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 Summer Wars

Autoren: Satoku Okudera
Regisseure: Mamoru Hosoda
Verlag: AV Visionen

Cover
Gesamt +++++
Action
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Die Studenten Kenji Koiso und Takashi Sakuma arbeiten in ihrer Freizeit als Softwareentwickler am virtuellen System OZ mit. Die Online-Plattform ist einerseits ein weltweiter Veranstaltungs- und Chatroom für Computerspieler, andererseits aber auch eine Art virtuelle Realität, die es dem Nutzer ermöglicht jedes Detail der Realität, jeden Behördengang oder Einkauf mit ein paar Mausklicks, einem Handys oder gar mit einer Spielekonsole zu erledigen. Die hundertmillionen Accounts, die OZ bereits verwaltet, vernetzen die gesamte Welt auf perfekte Art und Weise miteinander. Das Mathegenie Kenji lebt jedoch fast lieber in der OZ'schen Welt als im realen Japan. Umso erstaunter ist er, als die wunderschöne Natsuki Shinohara, der Schwarm aller Mitstudenten, ausgerechnet ihn mit nach Ueda nehmen will. Dort findet ein großes Familientreffen zu Ehren des neunzigsten Geburtstags von Natsukis Uroma statt. Erfreut und wie im siebten Himmel sagt Kenji seine Teilnahme zu.

Doch bereits die erste Begegnung mit der Patriarchin Sakae Jinnouchi wird für ihn zum peinlichsten Desaster seines Lebens. Er wird als Verlobter von Natsuki vorgestellt und bekommt eine derart glänzende Lebensgeschichte verpasst, dass ihm der Angstschweiß in Strömen den Rücken hinunter läuft. Ausgerechnet er, der Computerfreak und Einzelgänger wird zu einer Art weltgewandtem Casanova stilisiert. Kaum hat er den prüfenden Blick Sakaes überstanden, stolpert er vom Regen in die Traufe. Ein harmloses Spiel wird für Kenji zum Horrortrip und für die gesamte Welt zu einer Bedrohung ungeahnten Ausmaßes. Dabei hatte Kenji nur eine E-Mail mit einem komplexen Zahlenrätsel gelöst und die Antwort an den unbekannten Adressaten zurück gemailt. Doch das Rätselspiel entpuppt sich als blutiger Ernst. Der Unbekannte nutzt die Lösung, die Kenji ihm naiverweise geschickt hat, um sämtliche Sicherheitssperren in OZ aufzuheben. Der als Love Machine auftretende Nutzer bringt sich in den Besitz von Abermillionen Useraccounts und beginnt mit deren Berechtigungen in der Realität Veränderungen zu veranlassen.
Weltweit bricht das Chaos aus. Und ausgerechnet Natsukis Urgroßmutter Sakae erweist sich als Fels in der Brandung und bestärkt Kenji darin, den virtuellen Kampf gegen Love Machine aufzunehmen. Dank des enormen Elans der Familienmitglieder des Clans scheint die Lage vielleicht nicht ganz so aussichtslos, wie Kenji sie sich ausmalt.

August 2009 kam der neuste Film von Regisseur Mamoru Hosoda in die japanischen Kinos. Seit er mit "Das Mädchen, das durch die Zeit sprang" weltweit für Aufsehen sorgte, gilt Hosoda als einer der legitimen Nachfolger des einzigartigen Hayao Miyazaki.

In "Summer Wars" versucht er das Unmögliche: Die Vereinigung einer traditionellen Familiengeschichte mit einer Fantasy-Handlung, die in der Virtualität spielt. Einerseits also ruhige Bilder von japanischen Landschaften, Dutzende Familienmitglieder mit ihren Problemen, Konflikten und Animositäten und einer alles überschattenden Patriarchin als Kristallisationspunkt. Und andererseits eine Handlung, die ein japanisches Computerspiel a la "Final Fantasy" verknüpft mit einer Art aufgebohrtem Web 2.0 - und das möglichst hektisch, laut, bunt und jenseits jeder Physik.

Doch Hosoda gelingt nicht nur die perfekte Synthese von Kampfspiel und Familiengeschichte. Er verbindet beide Welten auch noch mit so viel Humor und bildgewaltiger Poesie, dass man einhundertvierzehn Minuten mit offenem Mund auf den Monitor, den Fernseher oder im idealen Fall auf die Leinwand starrt.

Dabei beginnt die Geschichte ganz harmlos - allerdings so urkomisch, dass man sich den Bauch halten möchte über die Nöte von Kenji. Da aber sämtliche Charaktere ausnahmslos faszinierend ausgemalt sind, kommt keine Langeweile auf. Im Gegenteil, der Film könnte so betulich und schwelgerisch weitergehen.
Doch dann kommt ein abrupter Wechsel. Virtuell sind die Dinge von gänzlich anderer Qualität. Hier ist nichts malerisch, nett und poetisch. Hier ist alles laut, aufdringlich, verrückt und wirr. Beim ersten Sehen kann man kaum erfassen, wie viele Ideen in die virtuelle Realität OZ geflossen sind. Und doch wirkt auch diese Welt perfekt, faszinierend und mitreißend.

Und so kann man als Fazit nur sagen, dass dieser Film ein Juwel ist, den jeder, der diesem Genre auch nur das Geringste abgewinnen kann, unbedingt ansehen sollte. Zumal nicht nur Bild und Ton - perfekt ist hier die deutsche Synchronisation, die mit dem Original gut mithalten kann -, sondern auch die musikalische Untermalung unglaublich gut ist. Der Soundtrack ist vom Allerfeinsten und bringt es locker auf CD-Länge (achtzehn Stücke, fast fünfzig Minuten reine Abspiellänge). Akihiko Matsumoto und Tatsuro Yamashita, der für das Hauptthema "Our Summer Dreams" (fünf Stücke, fünfundzwanzig Minuten reine Abspiellänge) zuständig war, setzten hier Maßstäbe, die kaum noch zu überreffen sind.

Stefan Erlemann



DVD | Disc-Anzahl: 1 | EAN: 7640105237715 | Erschienen: 26. November 2010 | FSK: 12 | Laufzeit: 114 Minuten | Originaltitel: Sama Wozu | Preis: 17,99 Euro | Untertitel verfügbar in: Deutsch, Polnisch, Italienisch | Verfügbare Sprachen: Deutsch, Italienisch, Japanisch

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