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 Sinbads Abenteuer

Der wahre Prinz von Persien


Cover
Gesamt +----
Action
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Extras
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Irgendwo im Indischen Ozean: Piraten entern den größten Öltanker der Welt und fordern Lösegeld. Ihre Forderung unterstreichen sie mit der Drohung, das Schiff zu sprengen, was eine nie dagewesene Ölpest zur Folge hätte. Der schwerreiche Schiffsmagnat Adrian Sinbad will selbst vor Ort verhandeln, doch das Vorhaben scheitert, bevor es überhaupt begonnen hat: Ein gigantischer Krake zieht den Tanker in die Tiefe, Sinbad und eine handvoll Überlebende werden an eine unbekannte Insel gespült, die auf keiner Karte verzeichnet ist. Zum Luftholen bleibt aber keine Zeit, denn Zyklopen, Riesenkrebse und Flugechsen wollen der Gruppe ans Leder. Während auf der gesamten Welt Erdbeben, Tsunamis und Jahrhundertstürme den bevorstehenden Weltuntergang ankündigen, muss Sinbad sein Schicksal akzeptieren: Nur er allein kann die Menschheit vor der Katastrophe bewahren. Doch die Flucht von dem mysteriösen Eiland scheint unmöglich …

Gäbe es eine Steuer auf schlechte Filme, das US-Filmstudio The Asylum hätte Schulden in der Höhe von zehn Forts Knox – pro Film. Längst hat sich die Schrottschmiede unter Hardcore-Trash-Fans einen Namen gemacht, nicht zuletzt mit ihren berüchtigten "Knockbustern": Kündigt sich in Hollywood ein vielversprechender Blockbuster an, kurbeln die Kreativköpfe von Asylum in Rekordzeit eine einfallslose Billigkopie herunter, die durch beabsichtigte Ähnlichkeiten in Titel und Aufmachung zur Hollywood-Vorlage Geld in die Kassen spielen soll. Auch "Prince of Persia" und "Kampf der Titanen" kamen zu diesem fragwürdigen Handkuss, der als "Sinbads Abenteuer" auf die Menschheit losgelassen wurde. Anders aber als bisher ist die Blockbuster-Vorlage nur noch zu erahnen, der Bezug zu Disneys Pluderhosenprinz besteht überhaupt nur in Form einer Tagline ("The Original Prince of Persia"). Stattdessen mutet der Asylum-Streifen wie eine modernisierte Trash-Variante des Ray-Harryhausen-Klassikers "Sindbads siebente Reise" an, vermischt mit Anspielungen auf die Ölpest im Golf von Mexiko oder die Piraterie vor Somalias Küste. Markiert "Sinbads Abenteuer" einen Wandel in der Filmpolitik von Asylum? Produziert die Trash-Schmiede etwa nun Low-Budget-Kino mit Hintersinn und Zeitkritik?

Sicher – und Roland Emmerich dreht anspruchsvolle Kunstfilme und Pentagon-Propagandist Michael Bay läuft zu den Taliban über! Denn anstatt endlich kurzweiligen Trash zu produzieren, den man sich nicht erst mit Bier im Umfang von drei Alkoholvergiftungen schöntrinken muss, bleibt Asylum seiner altbewährten No-Budget-No-Talent-Formel treu und liefert mit "Sinbads Abenteuer" einen weiteren Mülltonnenkandidaten ab, der handwerklich wie darstellerisch Stümperei in Reinkultur zelebriert. Die Handlung ist ein alberner Fleckenteppich aus hanebüchenem Schwachsinn, peinlichen Plotelementen und Logiklöchern, tiefer als der Marianengraben. Beim Runtertippen des Drehbuchs (nennen wir das Story- und Logikvakuum einmal so) haben die Autoren wohl nie über drei, vier Zeilen hinaus weitergedacht: So füllen sich etwa leergeschossene Magazine wie durch Geisterhand wieder auf – nach Asylum-Logik natürlich kein Problem. Die Dialoge gestalten sich öfters sinnfrei und dümmlich, ebenso wie die Handlungen der Figuren, die nicht immer ganz nachvollziehbar sind. So taucht etwa ein Riesenkrebs auf, attackiert Sinbad und lässt im letzten Augenblick von ihm ab, um sich mit dem Koffer voller Lösegeld davonzumachen – und Sinbad hat nichts Besseres zu tun, als mit dem Ungetüm um das Geld raufen zu wollen! Hätte nur noch gefehlt, dass er gewinnt …

"Sinbads Abenteuer" ist purer filmischer Bodensatz, nicht nur inhaltlich, auch technisch blamiert sich der Film hemmungslos. Kameramann und Cutter zeigen sich talentfrei, den belanglosen Score verdrängt der Zuschauer sehr bald. Außerdem betreibt der Film – nicht unüblich für Asylum-Schoten – Recycling: Einige Szenen werden wiederverwertet oder aus anderen Streifen der Schrottschmiede "ausgeliehen". Das absolute Highlight aber sind nicht die lächerlichen Dialoge oder der schwache Cast, sondern die miesen Special Effects: Verwaschene Polygon-Kreaturen staksen durch die Landschaft und billige CGI-Explosionen attackieren die Sehnerven, selbst das Mündungsfeuer der Schusswaffen ist mehr schlecht als recht eingefügt.

Ein paar Worte zur DVD: Das Bild hat mit Unschärfen und unnatürlichen Farben zu kämpfen, Treppenbildung ist keine Seltenheit und die Detailwiedergabe lässt öfters zu wünschen übrig; immerhin ist kaum Bildrauschen auszumachen. Die deutsche Tonspur liegt in 5.1 vor, kommt jedoch flach herüber und entbehrt nennenswerter dynamischer Höhepunkte. Über die Extras gibt es keine großen Worte zu verlieren: Die Disc bietet Outtakes, Bloopers und eine belanglose Slideshow, daneben ein Making of, das man nicht unbedingt gesehen haben muss, den Originaltrailer sowie eine Trailershow zu anderen Asylum-Perlen. Der DVD liegt ein Wendecover bei.

Fazit:
Zeitverschwendung hoch zehn.

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Michael Höfel



DVD | Disc-Anzahl: 1 | EAN: 4260157716643 | Erschienen: 14. Oktober 2010 | FSK: 16 | Laufzeit: 90 Minuten | Originaltitel: The 7 Adventures of Sinbad | Preis: 7,99 Euro | Untertitel verfügbar in: - | Verfügbare Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)

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