeiten wie Rabindranath Tagore, Albert Camus, Aldous Huxley, Stefan Zweig oder José Ortega y Gasset. Bei Tagore hinterließ Victoria Ocampo einen solch intensiven Eindruck, dass dieser ihr einen Gedichtband widmete. Aber nicht nur Autoren zählten zu ihrem Bekanntenkreis, auch mit zahlreichen anderen Intellektuellen und Politikern traf sie zusammen, darunter Sigmund Freud, Indira Gandhi, Charles de Gaulle oder Mussolini.

Mit der Gründung der Kulturzeitschrift SUR sowie des gleichnamigen Verlags wurde Ocampo zur Förderin der Künste. Es entwickelten sich Freundschaften mit dem nordamerikanischen Schriftsteller Waldo Frank, dem Architekten Le Corbusier, dem Filmregisseur Sergej Eisenstein oder den Komponisten Igor Strawinsky und Ernest Ansermet. Auch weibliche Autoren wie Virginia Woolf, Gabriela Mistral oder María Luisa Bombal zählten zu ihrem Freundeskreis. Mit den Jahren entstand so ein großes Netzwerk aus berühmten Personen mit Weltruf, die in ihrem Haus ein und aus gingen.

Das Buch "Victoria Ocampo Mein Leben ist mein Werk" trägt als Untertitel die Bezeichnung "Eine Biographie in Selbstzeugnissen" und so finden die Leserinnen und Leser eine Auswahl aus Ocampos Schriften, die den Versuch wagt, einen Zugang zu der intellektuellen Argentinierin zu schaffen. Die Auswahl und freien Übersetzungen der Texte stammen von der Herausgeberin Renate Kroll. Das gesamte Buch besteht aus größeren und kleineren übersetzten Textpassagen aus Ocampos Werken, die von der Herausgeberin durch eingefügte Erläuterungen zu einem Ganzen verbunden werden und die der Frage "Wer war Victoria Ocampo?" ein Stück näher kommen wollen.

Das Werk betrachtet die wichtigen Lebensabschnitte Ocampos, angefangen bei ihrer Familiengeschichte, über Kindheit, Jugend und Heirat, bis zur großen Liebe ihres Lebens. Große Teile des Buches handeln von ihrer Liebe zur Poesie und den Menschen, die diese für sie verkörpern, sowie von berühmten Persönlichkeiten, mit welchen Ocampo im Laufe ihres Lebens zusammentraf. Der Gründung von SUR sowie Victoria Ocampos Rolle dabei erhielt ebenfalls ein eigenes Kapitel. Weiterhin gibt es Betrachtungen Ocampos zu Hitler-Deutschland, dem Vorabend des Zweiten Weltkrieges und Eindrücke der Nürnberger Prozesse. Ein ausführliches Nachwort, Lebensdaten Ocampos, eine Auswahlbibliographie sowie ein Register schließen das Buch ab. Weiterhin sind 27 Schwarzweiß-Abbildungen enthalten.

Die Biographie porträtiert das Leben von Victoria Ocampo anhand vieler Selbstzeugnisse und schafft so einen Zugang zu einer freiheitssuchenden, ungewöhnlichen Frau, die sich mit ihren modernen Ansichten inmitten der argentinischen Gesellschaft des beginnenden 20. Jahrhunderts zu behaupten wusste. Doch die Texte geben nicht nur in das Leben und die Gedanken von Ocampo selbst Einblick, sondern auch in die Welt der Literaten, Intellektuellen und Künstler, mit welchen sie verkehrte, zu denen sie Freundschaften pflegte und die ihrerseits die große Faszination verspürten, die von Victoria Ocampo ausging.

Etwas bedauerlich ist lediglich, dass die Übersetzungen der Herausgeberin freie, das heißt sinngemäße, Übertragungen sind und auch Auslassungen nur in gesonderten Fällen kenntlich gemacht wurden. Um einen genaueren Eindruck von Ocampo zu erlangen, wäre es durchaus hilfreich, zumindest einige Textstellen in der Originalfassung beziehungsweise als literarische Übersetzung lesen zu können. So fallen gerade die Auslassungen an einigen Stellen durchaus auf und können zu Unklarheiten führen, die dann erst bei der weiteren Lektüre zumindest teilweise geklärt werden können, wie beispielsweise in dem Kapitel über Julián Martínez.

Insgesamt vermittelt die "Biographie in Selbstzeugnissen" einen breiten Eindruck über Victoria Ocampos Leben und zeigt viele verschiedene Seiten dieser außergewöhnlichen Frau. Aber auch die Passagen, wo sie aus dem Nähkästchen plaudert und Details aus ihren zahlreichen Begegnungen mit Personen von Weltruf darlegt vermögen zu fesseln und die Zeit zu vergessen. Das Buch bietet einen guten Einstieg für Leserinnen und Leser, die sich für das Leben und Werk der Victoria Ocampo interessieren, aber auch für alle, die einen spannenden Einblick in die internationale Welt der Künstler und Prominenten des 20. Jahrhunderts erhalten möchten.

Laura Wasiluk



Hardcover | Erschienen: 13. September 2010 | ISBN: 978-3351027247 | Preis: 22,95 Euro | 339 Seiten | Sprache: Deutsch

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