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 Sieben Minuten nach Mitternacht

Autoren: Siobhan Dowd, Patrick Ness
Illustratoren: Jim Kay
Übersetzer: Bettina Abarbanell
Verlag: cbj

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Der elfjährige Conor hat jede Nacht den gleichen schrecklichen Albtraum, seit seine Mutter schwer krank ist. Und jede Nacht erwacht er vor Angst, immer Punkt sieben Minuten nach Mitternacht.
In einer dieser Nächte, als Conor wieder um 0:07 Uhr aus dem Schlaf hochschreckt, steht ein Monster vor seinem Haus. Es ist die riesige Eibe, die er von seinem Fenster aus sehen kann, und doch wieder nicht – denn der Baum ist offenbar zum Leben erwacht, kann sich bewegen und sprechen. Das Monster kündigt Conor insgesamt vier Besuche an. Dreimal wird es ihm eine Geschichte erzählen. Beim vierten Besuch soll Conor seinerseits dem Monster eine Geschichte erzählen und dabei die Wahrheit über seinen Traum verraten, eine Wahrheit, die so schrecklich ist, dass Conor mit niemandem darüber reden kann, nicht einmal mit seinen Eltern …

In "Sieben Minuten nach Mitternacht" erzählt Patrick Ness eine Geschichte nach einer Idee von Siobhan Dowd ("Der Junge, der sich in Luft auflöste"), die gleichzeitig unendlich traurig und doch sehr tröstlich ist.
Doppelt tragisch ist, dass Dowd diese Erzählung nie selbst zu Papier bringen konnte, die Autorin erlag 2007 im Alter von 47 Jahren einem Krebsleiden. Die ersten Ideen zu ihrem Roman, die Dowd in Mails und Notizen festgehalten hatte, wurden von ihrem Schriftstellerkollegen Patrick Ness weitergeführt, in einen Roman umgesetzt und die Geschichte damit zu Ende erzählt – eine schwierige Herausforderung, die Ness jedoch wunderbar gemeistert hat.
"Sieben Minuten nach Mitternacht" ist eine beeindruckende Auseinandersetzung mit den Themen Tod und Abschied, die großen und kleinen Lesern gleichermaßen ans Herz und an die Nieren gehen wird. Es ist ein düsteres, ernstes Jugendbuch, das den Leser durch Conors Augen sehen und fühlen lässt, was den Elfjährigen bewegt, während seine Mutter im Sterben liegt – die Angst, die grenzenlose Wut, die Einsamkeit. Dem Autor ist es gelungen, Conors Begegnungen mit dem Monster und seine Auseinandersetzung mit der schweren Krankheit seiner Mutter anrührend, aber niemals kitschig in Worte zu fassen.

Eine besondere, teils verstörende Qualität erreicht das Buch durch die Illustrationen von Jim Kay. Die tintenschwarzen Bilder, die die Geschichte durchgängig begleiten, sind dunkle, albtraumartige Szenerien voller Kleckse, Striche, Schlieren, in denen man auf den ersten Blick oft nicht viel zu erkennen vermag. Auf den zweiten und dritten Blick jedoch offenbaren die Illustrationen nach und nach ihren Inhalt, zeigen Konturen, Bilder aus Conors Träumen und immer wieder das riesige Monster, das Conor nachts besucht und ihn zwingt, sich mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen und sich eine Wahrheit einzugestehen, die alles verändert.

"Sieben Minuten nach Mitternacht" ist ein schrecklich-schönes Kinder- und Jugendbuch für Leser ab etwa zwölf Jahren: herzzerreißend traurig, bisweilen witzig, gnadenlos ehrlich, behutsam geschrieben und gleichzeitig energie- und wutgeladen. Das Buch erscheint Ende August 2011.

Zum Buch-Special auf der Verlags-Website (mit Trailer, Interviews und vielem mehr)

Christina Liebeck



Hardcover | Erschienen: 29. August 2011 | ISBN: 978-3-570-15374-1 | Originaltitel: A Monster calls | Preis: 16,99 Euro | 216 Seiten | Sprache: Deutsch

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