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 The Stand - Das letzte Gefecht, Band 2: Ein amerikanischer Albtraum


Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Nachdem im ersten Teil von "The Stand - Das letzte Gefecht" Zeichner und Autoren die tödliche Seuche "Captain Trips" auf den amerikanischen Kontinent losließen, ist nun, im zweiten Teil, die erste Welle abgeklungen. Es gibt nur noch wenige Überlebende, und allerorts herrscht Chaos. Die Städte sind leer und verwüstet, überall liegen Leichen. Diejenigen, die scheinbar immun sind und die Supergrippe überlebt haben, schließen unsichere Allianzen und machen sich gemeinsam auf den Weg doch wohin führt dieser Weg? Gibt es irgendwo in diesem zerfallenen Land noch Hoffnung?
Während die Überlebenden sich zaghaft dem Leben nach der Seuche stellen, sind andernorts weitaus finsterere Zeitgenossen bereit, die Auswirkungen von Captain Trips für ihre Zwecke zu nutzen: Nicht nur Randall Flagg, der wandelnde Geck, ist begeistert von den Möglichkeiten dieser Apokalypse, auch der geistig etwas zurückgebliebene Donald Elbert, den alle seit seiner Kindheit nur "Mülleimermann" nennen, entdeckt die grandiosen Möglichkeiten, die ein entvölkertes Amerika bietet

Nach den atemlosen, sich stetig zuspitzenden Geschehnissen aus "Captain Trips" nimmt der zweite Teil von "The Stand - Das letzte Gefecht" das Tempo zumindest zeitweise etwas heraus und zeigt damit eindrucksvoll die Stille, die in einer Welt herrscht, die zu 90 Prozent entvölkert ist. In dieser schrecklichen neuen Welt müssen sich die wenigen Verbliebenen neu orientieren und nach einem Sinn suchen. So werden in "Ein amerikanischer Albtraum" die Hauptcharaktere, die sich bisher allein durchschlugen, vom Schicksal immer mehr zusammengeführt: Die schwangere Franny Goldsmith macht sich mit ihrem Nachbarn Harold Lauder auf den Weg ins nächstgelegen Seuchenzentrum, wo sie auf Antworten und Hilfe hoffen. Was die beiden nicht wissen: Stu Redman ist zur gleichen Zeit endlich ebendiesem Seuchenzentrum entkommen, doch dort gibt es niemanden mehr, der Hilfe oder gar ein Gegenmittel bieten könnte. Währenddessen trifft der erfolglose Musiker Larry Underwood in einem Park auf die attraktive, aber anstrengende Rita; auch diese beiden beschließen, den gefährlichen Weg gemeinsam fortzusetzen. Und Randall Flagg, der faszinierendste Widersacher aus Stephen Kings Feder, ist definitiv mehr als bereit für die Zeit nach der Seuche: Er inszeniert eine folgenreiche Begegnung mit Lloyd Henreid, der, einsam und vergessen, immer noch in seiner Gefängniszelle eingeschlossen ist und dort aus Verzweiflung und Hunger begonnen hat, die Leiche seines Mitgefangenen zu essen.

Wie auch der erste Teil bewegt sich "Ein amerikanischer Albtraum" eng an der Buchvorlage und schafft es, die unterschiedlichen Facetten der handelnden Personen auf grandiose Weise in Bilder umzusetzen. Erneut geht es sehr düster zu; eine der zentralen Szene ist Larry Underwoods langer und dunkler Weg durch den unbeleuchteten, mit Leichen übersäten New Yorker Lincoln-Tunnel ein beklemmendes und schauriges Szenario, das die klaustrophobische Stimmung aus dem Roman sehr gut einfängt. Auch die Einführung des "Mülleimermanns" Donald Elbert, der noch eine der wichtigsten Rollen in der Handlung einnehmen wird, erfüllt die Erwartungen voll und ganz.
Fast noch schockierender als die zahlreichen Leichenberge und dramatischen Entwicklungen ist aber die Doppelseite, die sich den kleinen, stillen Toden am Rande widmet und eindrucksvoll zeigt, wie sich das Leben nach der Seuche verändert hat: Menschen schließen sich aus Versehen in Kellerräumen ein und verhungern. Ein Kleinkind fällt in einen Brunnen. Ein Mann zieht sich eine Blutvergiftung zu und stirbt bei der Amputation seines Beines, ein Mädchen fällt vom Fahrrad und erleidet einen Schädelbruch, ein Jogger bricht mit einem Herzinfarkt zusammen. Diese beiläufigen, fast lächerlichen Todesfälle, die Captain Trips indirekt mit sich bringt, zeigen das ganze Ausmaß der Pandemie: eine Welt ohne Ärzte, ohne Ordnung, in der jeder auf sich gestellt ist und in der die Anarchie bereits auf der Lauer liegt. Dass Randall Flagg ein Freund von Anarchie und Chaos ist, weiß man bereits aus Band 1, und mit Spannung verfolgt man seinen weiteren Weg.

Der Anhang von "Ein amerikanischer Albtraum" zeigt wieder die Variant-Cover und verschiedene Skizzen, außerdem plaudert Zeichner Mike Perkins aus dem Nähkästchen und gibt einen interessanten Einblick in seine Arbeitsweise. Der nächste Teil von "The Stand" erscheint unter dem Titel "Überlebende" im März 2011.

Christina Liebeck



Softcover | Erschienen: 6. Oktober 2010 | ISBN: 978-3866079991 | Originaltitel: The Stand: American Nightmares | Preis: 16,95 Euro | 160 Seiten | Sprache: Deutsch

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