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 Die Flandern-Saga, Band 4: Der Damenfriede

Serie: Die Flandern-Saga, Band 4
Autoren: Marie Cristen
Verlag: Knaur

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Einer der wohl bemerkenswertesten Friedensverträge des Mittelalters war der sogenannte "Damenfrieden", der im 16. Jahrhundert zwischen Louise von Savoyen, der Mutter des französischen König Francois', und Margarethe von Österreich, der Tante von Kaiser Karl, über die Köpfe der sturen Männer hinweg geschlossen wurde.
Diese außergewöhnliche Zeit wählt Marie Cristen als Handlungsrahmen für den vierten Band ihrer Flandern-Reihe, "Der Damenfriede".

Simona Bragadin, eine geborene Contarini, lebt in Venedig in unglücklicher Ehe. Als ihr gewalttätiger Mann ermordet wird, weigert sie sich, wieder eine von den Eltern gewünschte Ehe einzugehen. Sie setzt ihren Kopf durch und erhält die Erlaubnis, zum Zweig der Familie in Antwerpen zu reisen. Doch als ihr klar wird, dass auch hier nur eine neue Ehe auf sie wartet, beschließt sie, sich selbstständig zu machen. Sie verlässt das Schiff und reist alleine weiter durch Frankreich, bis sie durch Zufall auf ihren Verwandten Cornelis van Liewe aus Antwerpen trifft. Gemeinsam besuchen sie den französischen Königshof, wo Simona Madame Louise, die Königinmutter, trifft. Sie tritt in ihre Dienste ein, durch ihre Kenntnisse der flandrischen Sprache macht sie sich bald unentbehrlich. Denn in dieser Sprache verhandelt Louise mit ihrer Kindheitsfreundin Margarethe über einen Friedensvertrag, der das französische Volk retten und ihrem Sohn Francois die Herrschaft bewahren soll.

An Louises Seite erlebt Simona Abenteuer, lernt, sich mit den höfischen Gesetzen zu arrangieren, entdeckt aber auch die gnadenlose Seite der Herrscher, die die Menschen ihres Volkes für ihre eigenen Zwecke ausnutzen und opfern.

"Der Damenfriede" widmet sich wieder dem Leben einer der starken Frauen aus dem Hause Contarini. Das erste Buch der Reihe war "Beginenfeuer", seitdem durfte der Leser immer wieder Frauen aus dieser Familie begleiten, die in Zeiten politischen Aufruhrs ihr eigenes Glück suchen. Simona fällt etwas aus dieser Reihe heraus, denn als einzige ist sie nicht auf der Suche nach Liebe, sondern sehnt sich vor allem nach Freiheit und dem Recht auf Selbstbestimmung was aber nicht heißt, dass dieses Buch ohne Liebesgeschichte auskommen muss.

Die Figuren, sowohl die historischen als auch die erdachten, werden gut dargestellt und wirken glaubwürdig. Vor allem für Madame Louise wird Bewunderung geweckt, da sie kompromisslos und ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben die Belange ihres Sohnes verteidigen wollte. Dennoch, auch hier wird kritisiert, denn sie war, wie so viele Mütter, anscheinend blind für die Fehler ihres Sohnes. Diese Frauenfigur ist die wohl faszinierendste im Roman, denn sie ist die einzige, die nicht eindeutig sympathisch oder eindeutig unsympathisch ist, sondern sich in einer Grauzone zwischen beidem befindet. Alle anderen sind sehr deutlich angesiedelt, was die Handlung stellenweise vorhersehbar macht.

Die Dialoge wirken diesmal holpriger als normalerweise bei Marie Cristen. Vor allem liegt das daran, dass in den Gesprächen der Figuren teilweise die politischen Geschehnisse von mehreren Jahren zusammen gefasst werden. Wenn man bedenkt, dass hier Dialoge zwischen Personen, die in der gleichen Zeit leben, verfasst wurden, wirkt das umso unnatürlicher. Denn natürlich wüsste eine Person im 16. Jahrhundert, wer wann welchen Krieg begonnen oder beendet hat. Die ganzen Zusammenfassungen sind für den Leser notwendig, um Zeitsprünge oder Zusammenhänge verstehen zu können, sind aber nicht ideal in der Geschichte eingebettet.

Dennoch, "Der Damenfriede" ist ein lohnender historischer Roman, der sich mit einem spannenden Kapitel des Mittelalters befasst und den Bogen der Serie, der sich nun vom frühen Mittelalter bis zum Beginn der Renaissance spannt, würdig weiterführt.

Anja Thiemé

Probe


Hardcover | Erschienen: 4. Oktober 2010 | ISBN: 978-3426663080 | Preis: 16,99 Euro | 512 Seiten | Sprache: Deutsch

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