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 Zwischen Nacht und Dunkel

Autoren: Stephen King
Übersetzer: Wulf Bergner
Verlag: Heyne

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Wenn es um Grausamkeiten und perfide Pläne geht, Mord und Totschlag, kann niemand der Menschheit etwas vormachen. Es gibt kein Raubtier, das so bösartig wie der Mensch seiner eigenen Rasse gegenüber sein kann. Und meist werden diese schrecklichen Taten sich selbst gegenüber noch als notwendig oder gerecht gerechtfertigt. Welche Blüten das treiben kann, zeigt Stephen King in "Zwischen Nacht und Dunkel".

Insgesamt sind in diesem Buch vier kürzere Geschichten versammelt. Ihnen allen ist gemein, dass sie aufzeigen, zu welchen Taten Menschen imstande sind, wenn das Leben ihnen eine Entscheidung abverlangt oder sie gezwungen sind, zwischen ihrem eigenen Nutzen und dem anderer zu entscheiden. "1922" beschließt Wilfred, ein Farmer mit Leib und Seele, gemeinsam mit seinem jugendlichen Sohn die eigene Frau zu töten. Dies muss seiner Meinung nach geschehen, damit das Land, das sie in die Ehe mitgebracht hat, nicht an eine schrecklich stinkende Schweinefabrik verkauft wird, die dann die Gewässer verpesten und ihn aus seinem gewohnten Trott holen wird. Bei "Big Driver" nimmt die Autorin Tess lediglich eine vorgeschlagene Abkürzung, als sie mitten in eine perfide Falle gerät. Sie wird missbraucht, geschlagen und wie Müll in einem Stück Wald abgeladen. Für sich beschließt sie, dass sie nicht Gerechtigkeit, sondern Rache möchte.

Ein wenig übersinnlicher geht es bei "Faire Verlängerung" zu. Streeter ist schwer krebskrank und die Ärzte haben keine Hoffnung auf Besserung. Da klingt das Angebot des Fremden am Straßenrand sehr verlockend, für einen Bruchteil seines Jahreseinkommens das eigene Leben um einige Jahrzehnte zu verlängern. Die einzige Bedingung hierbei ist, dass er persönlich jemanden wählen muss, der ab sofort sein Leid, das ihm abgenommen wird, erhalten soll. "Eine gute Ehe" ist ein wahres Gottesgeschenk und Darcy ist wirklich glücklich, dass sie und ihr Mann so lange Jahre gemeinsam überstanden haben. Als sie in der Garage ein geheimes Versteck findet, wirft das jedoch ihre Meinung über diese Jahre brutal über den Haufen. Kann es sein, dass sie den Mann, mit dem sie Tisch und Bett über so lange Zeit geteilt hat, falsch eingeschätzt hat? Kann ihr Ehemann ein Monster sein?

Schon immer hat sich Stephen King besonders in den kleinen zwischenmenschlichen Geschichten als wahrer Meister hervorgetan. Auch in "Zwischen Nacht und Dunkel" gelingt es ihm abermals, die unterschiedlichsten Konstellationen und Gefühlsregungen wahrhaftig und realistisch zu schildern. Für den Leser ist es sehr plausibel, wie sich Wilfred davon überzeugt, dass er gar keine andere Wahl hat, als seine Frau zu ermorden, um sein Leben weiter zu leben. Und auch der Ehemann mit dem lang gehüteten Geheimnis handelt rational und nachvollziehbar. Rache, Scham, Hilflosigkeit, Verzweiflung, Hoffnung und Eifersucht, all diese großen Gefühle vermengen sich hier zu einem Panoptikum menschlicher Schwächen und Stärken, eingepackt in kurze und mitreißende Geschichten.

Was das Lesen dieser Erzählungen so besonders macht ist, dass die Hauptfiguren ganz normale Personen sind. Sie werden nicht als gut oder böse markiert, sondern sind ganz gewöhnliche Menschen, bis ihr Leben an einen Scheideweg gerät. Und die Abzweigung, die sie nehmen, entscheidet, wie ihr Leben weiterführt. Dabei kann sich der Leser keineswegs als moralische Instanz absondern und mit dem Zeigefinger deuten, da er weiß, dass er in diesen Situationen vielleicht genauso handeln würde, zumindest sind die Handlungen für ihn alle nachvollziehbar.

Dieser Roman von Stephen King, beziehungsweise diese Romansammlung kann man nicht direkt dem Horror zuordnen. Es sei denn, man erschreckt sich davor, wie dünn und subtil die Grenze zwischen Menschlichkeit und Grausamkeit verläuft und wie leicht ganz normale Menschen zu Monstern und Schatten ihrer selbst werden können. Eine Sammlung wunderbar geschriebener und zum Nachdenken anregender Geschichten.

Daniela Hanisch

Probe


Hardcover | Erschienen: 15. November 2010 | ISBN: 978-3453266995 | Originaltitel: Full Dark, No Stars | Preis: 19,99 Euro | 528 Seiten | Sprache: Deutsch

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