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 Mister Peanut

Autoren: Adam Ross
Verlag: Piper

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Gar nicht nur um 'Peanuts' geht es in dem Debütroman des jungen Amerikaners Adam Ross. Stattdessen knüpft dieser an das titelgebende Werbemaskottchen einer in den USA sehr bekannten Marke für Knabbergebäck die äußerst ernsten Themen, wenn nicht ernstesten Themen überhaupt: Tod und Leben. Der grinsende Mr. Peanut auf seiner Erdnusspackung ist vielleicht das letzte, was Alice Pepin sieht, bevor die Allergikerin an der für sie tödlichen Knabberei erstickt. Und Mr. Peanut ist auch der Spitzname für ihr Kind, das für immer ungeboren bleiben wird…
Bereits in der Wahl des Titels deutet sich der charakteristische Ton an, den Adam Ross in seinem Roman anschlägt: Es geht ernst zu, zugleich aber auch spielerisch, und Bedeutungsgeladenes bekommt bisweilen groteske Züge. Zentrales Thema ist die Ehe: Was passiert zwischen Paaren, wenn sie jahrelang verheiratet sind? Diese Frage stellt sich am Beispiel von drei Paarbeziehungen, deren Geschichten Adam Ross als Handlungsstränge miteinander verknüpft. Da ist zum einen die tragische Hauptstory um den Videospiele-Entwickler David und seine übergewichtige Frau Alice Pepin, mit der das Buch beginnt und die immer wieder in langen Rückblicken aufgegriffen wird. Dann gibt es aber auch noch die Ehen der beiden Ermittler Hastroll und Sheppard, die die mysteriösen Umstände von Alices Erstickungstod aufzuklären versuchen. Gemein ist den drei Konstellationen die wachsende Entfremdung innerhalb der Beziehung, in der vor allem das Innenleben der Frauen ihren Männern immer mehr zu entgleiten scheint. Gemein ist ihnen auch, dass diese dem Problem letztlich nicht anders zu begegnen wissen als dadurch, dass sie die Geliebte töten – ob nun tatsächlich oder doch nur in ihrer Fantasie …

"Mister Peanut" ist ein ungewöhnlicher Roman, der in eindringlicher Weise die Abgründe zwischen den Gefühlspolen der Ehe beleuchtet. Gerade die Gleichzeitigkeit von noch immer irgendwie währender Liebe und einer Spannung, die gelegentlich schon nahe am Hass zu sein scheint, macht die Geschichten um die drei Paare so bedrückend. Ungewöhnlich ist aber nicht nur die Atmosphäre, sondern vor allem die Erzählweise. Wenn der Leser erfährt, dass die Hauptfigur David Pepin wie besessen ist von der Idee, das Computerspiel "Escher X" (kurz für "Escher Exit") zu entwickeln, kann er bereits ahnen, dass es sich hier nicht nur um eine beiläufige Information handelt. Und auch, dass ein auftauchender Profikiller ausgerechnet Möbius heißt und damit auf das gleichnamige verwirrende Band anspielt, das ebenfalls in Werken von M.C. Escher aufgegriffen worden ist, ist natürlich kein Zufall, sondern markiert das erzählerische Programm. Wie in den Bildern des niederländischen Künstlers gibt es in "Mr. Peanut" verschiedene Ebenen, die sich nicht recht voneinander trennen lassen, verwirren und zum Schluss zu keinem Ausgang führen – oder eben zu mehreren…

Das ist kunstvoll gemacht und spannend zu lesen, zumindest für diejenigen Leser, die sich gerne auf Verwirrspiele einlassen, auch wenn diese ohne gänzlich befriedigende Entwirrung bleiben. Doch stellt sich die Frage, ob das alles wirklich nötig ist, um das 'Möbiusband' der Ehe greifbar zu machen, ob der Tenor des Buches durch die komplexe Erzählform intensiviert oder ob diese im Gegenteil nicht eher vom eigentlichen Kern ablenkt.

Besonders stark erscheint der Roman weniger durch seine Ebenenwechsel, seine Mise-en-abyme-Struktur und seine postmodernen Verweise auf Pop- und Hochkultur. Viel stärker als diese mitunter etwas zu gewollt wirkenden Erzählraffinessen sind vielmehr Szenen wie die, in der Alice und David buchstäblich an einem beinahe tödlichen Abgrund auf Hawaii entlangwandernd nicht miteinander und nicht ohne einander ihren Schmerz bewältigen können. Diese Passagen, in denen sich der Erzähler ganz schnörkellos auf seine Figuren einlässt, sind diejenigen, die überzeugen und in Erinnerung bleiben werden.

Fazit: Obwohl die Mischung aus Beziehungsdrama, Krimielementen und Mindgame-Narration nicht jeden gänzlich überzeugen werden, liefert Adam Ross mit "Mister Peanut" einen insgesamt doch packenden Erstling.

Eine Leseprobe gibt es auf der Verlagsseite von Piper.

Silke Hettich



Hardcover | Erschienen: 1. Februar 2011 | ISBN: 9783492052924 | Originaltitel: Mr. Peanut | Preis: 22,95 Euro | 496 Seiten | Sprache: Deutsch

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